Bei akuten Schmerzen nach einem Sportunfall, einem Sturz oder mit schleichend beginnenden Gelenkbeschwerden, steht am Anfang der diagnostischen Kette meist das Röntgenbild. Es erlaubt in kurzer Zeit einen ersten Überblick über die knöchernen Strukturen zu bekommen. Dabei hat das digitale Röntgen, die klassischen Verfahren, die Sie vielleicht noch aus der Vergangenheit mit Filmentwicklung und Dunkelkammer kennen, vollständig abgelöst. Es ist effizienter, hat eine reduzierte Strahlenbelastung bei verbesserter Bildqualität.

Wie funktioniert das digitale Röntgen?

Die sogenannte Röntgenröhre erzeugt Röntgenstrahlen mit variabler Intensität und Energie. Diese durchdringen den Körper in den Bruchteilen einer Sekunde. Auf ihrem Weg, werden die Strahlen durch die verschiedenen Gewebearten in Ihrem Körper unterschiedlich stark abgebremst. Knochen, die sehr kalkhaltig und dicht sind, absorbieren einen Großteil der Strahlung, so dass sie im fertigen Bild hell und kräftig erscheinen. Muskeln und Sehnen hingegen lassen die Strahlen fast ungehindert passieren und stellen sich so dunkel dar. Nachdem die Strahlen Ihren Körper durchwandert haben, werden sie mit einem hochempfindlichen, digitalem Flachbilddetektor aufgefangen. Dieser wandelt die Röntgenstrahlen direkt in elektrische Signale um. Mittels spezieller Bildverarbeitungsprogramme werden diese elektrischen Signale in digitale Bilder – das Röntgenbild – umgewandelt.

Wie läuft eine digitale Röntgenaufnahme ab?

Der Ablauf einer digitalen Röntgenuntersuchung ist unkompliziert, schmerzfrei und nimmt nur wenig Zeit in Anspruch.

Es bedarf keiner speziellen Vorbereitung. Sollte ein Schwangerschaft vorliegen oder nicht sicher ausgeschlossen werden können, teilen Sie uns dies unbedingt mit. Hierzu werden Sie auch noch mal explizit von unseren MitarbeiterInnen befragt.

Vor der Untersuchung müssen Sie Gegenstände wie Schmuck, Uhren, Brillen oder Kleidung mit Metallteilen (z.B. Reißverschlüsse, Knöpfe, BH Bügel) im Bereich der Aufnahme ablegen. Diese können zu Bildstörungen (“Artefakte”) führen oder die zu untersuchende anatomische Region verdecken.

Die Aufnahme erfolgt, je nach Fragestellung, im Stehen, Sitzen oder Liegen. Unsere KollegInnen helfen Ihnen bei der exakten Positionierung des betroffenen Gelenks oder Körperteils vor dem digitalen Detektor. Anschließend verlässt die/der Mitarbeiter:in den Raum und führt die eigentliche Aufnahme von dem Kontrollstützpunkt durch. Die Aufnahme dauert nur den Bruchteil einer Sekunde. Für diesen Zeitraum werden Sie gebeten ganz stillzuhalten, um ein “Verwackeln” des Bildes zu verhindern. Anschließend wird die Qualität der Aufnahmen kontrolliert.

Vorteile des digitalen Röntgen?

Der wohl wichtigste Vorteil für Ihre Gesundheit ist die deutliche Reduktion der Strahlenbelastung bei besserer Bildqualität. Des Weiteren sind die Bilder direkt verfügbar. So entfallen Wartezeiten für die Entwicklung. Auch die weiteren digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz erhöhen die Aussagekraft der Röntgenaufnahmen.

Wann kommt das digitale Röntgen zum Einsatz?

Wie Eingangs beschrieben, ist das Röntgen häufig der erste Schritt der diagnostischen Kette. Es können alle Skelettabschnitte dargestellt werden. In der Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin kommt es in der Regel zur Beurteilung der Knochenstruktur und Gelenke zur Anwendung. Die Aufnahmen werden meistens aus verschiedenen Winkeln (Ebenen) aufgenommen, um ein besseres Verständnis der eigentlichen drei-dimensionalen Struktur zu erhalten.

Das digital Röntgen erlaubt das Erkennen von Knochenbrüchen und eine erste Beurteilung des Zustands eines Gelenkes. Darüber hinaus hat es den Vorteil, Aufnahmen unter Belastungen durchzuführen. Dies erlaubt eine Beurteilung der Gelenkstellung, -achsen und -winkel unter physiologischer Belastung. Bei bestimmten Fragestellungen können auch sogenannte Stressaufnahmen durchgeführt werden. Dies erlaubt eine weitere Quantifizierung von möglichen Bandinstabilitäten.

Zuletzt wird das digitale Röntgen nach vielen operativen Eingriffen in der Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin angewendet, um das postoperative Ergebnis zu verifizieren und den weiteren Heilungsverlauf zu beurteilen. Selbiges zählt auch für die konservative Therapie von Knochenbrüchen.

Was sind die Grenzen des digitalen Röntgen?

Das digitale Röntgen dient in der Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin vorrangig der Beurteilung der Knochen und Gelenke. Muskel, Sehnen, Bänder und Knorpel können nicht dargestellt werden. Falls eine Verletzung dieser Strukturen vermutet wird, kommen andere Bildgebungsmodalitäten, wie der Ultraschall oder MRT, zum Einsatz.

Auch wenn Röntgenbilder aus verschiedenen Winkeln aufgenommen werden, handelt es sich um eine zweidimensionale Darstellung einer komplexen, dreidimensionalen Struktur. Entsprechen können Brüche oder knöcherne Absprengungen teilweise übersehen oder nicht detektiert werden. Wird eine detaillierte Darstellung des Knochens benötigt, kommt häufig die Computertomographie (CT) oder Digitale Volumentomographie zum Einsatz.

Zuletzt muss immer beachtet werden, dass auch das digitale Röntgen mit einer gewissen Strahlenbelastung einhergeht. Daher sollten unnötige Aufnahmen vermieden werden. Ebenso ist die Anwendung von Röntgenstrahlen in der Schwangerschaft kritisch zu hinterfragen und wann immer möglich zu vermeiden.