Eingewachsener Zehennagel
Bei einem eingewachsenen Zehennagel dringt der seitliche Nagelrand in den Nagelwall ein — das umliegende Gewebe entzündet sich, schwillt an und schmerzt bei jedem Schuhkontakt. Betroffen ist fast immer die Großzehe. Zunächst sollte eine konservative Behandlung mit Nagelklammern durchgeführt werden. Kommt es trotz korrekter Nagelpflege immer wieder zu Entzündungen kann eine Operation erwogen werden. Dabei wird der Nagel von der Nagelwurzel aus verschmälert und der einwachsende Nagelanteil entfernt.
Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz behandeln unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten den eingewachsenen Zehennagel wann immer möglich konservativ. Bei wiederkehrenden Beschwerden erfolgt die Nagelverschmälerung in örtlicher Betäubung.

Definition
Der Zehennagel liegt dem Nagelbett auf und wird seitlich vom Nagelwall begrenzt. Er wächst aus der sogenannten Nagelmatrix, die sich unter der Haut am hinteren Ende des Nagels befindet. Bei einem eingewachsenen Zehennagel – medizinisch als Unguis incarnatus bezeichnet – wächst die Nagelplatte seitlich in den Nagelwall ein und verletzt dabei das umliegende Gewebe. Der Körper reagiert auf diese Irritation mit einer Entzündung, was die typischen Beschwerden verursacht. In vielen Fällen bildet sich zudem sogenanntes Granulationsgewebe – also wucherndes, entzündlich verändertes Gewebe. Kommt es zusätzlich zu einer bakteriellen Infektion, kann dies zu einer Abszessbildung oder zu einer akuten Verschlechterung einer bereits bestehenden Entzündung führen.
Beschwerden
Der betroffene Nagelwall ist meist geschwollen, gerötet und druckempfindlich. Häufig tritt auch ein feuchtes Wundsekret aus. Bei einer bakteriellen Infektion können diese Symptome deutlich zunehmen. Wenn Eiter aus der Wunde austritt oder Sie Fieber oder Schüttelfrost entwickeln, sollten Sie umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Betroffene klagen besonders beim Tragen enger Schuhe oder beim Gehen über Schmerzen.
Häufigkeit
Der eingewachsene Zehennagel ist eine häufige Erkrankung. Schätzungen zufolge sind etwa 2 bis 5 von 100 Personen betroffen. Besonders häufig tritt die Erkrankung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Grundsätzlich kann es jedoch jede Altersgruppe treffen.
Ursachen
Zu den häufigsten Ursachen zählt das falsche Schneiden der Nägel. Werden die Ecken zu rund oder zu kurz geschnitten, können spitze Nagelanteile entstehen, die in die Haut einwachsen. Auch durch Manipulation am Nagel, wie dem Herausbrechen von Nagelstücken, können scharfe Kanten entstehen, die sich in den Nagelwall bohren. Weitere begünstigende Faktoren sind zu enges Schuhwerk, mangelnde Nagelpflege oder Fußhygiene sowie Pilzinfektionen. Auch erbliche Veranlagungen zu bestimmten Nagelformen oder knöcherne Veränderungen, sogenannte kartilaginäre Exostosen, können eine Rolle spielen.
Klinische Untersuchung
In den meisten Fällen kann die Diagnose bereits durch einen einfachen Blick gestellt werden. Dennoch sollte Ihre Ärztin oder Ihr Arzt eine gründliche Anamnese erheben und eine sorgfältige Untersuchung des betroffenen Zehs vornehmen. Dabei wird unter anderem die Form des Nagels beurteilt, der Nagelrand inspiziert und auf das Vorhandensein von Granulationsgewebe oder Abszessen geachtet. Bei offenen Wunden sollte zudem überprüft werden, ob Ihr Tetanusschutz noch aktuell ist.
Bildgebung
Nur in Ausnahmefällen ist eine weiterführende bildgebende Diagnostik notwendig, meist bei wiederkehrenden oder therapieresistenten Fällen. Eine Röntgenaufnahme des Zehs kann helfen, knöcherne Ursachen wie Exostosen oder Osteophyten zu identifizieren, die das Einwachsen begünstigen.
Einteilung
Eine einheitliche, etablierte Einteilung des Unguis incarnatus existiert bislang nicht. Entscheidend für die Therapie ist die individuelle Beurteilung der Ursache und der Ausprägung der Entzündung.
