Außenbandinstabilität – chronisch
Von einer chronischen Außenbandinstabilität spricht man, wenn das obere Sprunggelenk über einen Zeitraum von 3 Monate oder mehr instabil ist — das macht sich bemerkbar durch wiederholtes Umknicken oder als anhaltendes Unsicherheitsgefühl. Ursache ist eine instabile Außenbandverletzung bei der die Bänder verlängert verheilt sind. Am Anfang steht immer die konservative Therapie mit neuromuskulärem Training; bleibt die Instabilität bestehen, kann der Außenbandapparat operativ rekonstruiert werden.
Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz behandeln unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten die chronische Außenbandinstabilität zunächst konservativ mit neuromuskulärem Training und Orthese. Sollte eine Operations notwendig sein erfolgt die Rekonstruktion des Außenbandapparates meist arthroskopisch.

Definition
Was genau ist eine chronische Außenbandinstabilität? Dabei handelt es sich um eine subjektive und/oder objektive Instabilität des oberen Sprunggelenkes über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten. Subjektiv heißt, dass Sie das Gefühl einer Instabilität haben oder sogar immer wieder umknicken. Objektive Instabilität bedeutet, dass sich im Rahmen der klinischen Untersuchung eine Instabilität des Sprunggelenks nachweisen lässt.
Anatomie
Der Außenbandkomplex am Sprunggelenk setzt sich aus drei Bändern zusammen. Das vordere Außenband, medizinisch Ligamentum fibulotalare anterius – kurz LFTA, das mittlere Außenband, das Ligamentum fibulocalcaneare – kurz LFC und das hintere Außenband, das Ligamentum fibulotalare posterius – kurz LFTP. Verletzungen des LFTP sind sehr selten und daher konzentrieren wir uns hier auf das vordere und mittlere Außenband. Das LFTA verhindert ein Vorwärtsgleiten des Sprungbeins, das LFC ein Aufklappen nach außen. Neben der Aufgabe der mechanischen Stabilisierung, haben die Außenbänder auch eine wichtige sensorische Aufgabe. Sie sind für die Tiefenwahrnehmung, die sogenannte Propriozeption, verantwortlich. Sie sind, ähnlich wie Dehnungsstreifen, Sensoren, welche die Stellung des Fußes im Verhältnis zum Unterschenkel messen. Dies erlaubt das sichere Gehen auf unebenen Untergrund.
Beschwerden
Die typischen Beschwerden bei einer chronischen Außenbandinstabilität sind vielfältig. Das führende Symptom ist das Instabilitätsgefühl des Sprunggelenkes beim Gehen auf unebenem Untergrund oder bei schnellen Bewegungen. Patientinnen und Patienten mit einer chronischen Instabilität knicken regelmäßig um, teilweise mehrmals pro Woche. Unter Umständen kann es auch zu Schmerzen, typischerweise nach Belastung oder am Tagesende, sowie anhaltende Schwellungen kommen. Dabei können anhaltende Schmerzen oder Schwellungen auf Begleitverletzungen hinweisen, wie beispielsweise Knorpelschäden, Vernarbungen im Gelenk oder Schäden an den Peronealsehnen.
Häufigkeit
Umknickverletzungen des Sprunggelenks zählen zu den häufigsten Verletzungen im Alltag und Sport. Entsprechend sind die meisten Menschen schon einmal oder mehrfach umgeknickt. Bei bis zu 20% dieser Patientinnen und Patienten entwickelt sich eine chronische Instabilität. Es handelt sich also um ein häufiges Problem.
Ursachen
Die typische Ursache für eine chronische Außenbandinstabilität ist eine akute Außenbandverletzung, bei der die Bänder in Verlängerung verheilen. Daraus entstehen zwei Probleme. Zum einen eine reduzierte mechanische Stabilität des Gelenkes durch die Verlängerung oder Elongation der Bänder. Dadurch ist die stabilisierende Funktion der Bänder beeinträchtigt. Zum anderen ist die Tiefenwahrnehmung gestört. Die Ursache dafür ist der Verlust beziehungsweise das nicht wieder Antrainieren der sensorischen Funktion der Bänder. Weitere Ursachen für wiederholtes Umknicken können eine varische Rückfußstellung, Schäden der Peroneus-Muskelgruppe bzw. Sehnen, oder auch eine sogenannte Coalitio sein.
Klinische Untersuchung
Die primäre Diagnose der chronischen Instabilität wird klinisch gestellt. Dabei ist sowohl die Anamnese als auch die klinische Untersuchung wichtig. In der Anamnese werden der Hergang des Unfalls, die Häufigkeit von Umknickereignissen und die genauen Beschwerden erfragt. In der anschließenden klinischen Untersuchung wird zunächst die Fußform untersucht. Besonders geachtet wird hier auf die Stellung des Rückfußes, also der Ferse. Dann wird nach schmerzhaften Druckpunkten gesucht und die Muskelaktivität getestet. Dann wird der Bewegungsumfang des Sprunggelenkes wie auch der angrenzenden Gelenke untersucht.
