Riss Achillessehne
Bei einer Achillessehnenruptur reißt die Sehne, die die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein verbindet — meist plötzlich beim Sport, oft mit hörbarem Knall und dem Gefühl, gegen die Ferse getreten worden zu sein. Zur Hauptrisikogruppe zählen sportlich aktive Männer zwischen 30 und 50 Jahren. Die konservative Behandlung hat die niedrigste Rate an Komplikationen aber das höchste Risiko für ein erneutes Reisen der Sehne. Die minimalinvasive Naht hat ein im Vergleich zur offenen Naht niedriges Komplikationsrisiko und ein niedriges Risiko für ein erneutes Reisen. Welcher Weg der richtige ist, hängt vom Befund und von Ihnen ab.
Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz versorgen unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten Achillessehnenrupturen frühfunktionell konservativ oder minimalinvasiv operativ.

Definition
Die Achillessehne verbindet die Wadenmuskulatur – bestehend aus dem Musculus gastrocnemius und dem Musculus soleus – mit dem Fersenbein und bewegt den Fuß fußsohlenwärts. Von einer Achillessehnenruptur spricht man bei einem vollständigen Riss dieser Sehne, wobei der Riss meist im mittleren Sehnenabschnitt auftritt. Reißt die Sehne in der Nähe des Muskelansatzes, handelt es sich um das sogenannte „Tennis-Bein“.
Beschwerden
Betroffene berichten häufig von einem plötzlichen Reißgefühl, das nicht selten von einem hörbaren Knall begleitet wird. Das Ereignis wird oft mit einem Tritt oder Schlag gegen die Ferse verglichen. Unmittelbar danach treten Schmerzen auf und das normale Gehen ist kaum noch möglich.
Häufigkeit
Die Achillessehnenruptur ist die häufigste Sehnenverletzung an der unteren Extremität – mit steigender Tendenz. In Deutschland werden jährlich etwa 20.000 Fälle dokumentiert. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Insbesondere sportlich aktive Männer im Alter zwischen 30 und 50 Jahren zählen zur Hauptrisikogruppe.
Ursachen
Die Ruptur tritt typischerweise bei Sportarten auf, die schnelle Richtungswechsel, abruptes Abstoppen oder explosives Abdrücken des Fußes erfordern – wie beispielsweise beim Tennis, Basketball, Fußball oder Badminton. Der bedeutendste Risikofaktor ist das männliche Geschlecht. Weitere Risikofaktoren umfassen die Einnahme bestimmter Medikamente, wie Kortison oder Chinolon-Antibiotika. In den meisten Fällen besteht eine degenerative Vorschädigung der Sehne. Diese chronischen Veränderungen treten meist unbemerkt auf. Die Vorschädigung führt dazu, dass die Sehne Elastizität verliert. Dann kann es bei einer Belastung, die in der Vergangenheit schon sehr oft durchgeführt wurde, zum Reißen der Sehne kommen.
Klinische Untersuchung
Die Diagnosestellung basiert in erster Linie auf der Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Die Ärztin oder der Arzt spricht mit Ihnen über den Unfallhergang. Bei der Untersuchung in Bauchlage wird die Stellung beider Füße bei gebeugtem Knie miteinander verglichen. Eine intakte Sehne zeigt eine Vorspannung, das bedeutet der Fuß ist auch ohne Anspannung der Muskulatur nach fußsohlenwärts geneigt. Bei einer Ruptur fällt eine deutliche Seitendifferenz der Fußstellung auf. Zusätzlich besteht meist eine tastbare Delle im Bereich des Risses.
Der sogenannte Thompson-Test ist ein wichtiger klinischer Test. Dabei wird die Wadenmuskulatur zusammengedrückt und damit verkürzt. Normalerweise führt dies zu einer Bewegung des Fußes nach fußsohlenwärts. Bleibt die Fußbewegung bei der Kompression der Wade aus, ist der Test positiv und weist auf eine Ruptur hin.
Bildgebung
Ergänzend zur klinischen Untersuchung können bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen. Eine Ultraschalluntersuchung ermöglicht eine schnelle, nicht-invasive Beurteilung der Sehne und erlaubt eine dynamische Untersuchung. Bei unklaren Befunden oder zur detaillierten Darstellung des Sehnenzustands kann eine Magnetresonanztomographie sinnvoll sein.
