Stoßwellentherapie
Die Stoßwellentherapie (ESWT) nutzt energiereiche Schallwellen zur Behandlung chronischer Schmerzen an Sehnen und Gelenken. Man unterscheidet zwischen der oberflächigen radiären und der punktgenau tiefenwirksamen fokussierten Stoßwelle. Die Therapie fördert die Durchblutung, lindert Schmerzen, kann die Knochenheilung fördern und Kalkablagerungen abbauen. In drei bis fünf Sitzungen werden Erfolgsquoten von bis zu 85 % erreicht. Private Kassen übernehmen meist die Kosten, gesetzliche nur in Ausnahmefällen
Stoßwellentherapie: Mit moderner Schallwellen-Technik gegen den Schmerz
Chronische Schmerzen an Sehnen, Gelenken oder Muskeln können den Alltag stark einschränken. Wenn herkömmliche Methoden wie Schmerzmittel oder Krankengymnastik nicht den gewünschten Erfolg bringen, bietet die Stoßwellentherapie (ESWT) eine wirksame, schonende Alternative.
Was ist Stoßwellentherapie?
Die Stoßwellentherapie ist ein modernes Behandlungsverfahren, bei dem energiereiche Schallwellen von außen in den Körper geleitet werden. Ursprünglich wurde diese Technik bekannt, um Nierensteine zu zertrümmern. In der Orthopädie nutzen wir diese Energie in abgeschwächter Form, um gezielt schmerzhafte Prozesse im Gewebe zu behandeln. Man unterscheidet dabei zwischen der radiären Stoßwelle und der fokussierten Stoßwelle.
Bei der radiären Stoßwelle wird die Druckwelle ballistisch erzeugt. In dem Handstück wird ein Projektil durch Druckluft stark beschleunigt und trifft auf einen Metallapplikator. Die so entstandene kinetische Energie wird in eine Druckwelle umgewandelt und über ein Kontaktgel großflächig und oberflächlich in das Gewebe abgegeben.
Bei der fokussierten Stoßwelle wird die Schallwelle elektromagnetisch, piezoelektrisch oder elektrohydraulisch erzeugt und gebündelt (fokussiert). So können die Stoßwellen punktgenau in der Tiefe appliziert werden.
Wie wirkt Stoßwellentherapie?
Die Schallwellen wirken nicht rein mechanisch sondern vor allem biologisch. Der physikalische Reiz löst in den Zellen verschiedenen Reaktionen aus die Schmerzen lindern und Regeneration fördern:
- Anregung der Selbstheilung durch Freisetzung von Botenstoffen: Die Durchblutung und der Stoffwechsel im Gewebe werden stark verbessert.
- Schmerzlinderung: Die Schmerzleitung der Nerven wird unterbrochen, was oft zu einer relativ schnellen Besserung führt.
- Kalkabbau: Kalkeinlagerungen (z. B. in der Schulter) können aufgebrochen und vom Körper natürlich abgebaut werden.
- Knochenheilung: Bei schlecht heilenden Brüchen kommt es zu einer Aktivierung der Knochenbildungszellen (Osteoblasten).
Für wen ist die Therapie geeignet?
Die Stoßwellentherapie ist für chronische Beschwerden des Bewegungsapparates. Besonders erfolgreich behandeln wir damit:
- Kalkschulter: Schmerzhafte Bewegungseinschränkungen im Schultergelenk.
- Tennis- oder Golferellenbogen: Reizungen der Sehnenansätze am Arm.
- Patellaspitzensyndrom: Belastungsschmerzen an der Kniescheibe.
- Achillessehnenbeschwerden: Schmerzen und Verdickungen an der Achillessehne.
- Plantarfasziitis: Schmerzen unter der Ferse beim Auftreten.
- Chronische Verspannungen: Sogenannte Triggerpunkte in der Muskulatur.
- Gelenkarthrose und Knochenödemen
- Pseudarthrose: verzögert heilende Knochen
Wie läuft die Behandlung ab?
Die Behandlung ist unkompliziert und dauert meist nur 10 bis 15 Minuten. Vor der ersten Anwendung erfolgt eine ausführliche Aufklärung.
Üblicherweise wird zunächst eine lokale Kühlung (Kryotherapie) durchgeführt um das Schmerzempfinden zu reduzieren und das Gewebe vorzubereiten.
Vor der eigentlichen Stoßwellen Therapie wird ein Kontaktgel auf die Haut aufgetragen, damit die Schallwellen optimal und ohne Energieverlust eindringen können. Nun wird der Therapiekopf des Geräts über die schmerzende Stelle geführt. Sie spüren dabei ein klopfendes oder pulsierendes Gefühl. An dem Stoßwellengerät kann die Intensität eingestellt werden. Diese wird während der Anwendung adaptiert, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. Die Stoßwellen Therapie kann etwas unangenehm sein.
Nach der Sitzung können Sie Ihren Alltag normal fortsetzen. In der Regel sind 3 bis 5 Sitzungen im Abstand von jeweils einer Woche notwendig, um ein langfristiges Ergebnis zu erzielen.
Studien konnten zeigen, dass es drei unterschiedliche Ansprechraten gibt. Die Stoßwellentherapie kann zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Beschwerden führen. Alternativ kann es bereits bei den ersten Anwendungen zu einem sehr starken Effekt kommen mit geringeren Effekten im weiteren Verlauf. Zuletzt gibt es einige Patient:Innen, die initial über eine Verschlechterung der Beschwerden klagen und es erst im Verlauf zu einer Besserung kommt. Unabhängig von dem Reaktionstypen, zeigen sich nach 3 Monaten vergleichbare Ergebnisse.
Gibt es wissenschaftliche Grundlagen?
Ja. Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) gehört zu den am besten untersuchten Verfahren in der konservativen Orthopädie. Zahlreiche nationale und internationale Studien belegen ihre Wirksamkeit. Fachgesellschaften wie die DIGEST e.V. (Deutschsprachige Internationale Gesellschaft für Extrakorporale Stoßwellentherapie) und der BVOU (Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie) bestätigen hohe Erfolgsquoten von 70 bis 85 % – selbst bei Patient:Innen, bei denen andere Therapien zuvor versagt haben.
Kosten
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese Behandlung aktuell nur, unter bestimmten Voraussetzungen, für die Plantarfasziitis. Es handelt sich um eine individuelle Gesundheitsleistung.
Die privaten Krankenkassen übernehmen die Behandlung in der Regel bei Sehnenansatzreizungen. Bei anderen Indikationen ist es ratsam im Vorfeld eine Kostenübernahme zu erfragen. Wir unterstützen Sie hier gerne mit einem Kostenvoranschlag und entsprechender wissenschaftlicher Literatur.