Anschließend erfolgt die Untersuchung der Stabilität des Sprunggelenks mit speziellen manuellen Tests. Entscheidend sind insbesondere zwei Untersuchungen, die im Seitenvergleich durchgeführt werden. Der vordere Schubladentest untersucht die Verschieblichkeit des Sprungbeins gegenüber dem Schienbein nach vorne und testet das LFTA. Mit der lateralen Aufklappbarkeit wird die seitliche Stabilität, also insbesondere die Funktion des LFC beurteilt.
Bildgebung
Die Diagnose einer Außenbandinstabilität kann meistens durch die klinische Untersuchung gestellt werden. Allerdings müssen Begleitverletzungen ausgeschlossen werden. Zu den Standard-Untersuchungen dafür gehören Röntgen-Untersuchungen und die Sonographie. Röntgenaufnahmen dienen dem Ausschluss von relevanten knöchernen Verletzungen. Die Ultraschalluntersuchung, oder Sonographie, ermöglicht die dynamische Beurteilung der Bänder und Sehnen rund um das Sprunggelenk.
Sollte sich in der Anamnese und klinischen Untersuchung der Verdacht auf zusätzliche Verletzungen, Fehlstellungen oder eine Coalitio ergeben haben, sind weiterführende Untersuchungen notwendig. Die Magnetresonanztomographie – MRT – ist vor allem geeignet zur detaillierten Darstellung des Gelenkknorpels und von Weichteilstrukturen wie Bändern und Sehnen. Die Computertomographie – CT – hilft, knöcherne Veränderungen, wie z. B. knöcherne Bandausrisse oder eine Coalitio, zu diagnostizieren. Zur Beurteilung des Rückfußes gewinnt zunehmend die Digitale Volumentomographie unter Belastung – DVT – an Bedeutung. Dabei handelt es sich, vereinfacht ausgedrückt, um ein CT-Untersuchung unter Belastung, bei geringerer Strahlenbelastung. Dies ermöglicht eine detaillierte Beurteilung des Rückfußes und möglicher weiterer Instabilitäten.
Einteilung
Üblicherweise erfolgt die Einteilung anhand der Anzahl der insuffizienten Bänder am Sprunggelenk, also des LFTA, des LFC und des LFTP. Wichtig ist, dass auch sämtliche Begleitverletzungen und Fehlstellung miterfasst werden.
Konservative Behandlung
Zunächst sollte immer eine konservative, also eine nicht-operative, Behandlung durchgeführt werden. Diese zielt darauf ab, die Stabilität des Sprunggelenkes durch gezielte Maßnahmen wiederherzustellen und die Funktion zu verbessern. Der zentrale Pfeiler ist die Physiotherapie. Hier erfolgt die Kräftigung der sprunggelenksumgreifenden Muskulatur, sowie ein gezieltes Gleichgewichts- und Koordinationstraining, zum Wiedererlangen der Propriozeption. Dabei ist es wichtig, die Physiotherapie als Anleitung zur Eigenübung zu verstehen. Das Trainieren der Muskulatur und der Propriozeption können nur Sie selbst. In der Krankengymnastik sollen Ihnen Übungen gezeigt werden, die Sie dann selbständig durchführen. Zusätzlich können Einlagen mit einer Fußaußenranderhöhung verschrieben werden. Diese entlasten zum einen die Peronealsehnen, zum anderen erschweren sie das neuerliche Umknicken. In der Anfangsphase können eine Orthese oder Tapeverbände hilfreich sein.
Operative Behandlung
Führt die konservative Therapie über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten nicht zu einer ausreichenden Stabilisierung, kann eine operative Behandlung in Betracht gezogen werden. Die Reparatur des Außenbandkomplexes erfolgt heutzutage meist im Sinne einer anatomischen Rekonstruktion. Dabei wird eine Raffung der verlängerten und vernarbten Bänder durchgeführt. Häufig wird diese Rekonstruktion mit dem unteren Halteband der Strecksehnen zusätzlich verstärkt. Die Außenbandstabilisierung kann offen oder arthroskopisch durchgeführt werden. Für beide Verfahren zeigen sich aktuell vergleichbare Behandlungsergebnisse. Was allerdings einen relevanten Einfluss auf das Ergebnis hat, ist die Identifizierung und Behandlung von Begleitverletzungen. Deswegen sollte zusätzlich, auch wenn die Raffung der Außenbänder offen erfolgt, eine Arthroskopie durchgeführt werden.