Einteilung
Die Einteilung der akuten Achillessehnenruptur erfolgt nach Ort und Ausmaß des Risses. Die Sehne kann im Bereich des Muskelbauches reißen. Dies wird dann auch als Tennis Bein bezeichnet. Am häufigsten reißt die Sehne im mittleren Abschnitt, seltener am Ansatz am Fersenbein. Die Lokalisation und das Ausmaß des Risses sind entscheidend für die Wahl der geeigneten Therapie. Wenn der Riss der Sehne länger als 4 Wochen zurückliegt, spricht man von einer chronischen Achillessehnenruptur
Konservative Behandlung
Sehnenverletzungen am Übergang zum Muskelbauch, dem Tennis Bein, lassen sich in der Regel konservativ behandeln. Dann erfolgt meist vorübergehend eine Ruhigstellung mit einem speziellen Gehstiefel. Auch Risse in der Sehnenmitte können konservativ behandelt werden, wenn die Sehnenstümpfe Kontakt haben. Im Verlauf wird dann die Bewegung – in einem geschützten Umfang – im Stiefel zugelassen. Wir nennen das eine frühfunktionelle Therapie. Liegt der Riss nahe am Fersenbein, ist in den meisten Fällen eine operative Versorgung erforderlich.
Operative Behandlung
Ziel der operativen Therapie ist die Wiederherstellung der Sehnenkontinuität durch Annäherung und Sicherung der gerissenen Enden. Die vorhandenen Studien konnten zeigen, dass durch eine Operation das Risiko einer erneuten Ruptur signifikant gesenkt wird. Je nach Lokalisation und Alter des Risses stehen unterschiedliche Operationstechniken zur Verfügung.
Beim klassischen offenen Verfahren erfolgt ein etwa acht bis zehn Zentimeter langer Hautschnitt über der Rupturzone. Anschließend wird die Sehnengleitschicht eröffnet, die Sehnenenden aufgesucht und direkt miteinander vernäht. Diese Methode erlaubt eine stabile Rekonstruktion, ist jedoch mit einem erhöhten Risiko für Wundheilungsstörungen, Nervenverletzungen und auffällige Narbenbildung verbunden. Bei der chronischen Ruptur ist eine Heilung ohne Operation unwahrscheinlich. Je nachdem wie groß die individuellen Einschränkungen sind, muss dann ein operativer Eingriff erwogen werden. In diesen Fällen ist in der Regel eine offene Operation notwendig.
Perkutane Naht der Achillessehne
Die minimalinvasive oder perkutane Naht stellt ein modernes, gewebeschonendes Verfahren dar. Bei der von uns bevorzugten Methode mit dem Dresdner Instrument, wird ein kleiner Hautschnitt etwa drei Zentimeter oberhalb der Ruptur gesetzt. Die Rupturzone selbst bleibt dabei geschlossen. Mit Hilfe des Dresdner Instrumentariums werden dann Fäden, nur über Hautstiche, durch den unteren Sehnenstumpf geführt und mit dem oberen Sehnenteil verbunden. Diese Technik bietet eine mit der offenen Naht vergleichbare Stabilität, bei gleichzeitig deutlich reduziertem Risiko für Komplikationen.
Nach der Operation
Nach dem Eingriff beginnt die entscheidende Phase der Rehabilitation. Früher wurde nach der Operation eine lange Phase der Ruhigstellung empfohlen. Heute weiß man, dass eine moderne Nachbehandlung mindestens genauso bedeutsam ist, wie die Operation selbst. In mehreren Studien konnten wir die Wertigkeit und Sicherheit der frühfunktionellen Therapie nachweisen. Entsprechend ist diese ein integraler Bestandteil unserer Therapie. Für lediglich 2 Wochen wird der Fuß ruhiggestellt, darf aber direkt schmerzadaptiert voll belastet werden. Nach dem Fadenzug wird die Bewegung des Sprunggelenkes, in einem definierten Umfang, im Stiefel freigegeben. Diese Vorgehensweise begünstigt die Narbenbildung, minimiert Verwachsungen und beschleunigt die Rückkehr in Alltag und Sport. Nach sechs Wochen wird der Stiefel dann durch reguläres Schuhwerk mit Keileinlagen ersetzt.
