Meniskusriss
Was ist der Meniskus ?
Das menschliche Knie besitzt einen Innen- und einen Außenmeniskus, welche als halbmondförmige, knorpelige Strukturen zwischen den Gleitflächen von Ober- und Unterschenkel liegen. Sie übernehmen die Aufgabe, die bei jeder Bewegung auftretende Last zwischen der runden Oberschenkel-Gelenkfläche und dem flachen Schienbeinkopf anzupassen. Demzufolge werden die Menisken oft als natürliche Stoßdämpfer bezeichnet, welche die Kräfte im Knie begrenzen. Durch ihre Form und Beschaffenheit übernehmen sie auch stabilisierende Funktionen und optimieren die Verteilung der Gelenkflüssigkeit.
Was ist ein Meniskusriss ?
Ein Meniskusriss ist eine unfall- oder verschleißbedingte Verletzung und kann sowohl den Innen- als auch den Außenmeniskus betreffen. Die Hälfte aller Meniskusläsionen ist degenerativer Art und entsteht im Laufe des Lebens durch ständig wiederkehrende Überlastung, z.B. beim Sport oder durch anhaltende Mehrbelastungen bei bestimmten beruflichen Anforderungen.
Die andere Hälfte der Meniskusverletzungen entsteht zum größten Teil durch direkte oder indirekte Gewalteinwirkung, meist durch Überbeugung oder Überstreckung verbunden mit Drehbewegungen im Kniegelenk.
Ein geringer Rest der Meniskusläsionen ist durch Anlagefehler bedingt, wie z.B. dem sogenannten Scheibenmeniskus.
Welche Symptome haben Patienten mit einem Meniskusriss ?
Sowohl am Innen- wie auch am Außenmeniskus sind die typischen Symptome:
Schmerzen im Bereich des Gelenkspaltes während und nach Belastung
spontane Gelenkblockaden in unterschiedlichen Gelenkstellungen
Schmerzen bei Überstreckung oder Überbeugung
Schmerzen bei Innen- oder Außendrehung des Unterschenkels und Fußes bei gebeugtem Knie
Was sind die Behandlungsmöglichkeiten ?
Die Therapieentscheidung bei Meniskusverletzungen hängt sehr stark von der Krankheitsgeschichte sowie von den Gewohnheiten und den Ansprüchen des Patienten ab.
Wenn der Meniskusschaden nur einen kleinen Teil des Organs betrifft und stabil ist, können die Beschwerden der Patienten gut mit konservativen Maßnahmen behandelt werden. Dies ist meist bei den sog. degenerativen Läsionen der Fall.
Wenn die Symptome nach ca. 6 Wochen Sportpause bzw. Schonung nicht abklingen, wenn es immer wieder zu Blockaden kommt oder wenn zusätzlich weitere Verletzungen (z.B. Bandverletzungen, Knorpelschäden, Beinachsenfehlstellungn etc.) vorliegen, dann ist ein operativer Eingriff sinnvoll.
Innerhalb der operativen Eingriffe kann man die Entfernung des geschädigten Gewebes (Meniskus-Teilresektion), die Naht, den Meniskusersatz und die Meniskustransplantation unterscheiden.
Wie läuft die Operation ab ?
Wann immer möglich, versuchen wir den Meniskus zu rekonstruieren. Das heißt, wir versuchen durch eine Meniskusnaht die Stoßdämpfungs- und Stabilisierungsfunktion des Meniskus für das Kniegelenk zu erhalten.
Bei einer Meniskusnaht wird das gerissene Gewebe in arthroskopischer Technik wieder fest miteinander und mit der Gelenkkapsel verbunden. Dabei werden spezielle Instrumente und Nahtmaterialien verwendet. Da es sich beim Meniskus um ein potentiell schlecht heilendes Gewebe handelt, kombinieren wir jede Meniskusnaht mit einer kleinen Eröffnung des Knochens im Kniegelenk zum Einstrom von Knochenmarksblut mit seinen Stammzellen und Wachstumsfaktoren, welche die Meniskusheilung nachweislich unterstützen.
Wenn ein kompletter Meniskuserhalt nicht möglich ist, wird das gerissene und nicht mehr stabile Gewebe – ebenfalls in rein arthroskopischer Technik – entfernt. Dabei wird nach dem Prinzip „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ gehandelt. Das heißt, es wird ebenfalls so viel Gewebe wie möglich erhalten (so wenig wie möglich weggenommen), dabei aber nur stabiles und möglichst gesundes Gewebe, das augenscheinlich nicht mehr weiter einreißt, belassen.
Sollte aufgrund einer vorausgegangenen Operation ein weitgehender Meniskusverlust vorliegen, so kann man je nach dem genauen Befund einen Ersatz des fehlenden Gewebes mit Fremdmaterial, das in Meniskusgewebe umgewandelt wird, durchführen. Das eingesetzte Gewebe dient als Gerüst für die körpereigene Neubildung von Meniskusgewebe. Das eingebrachte Fremdmaterial wird durch körpereigenes Gewebe ersetzt.
Die Maximalvariante ist ein kompletter Meniskusersatz durch menschliches Gewebe (Allograft).
Was erwartet den Patienten nach einer OP ?
Im Falle einer Meniskus-Teilentfernung raten wir zu einer Teilbelastung mit ca. 20kg (= Sohlenkontakt) für etwa eine Woche. In der zweiten Woche kann die Vollbelastung wieder erreicht werden. Die Rückkehr zum gewohnten Sport ist nach ca. 6 Wochen möglich.
Im Gegensatz dazu ist die Nachbehandlung bei einer Meniskusnaht weitaus aufwändiger. Sofern es sich nicht um einen sog. Radiärriss handelt, empfehlen wir primär eine Vollbelastung in Streckstellung für ca. 6 Wochen. Dabei wirken die Oberschenkelrollen als Kompression auf den Meniskus. Diese Kompression in Streckung stabilisiert die Naht und limitiert gleichzeitig die Verschiebung des Meniskus. Die Beugung ist passiv bei der Innenmeniskusnaht bis 90°, bei der Außenmeniskusnaht bis 60° erlaubt. Wenn die ersten 6 Wochen vergangen sind, wird das normale Gehen, anfangs noch mit Krücken, unter physiotherapeutischer Assistenz wieder erlernt. Die unbeschränkte Ausübung von Sport ist nach ca. 6 Monaten wieder möglich.
Auch beim Meniskusersatz durch Fremdgewebe oder menschliches Gewebe ist die Nachbehandlung langwierig und streng.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die individuellen Behandlungsmöglichkeiten bei Meniskusverletzungen vielfältig und komplex, die operativen Techniken spezialisiert und oft aufwändig sind. Die Meniskusheilung kann durch mehrmalige Injektion von körpereigenen Wachstumsfaktoren (ACP) ab der dritten Woche nach der Operation unterstützt werden. Dieser hohe Aufwand rechtfertigt sich jedoch durch die aussergewöhnliche Bedeutung welche die Menisci für die Funktion des Kniegelenkes und damit für die Aktivität des Patienten einnehmen.