Gelenkspiegelung
Bei der Arthroskopie handelt es sich um eine sogenannte Gelenkspiegelung. Dabei führt der Arzt oder die Ärztin über kleine Schnitte eine Kamera und dünne Instrumente in das Gelenk ein. Dies ermöglicht es, das Gelenkinnere genau zu inspizieren und Begleitverletzungen wie Knorpelschäden oder freie Gelenkkörper zu behandeln.
Stabilisierung
Bei der arthroskopischen Raffung des Außenbandapparates werden zwei Fadenanker eingebracht, mit denen der Außenbandapparat an das Wadenbein gezogen wird. Rekonstruktive Verfahren mittels Sehnentransplantation sind nur sehr selten notwendig.
Begleitverletzungen
Wie bereits angesprochen, ist die Behandlung von Begleitpathologien ein wesentlicher Aspekt. Dazu gehören Schäden an den Peronealsehnen, eine Instabilität des Deltabandes an der Gelenkinnenseite oder der Syndesmose, Knorpelverletzungen, sowie Fehlstellungen des Rückfußes, die ein Umknicken begünstigen.
Nach der Operation
Nach der Operation ist die richtige Nachbehandlung und Ihre aktive Beteiligung essenziell für das Behandlungsergebnis. In den ersten zwei Wochen müssen die Wunden heilen und die akute Entzündungsreaktion abklingen. Häufig wird das Sprunggelenk in dieser Zeit in einer Schiene oder ähnlichem ruhiggestellt. In dieser Zeit sollten Sie das Bein vor allem hochlagern und an Unterarmgehstützen entlasten. Die weitere Behandlung richtet sich v.a. nach den durchgeführten Begleiteingriffen. Wenn nur eine Arthroskopie und Außenbandstabilisierung durchgeführt wurde, bekommen Sie nach 2 Wochen eine Sprunggelenksorthese und dürfen das operierte Bein schrittweise wieder belasten. Je nach Begleiteingriff kann es sein, dass Sie für weitere 4 Wochen das Bein nicht oder nur mit 20 kg teilbelasten dürfen. Ein wesentlicher Bestandteil der Nachbehandlung ist die frühzeitig beginnende Physiotherapie. Diese zielt darauf ab, die Beweglichkeit schrittweise wiederherzustellen, die Muskulatur zu kräftigen und das Gleichgewichtsgefühl, sowie die Koordination zu trainieren. Die genauen Protokolle können je nach Operationsmethode variieren. Es kann nur ein gutes Operationsergebnis erzielt werden, wenn sie konsequent die Übungen der Physiotherapie selbstständig durchführen.
Komplikationen
Jede Operation birgt allgemeine Risiken wie Infektionen, Wundheilungsstörungen, Nachblutungen oder die Bildung von Blutgerinnseln – Thrombosen. Speziell bei Operationen zur Stabilisierung des Sprunggelenks können Irritationen oder Schädigungen von Hautnerven auftreten, die zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder Schmerzen im Bereich der Narbe oder des Fußrückens führen. Dies liegt an der Nähe der Nerven zum Operationsgebiet. Auch eine postoperative Bewegungseinschränkung des Gelenks ist möglich. Obwohl das Ziel der Operation die Wiederherstellung der Stabilität ist, kann es in einigen Fällen zu einer erneuten Instabilität oder zu anhaltenden Schmerzen kommen.
Ergebnisse
Die Ergebnisse nach einer Behandlung der chronischen Außenbandinstabilität sind im Allgemeinen gut, vorausgesetzt, die Therapie wird individuell angepasst und die Nachbehandlung konsequent durchgeführt. Viele Patientinnen und Patienten erreichen wieder eine gute Gelenkstabilität, werden schmerzfrei und können ihre Alltagsaktivitäten, sowie sportliche Betätigungen aufnehmen. Die Rate an erneuter Instabilität nach Operationen liegt Studien zufolge zwischen etwa 5 und 10 Prozent. Der Erfolg hängt jedoch von mehreren Faktoren ab: der Qualität des Gewebes, dem Vorhandensein und der Behandlung von Begleitverletzungen und Fehlstellungen und ganz entscheidend von Ihrer aktiven Mitarbeit und Geduld während der Rehabilitationsphase.
Unsere Referenzen und Publikationen
Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:
- Arthroscopic repair of chronic lateral ankle instability.
Baumbach SF, Braunstein M, Herterich V, Böcker W, Waizy H, Polzer H.
Oper Orthop Traumatol. 2019 Jun;31(3):201-210. https://doi.org/10.1007/s00064-019-0595-7
Inhalt
Verfasst von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Hans Polzer · Zuletzt geprüft am 12.07.2026