Konservative Behandlung
Zunächst wird in der Regel eine konservative Behandlung empfohlen. Ziel ist es, den Druck auf das entzündete Gewebe zu verringern und die Reizung zu lindern. Dies kann durch das Tragen weiter oder offener Schuhe, sowie durch Fußbäder unterstützt werden. Eine erfolgreiche konservative Therapie erfordert Ihre aktive Mitarbeit und muss in der Regel über viele Wochen konsequent durchgeführt werden. Eine medizinische Fußpflege (Podologie) kann dabei hilfreich sein, insbesondere durch die Anpassung spezieller Nagelspangen, die das Einwachsen künftig verhindern sollen.
Operative Behandlung
Eine operative Behandlung wird notwendig, wenn konservative Maßnahmen keinen ausreichenden Erfolg bringen oder die Entzündung bereits zu weit fortgeschritten ist. Ziel ist es, die mechanische Ursache des Einwachsens zu beseitigen. Bei akuten, stark entzündeten Fällen wird der betroffene Nagelrand freigelegt, störende Knochenkanten entfernt, Granulationsgewebe abgetragen und gegebenenfalls der Nagel temporär geschient. In chronischen Fällen, insbesondere wenn konservative Maßnahmen oder eine Nagelglättung nicht ausreichen, kommt die sogenannte Emmert-Plastik zur Anwendung. Dabei wird ein schmaler Streifen des Nagels inklusive eines Teils der Nagelmatrix dauerhaft entfernt was zu einer dauerhaften Verschmälerung des Nagels fürht. Die Nagelwurzel kann chirurgisch oder chemisch (z. B. mit Phenol) verödet werden. Bei nachgewiesenen knöchernen Veränderungen erfolgt zusätzlich deren Abtragung. Nur in Ausnahmefällen ist die vollständige Entfernung des Nagels erforderlich. Diese Eingriffe können in der Regel in örtlicher Betäubung erfolgen.
Nach der Operation
Nach dem Eingriff sollten Sie den Fuß hochlagern und schonen, um Schwellungen und Schmerzen zu minimieren. Bei ausgeprägten bakteriellen Entzündungen wird häufig ein Antibiotikum verordnet, das Sie bitte entsprechend den ärztlichen Vorgaben einnehmen. Aufgrund der guten Durchblutung der Zehe kann es in den ersten 24 Stunden zu Nachblutungen kommen, sodass der Verband regelmäßig gewechselt werden sollte. In einigen Fällen sind tägliche Fußbäder, antiseptische Salben oder Spülungen notwendig. Ihre sorgfältige Mitwirkung ist entscheidend für eine gute Heilung. Abhängig von der Methode und Ihrem persönlichen Verlauf kann sich für einige Zeit Wundsekret bilden. Die vollständige Heilung nimmt in der Regel mehrere Wochen in Anspruch.
Komplikationen
Die häufigste Komplikation ist das Wiederauftreten eines eingewachsenen Zehennagels. Selbst nach einer korrekt durchgeführten Emmert-Plastik kann es dazu kommen. Bleiben bakterielle Entzündungen unbehandelt, droht in seltenen Fällen eine Infektion des Knochens (Osteomyelitis). Zudem können Wachstumsstörungen des Nagels oder die Bildung schmerzhafter Nagelsporne auftreten, die unter Umständen weitere Behandlungen erfordern.
Ergebnisse
Bei frühzeitiger und konsequenter konservativer Behandlung sind die Heilungsaussichten sehr gut und eine Operation kann häufig vermieden werden. Bei sorgfältiger Wahl der operativen Methode liegen die Erfolgsraten relativ hoch, auch wenn in etwa 20 % der Fälle mit einem Rückfall oder einem nicht zufriedenstellenden Ergebnis gerechnet werden muss.
Unsere Referenzen und Publikationen
Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:
- Unguis incarnatus-High-quality research comparing conservative and surgical treatment is warranted.
Moellhoff N, Polzer H, Baumbach SF, Kanz KG, Böcker W, Bogner-Flatz V.
Unfallchirurgie (Heidelb). 2022 Jul;125(7):585-586. https://doi.org/10.1007/s00113-022-01190-z
- Unguis incarnatus-conservative or operative treatment? A practical treatment algorithm.
Moellhoff N, Polzer H, Baumbach SF, Kanz KG, Böcker W, Bogner-Flatz V.
Unfallchirurg. 2021 Apr;124(4):311-318. https://doi.org/10.1007/s00113-020-00903-6
Inhalt
Verfasst von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Hans Polzer · Zuletzt geprüft am 12.07.2026