Komplikationen
Trotz der Vorteile der operativen Therapie bestehen allgemeine Operationsrisiken wie beispielsweise Wundheilungsstörungen, Infektionen, Beinvenenthrombosen oder Nervenläsionen. Grundsätzlich gilt: Je größer der Hautschnitt und je älter die Patientin beziehungsweise der Patient, desto höher das Komplikationsrisiko. Die minimalinvasive Technik zeigt dabei eine deutlich niedrigere Komplikationsrate – unabhängig vom Alter. Spezifische Risiken sind ein erneutes Reißen der Sehne in circa 2-4%, dass Kraft und Funktion der Wadenmuskulatur nicht vollständig wiederhergestellt werden können oder die Sehne in Verlängerung verheilt. Die speziellen Risiken gelten sowohl für die offene wie auch für die minimalinvasive Naht.
Ergebnisse
Der Behandlungserfolg hängt maßgeblich von der gewählten Therapieform und der Nachbehandlung ab. Die konservative Therapie weist eine höhere Rerupturrate auf, aber hat eine deutlich geringere Komplikationsrate. Entsprechend ist sie beispielsweise für ältere Menschen mit moderatem Aktivitätsniveau eine sinnvolle Behandlungsalternative. Die Operation führt insgesamt zu besseren funktionellen Ergebnissen und zu einer geringeren Rate an Re-Rupturen. Dafür ist das Komplikationsrisiko höher.
Insgesamt handelt es sich bei der Ruptur der Achillessehne um eine schwere und langwierige Verletzung. Daten aus dem Profisport zeigen, dass circa 30% der Athletinnen und Athleten nach operativ versorgter Ruptur der Achillessehne, nicht mehr in der Lage waren professionell Sport zu treiben. Diejenigen die wieder in den Profisport zurückkehren konnten waren, wenn überhaupt, erst nach einem Jahr wieder auf dem vorausgegangenen Niveau.
Unsere Referenzen und Publikationen
Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:
- Revision Surgery and Wound Complications with Minimally Invasive Compared to Open Achilles Tendon Repair: A Retrospective Comparative Study of 116 Patients.
Danford NC, Freibott CE, Shoap SC, Polzer H, Vosseller JT.
J Surg Orthop Adv. 2023 Fall;32(3):173-176.
- Rehabilitation following operative treatment of acute Achilles tendon ruptures: a systematic review and meta-analysis.
Massen FK, Shoap S, Vosseller JT, Fan W, Usseglio J, Boecker W, Baumbach SF, Polzer H.
EFORT Open Rev. 2022 Oct 26;7(10):680-691.
- Rerupture and wound complications following Achilles tendon repair: A systematic review.
Shoap S, Backer HC, Freibott CE, Ferrer XE, Polzer H, Turner Vosseller J.
J Orthop Res. 2023 Apr;41(4):845-851. https://doi.org/10.1002/jor.25419
- 43/m-sudden „blow“ in the heel area : Preparation for the medical specialist examination-Part 26.
Baumbach SF, Polzer H.
Unfallchirurg. 2021 Dec;124(Suppl 1):64-70. https://doi.org/10.1007/s00113-020-00881-9
- Acute achilles tendon rupture : State of the art.
Braunstein M, Baumbach SF, Herterich V, Böcker W, Polzer H.
Unfallchirurg. 2017 Dec;120(12):1007-1014. https://doi.org/10.1007/s00113-017-0420-4
- Development of an accelerated functional rehabilitation protocol following minimal invasive Achilles tendon repair.
Braunstein M, Baumbach SF, Boecker W, Carmont MR, Polzer H.
Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc. 2018 Mar;26(3):846-853. https://doi.org/10.1007/s00167-015-3795-1
- Accelerated rehabilitation following Achilles tendon repair after acute rupture – Development of an evidence-based treatment protocol.
Brumann M, Baumbach SF, Mutschler W, Polzer H.
Injury. 2014 Nov;45(11):1782-90. https://doi.org/10.1016/j.injury.2014.06.022
Inhalt
Verfasst von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Hans Polzer · Zuletzt geprüft am 12.07.2026