Arthrose des Rückfußes

Die Rückfußarthrose ist der fortschreitende Verschleiß des Gelenkknorpels im Bereich des oberen und/oder unteren Sprunggelenkes. Grundsätzlich gehört die Arthrose zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparats — am Sprunggelenk entsteht sie jedoch nur selten altersbedingt: Die häufigste Ursache sind vorangegangene Verletzungen, oft Jahre bis Jahrzehnte zuvor. Aufhalten lässt sich der Verschleiß nicht. Die konservative Behandlung hat das Ziel die Beschwerden zu lindern. Wenn damit keine ausreichende Besserung der Lebensqualität mehr erreicht wird besteht für das obere Sprunggelenk die Möglichkeit zum Gelenkersatz, zur Versteifung und in selteneren Fällen zur Umstellung.

Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz behandeln unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten die Rückfußarthrose zunächst konservativ. Reicht das nicht mehr aus, besprechen wir mit Ihnen die operativen Möglichkeiten — Gelenkersatz, Versteifung oder Umstellung.

Definition

Der Gelenkknorpel überzieht die Knochenenden der Gelenke und dient als Gleitschicht und Stoßdämpfer. Der Begriff der Arthrose beschreibt einen fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels. Bei der Rückfußarthrose betrifft dieser Verschleiß die Gelenke des Rückfußes. In der Folge geht die stoßdämpfende Funktion verloren. Es kommt phasenweise zu Entzündungsreaktionen. In diesen Phasen ist das betroffene Gelenk besonders schmerzhaft, geschwollen und empfindlich. Die Arthrose ist eine nicht heilbare Erkrankung. Das Fortschreiten des Gelenkverschleißes lässt sich grundsätzlich nicht aufhalten. So kommt es im Laufe der Zeit zu zunehmenden Beschwerden.

Anatomie

Der Rückfuß besteht aus dem oberen und dem unteren Sprunggelenk. Das obere Sprunggelenk wird von der Sprunggelenksgabel und der Sprungbeinrolle gebildet und ist hauptsächlich für das Heben und Senken des Fußes zuständig. Das untere Sprunggelenk besteht aus dem Sprungbein und dem Fersenbein und ermöglicht die seitlichen Kippbewegungen des Fußes. Diese Bewegungen sind wichtig für das Gehen auf unebenem Grund. Da die Gelenke in ihrer Funktion eng zusammenarbeiten, hat eine Arthrose in einem Bereich oft unmittelbare Auswirkungen auf die Dynamik des gesamten Rückfußes. Die Arthrose kann entweder nur eines dieser Gelenke oder beide Gelenke betreffen.

Beschwerden

Die Beschwerden einer Rückfußarthrose entwickeln sich oft schleichend. Anfangs treten Schmerzen vor allem nur unter Belastung auf. Ein oft beschriebenes Phänomen sind die sogenannten Anlaufschmerzen, ein Gefühl der Steifheit und Schmerzhaftigkeit, das nach einer längeren Ruhephase, zum Beispiel am Morgen oder nach langem Sitzen auftritt und sich nach wenigen Minuten des Gehens wieder bessert. Nach längerer Belastung kommt es dann wieder zu einer Zunahme der Beschwerden. Mit Fortschreiten der Erkrankung wird die schmerzfreie Gehstrecke immer kürzer, die Gelenke ermüden schneller, und die Schmerzen können sich verstärken, insbesondere auf unebenem Gelände, beim Treppensteigen oder bei Ausgleichsbewegungen. Im fortgeschrittenen Stadium treten die Schmerzen auch in Ruhe und sogar nachts auf. Ein weiteres Symptom ist die zunehmende Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit. Vor allem die Schmerzen führen dazu, dass sich das Gangbild sichtbar verändert und führen zu einem Hinken.

Häufigkeit

Die Arthrose allgemein gilt in Deutschland als eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparats. Rund 18 % der Erwachsenen sind davon betroffen, wobei die Häufigkeit mit dem Alter deutlich ansteigt. Die Arthrose im Rückfuß tritt deutlich seltener auf als beispielsweise eine Arthrose in Hüfte oder Knie. Unter einer schmerzhaften Arthrose des oberen Sprunggelenks leiden nur etwa 1 % der erwachsenen Bevölkerung.

Ursachen

Die Arthrose des Rückfußes kann durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Die häufigste Ursache ist eine vorausgegangene Verletzung, wie beispielsweise ein Bruch im Bereich des Sprunggelenkes. Aber auch Bänderrisse oder andere Verletzungen, die zu einer chronischen Instabilität des Gelenks führen, können zu einer Abnutzung des Knorpels führen.

Neben Verletzungen spielen aber auch angeborene oder erworbene Fehlstellungen des Fußes, wie ein Knicksenkfuß oder ein Hohlfuß, eine Rolle. Solche Fehlstellungen können die Achse des Beines verändern und eine ungleichmäßige Druckverteilung im Gelenk hervorrufen. Des Weiteren können rheumatische Erkrankungen oder Stoffwechselstörungen wie beispielsweise Gicht den Gelenkknorpel schädigen. Sicherlich spielt auch die Genetik eine Rolle. In einigen Fällen lässt sich keine Ursache ausmachen. Dies wird als eine idiopathische Arthrose bezeichnet.

