Schlittenprothese

Was ist eine Schlittenprothese?

Unter einer Schlittenprothese versteht man den Ersatz von nur einem Teil des Kniegelenks. Damit zählt eine Schlittenprothese noch zu den gelenkerhaltenden Eingriffen. Wenn nur die Innenseite des Gelenks verschlissen ist, wird  allein diese ersetzt, wenn umgekehrt nur die Außenseite verschlissen ist, wird wiederum nur die Außenseite ersetzt.
‚Ersetzt’ bedeutet hierbei, dass die schmerzenden verschlissenen Gelenkflächen an Ober- und Unterschenkel mit Metall überzogen werden und über ein spezielles Kunststoff-Zwischenstück auf die richtige Distanz gehalten werden.
Es werden nur die einseitig verschlissenen Gelenkteile ersetzt. Vor allem aber werden alle Kniegelenksbänder erhalten und damit wird der Bewegungsablauf des Gelenks kaum verändert. Das Schlagwort bleibt: „Der Schmerz ist weg, das eigene Knie ist noch da!“

Alternative Bezeichnungen sind auch „Teilprothese“ oder „unikondyläre Prothese“.
Auch für den alleinigen Verschleiß des Kniescheibengelenks gibt es einen Ersatz, den wir anbieten können, der jedoch formal nicht zu den Schlittenprothesen gehört (https://www.youtube.com/watch?v=gKL4TlWuX-E).

Wer kann damit behandelt werden?

Eine Schlittenprothese kann vor allem bei Patienten mit einseitigem Gelenkverschleiß und erhaltenen Kniegelenksbändern, den Kreuzbändern und Seitenbändern, erfolgreich eingesetzt werden.
Der Gelenkverschleiß sollte dabei soweit fortgeschritten sein, dass sich im betreffenden Gelenkanteil Knochenflächen ohne Knorpelüberzug gegenüberstehen.
Diese Konstellation kann durch spezielle Röntgenaufnahmen im Stehen und Kernspinaufnahmen gezeigt bzw. nachgewiesen werden.

Wie funktioniert eine Schlittenprothese?

Dadurch, dass bei einer Schlittenprothese die verschlissenen Gelenkoberflächen nur auf der Innen- oder Außenseite ersetzt, aber alle Bänder intakt bleiben, kann der natürliche Bewegungsablauf des Kniegelenks erhalten werden. 
Die eingesetzten Gelenkkomponenten selbst bestehen aus passgenauen Metallflächen sowohl für die Oberschenkel- wie auch die Unterschenkelseite, dazwischen wird eine Gleitfläche aus einem speziellen reibungsarmen und verschleißfesten Kunststoff (Polyethylen) platziert.
Die Metallkomponenten können entweder mit oder ohne einem speziellen Knochen-zement befestigt werden. Die Kunststoffgleitfläche kann sich entweder frei auf der Unterschenkel-Unterlage bewegen („mobile bearing“) oder fest auf dieser verankert sein („fixed bearing“).

Warum wird keine Umstellungs-Operation durchgeführt oder eine Vollprothese eingesetzt?

Bei der Umstellungs-OP kann das gesamte Kniegelenk erhalten werden, es werden dabei keinerlei Anteile durch Metall ersetzt. Damit können weitaus stärkere Fehlstellungen ausgeglichen werden und der Eingriff kann auch bei sehr jungen Patienten durchgeführt werden.
Ähnlich wie die Umstellungs-Operation gilt auch die Implantation einer Schlittenprothese als eine gelenkerhaltende Therapie. Mit einer Schlittenprothese jedoch können bzw. sollten ausgeprägtere Fehlstellungen des Beines (O-Bein oder X-Bein) nicht behandelt werden. Ebenso möchte man junge Patienten damit nicht behandeln. Bei jüngeren Patienten mit hohem Aktivitätsanspruch wird  die vollständig gelenkerhaltende Umstellungs-Operation bevorzugt.
Vollprothesen werden eingesetzt, wenn das gesamte Kniegelenk verschlissen ist, und als Resultat die Gehstrecke erheblich eingeschränkt und der Schmerzmittelbedarf erheblich gesteigert sind. Vollprothesen haben ein höheres OP-Risiko, es kommt häufiger zu Problemen nach dem Eingriff und insgesamt wird eine schlechtere Beweglichkeit erzielt als nach der Implantation einer Schlittenprothese.
Die Kniegelenke der Patienten , die für eine Schlittenprothese in Frage kommen, sind bei weitem noch nicht so abgenutzt, als dass der Einsatz einer Vollprothese nötig wäre.

Wie läuft die Operation ab?

Die Operation wird vor dem Eingriff geplant: anhand von Röntgenbildern des gesamten gestreckten Beines im Stehen wird die Beinachsenfehlstellung analysiert. Anhand von Röntgenbildern des Kniegelenks in voll belastetem leicht gebeugten Zustand wird die Stelle des maximalen Verschleißes innerhalb des Gelenkes aufgezeigt.
In der OP selbst wird das Kniegelenk auf der betroffenen Seite eröffnet (offene Operation, keine arthroskopische Technik). Dann werden die verschlissenen Gelenkanteile mit eigens entwickelten Zielinstrumenten und mit zu der Größe des jeweiligen Kniegelenks passenden Schablonen entfernt. Damit werden optimale Auflage- und Verankerungsflächen für die neuen Metalloberflächen geschaffen. Es wird dabei sorgsam darauf geachtet, die angrenzenden Kniegelenksbänder nicht zu verletzen.
Die Metalloberflächen werden schließlich – mit oder ohne Knochenzement – stabil eingebracht.

Was erwartet die Patienten nach der OP?

Ab dem ersten Tag nach der OP dürfen die Patienten aufstehen und das operierte Bein bereits belasten. Nach 3-5 Tagen ist man an Gehstützen  bereits wieder im häuslichen Umfeld mobil.
Zu diesem Zeitpunkt kann meist schon überzeugend gesagt werden: „Der alte Schmerz ist weg!“
Das nächste Ziel ist, nach ca. 3-4 Wochen bereits ganz ohne Gehstützen gehen zu können. Dieser Übergang zur Vollbelastung wird gerne und erfolgreich im Rahmen eines stationären Rehabilitations-Aufenthaltes vollzogen.
Das Schlagwort „Zurück zum Sport“ ist abhängig von der Aktivität des Patienten vor der Operation und von der gewünschten Sportart an sich. Eine grobe Regel ist: „Je fitter man in die OP geht, desto mehr kann man hinterher machen.
Aber: Es sollten unter den beinbetonten Sportarten v.a. solche mit sog. harmonischen Bewegungen ausgeübt werden, beispielsweise  Radfahren, Schwimmen,  Golf, Wandern oder Walking.