Klinische Untersuchung

Die Diagnosestellung beginnt mit einem ausführlichen Gespräch, der sogenannten Anamnese. Ihr Arzt oder Ärztin wird Sie nach Ihren genauen Beschwerden, möglichen Unfällen oder Verletzungen in der Vergangenheit und vorbestehenden Erkrankungen fragen. Außerdem sind die Häufigkeit und das Ausmaß der Beschwerden beziehungsweise der Einschränkungen wichtig. Anschließend folgt eine sorgfältige körperliche Untersuchung. Dabei wird auf die Stellung Ihres Fußes und Sprunggelenkes, sowie Ihr Gangbild geachtet. Durch das Ertasten des Fußes können Schwellungen und Druckschmerzhaftigkeit festgestellt werden. Außerdem wird die Beweglichkeit des oberen und unteren Sprunggelenkes, sowie die Stabilität der Bänder geprüft. All diese Befunde liefern wichtige Informationen für die weitere Behandlung.

Bildgebung

Zur Bestätigung der klinischen Diagnose und zur genauen Beurteilung des Ausmaßes der Arthrose sind bildgebende Verfahren notwendig.

Konventionelle Röntgenaufnahmen bildet die Basis der radiologischen Untersuchung. Sie liefern einen ersten Überblick über die knöchernen Strukturen und können unter Umständen die typischen Zeichen der Arthrose wie Gelenkspaltverschmälerung, knöcherne Anbauten, eine Verdichtung des Knochens unterhalb des Knorpels und Zysten zeigen.

Die Computertomographie oder Digitale Volumentomographie ist eine dreidimensionale Darstellung des Knochens. Sie liefert detaillierte Schichtbilder des Knochens und ist hervorragend geeignet, um das genaue Ausmaß des Gelenkschadens, knöcherne Fehlstellungen und die eventuelle Beteiligung angrenzender Gelenke zu beurteilen. Vor allem bei der Planung von Operationen liefern diese Untersuchungen wertvolle Hinweise. Die Magnetresonanztomographie ergänzt unter Umständen die Diagnostik, indem sie eine präzise Darstellung der Weichteile ermöglicht. Sie ist dem Röntgen überlegen, wenn es darum geht, frühe Knorpelschäden, entzündliche Veränderungen oder Verletzungen der Bänder und Sehnen sichtbar zu machen.Die Kombination dieser Verfahren liefert somit ein vollständiges Bild der Erkrankung.

Einteilung

Um das Ausmaß der Arthrose zu beschreiben, nutzen Ärzte standardisierte Klassifikationen. Die am weitesten verbreitete ist die nach Kellgren und Lawrence, welche auf konventionellen Röntgenbildern beruht. Grad eins entspricht einer leichten Knorpelabnutzung während bei Grad vier der Gelenkspalt vollständig aufgehoben ist und unter Umständen schon eine Deformierung des Gelenkes vorliegt. Allerdings ist diese Einteilung nicht entscheidend. Es kann nämlich nicht von dem Schweregrad der Arthrose in den Röntgenaufnahmen auf das Ausmaß der Beschwerden geschlossen werden. Das bedeutet in manchen Fällen ist die Arthrose radiologisch nur wenig ausgeprägt, aber es bestehen schon starke Schmerzen und Einschränkungen. Andererseits kann die Arthrose im Röntgen sehr fortgeschritten sein, die Beschwerden sind aber noch kompensiert. Entscheidend für das weitere Vorgehen ist nicht der Röntgenbefund sondern sind Ihre Beschwerden! Das Ziel der Behandlung ist es Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Konservative Behandlung

Die konservative Therapie sollte immer der erste Schritt sein. Ihr Ziel ist es, die Schmerzen und Einschränkungen zu mildern.

Die Physiotherapie hat das Ziel die Muskulatur rund um das Gelenk zu stärken und die Koordination zu verbessern. Zusätzlich kann in der akuten Entzündungsphase kurzfristig eine medikamentöse Schmerztherapie Entzündungen und Schmerzen lindern. Auch orthopädische Hilfsmittel wie weichbettende Einlagen, Abrollhilfen, speziell angepasste Schuhe oder Bandagen können die Beschwerden, zumindest zeitweise reduzieren. Außerdem sollte, wenn möglich, Gewicht reduziert werden, da jedes zusätzliche Kilo die Belastung des Gelenkes erhöht. Injektionen mit Hyaluronsäure, Eigenblut oder ähnlichem können unter Umständen, in frühen Stadien der Arthrose, eine zeitweise Linderung verschaffen.

Operative Behandlung

Wenn Sie trotz konservativen Therapiemaßnahmen in Ihrem Leben stark eingeschränkt sind, ist eine operative Therapie zu diskutieren. Dabei entscheiden Sie wann eine Operation notwendig ist. Wenn die Entscheidung für eine Operation gefallen ist, stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Welche für Sie am besten geeignet ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab, wie dem Ausmaß der Arthrose, der Knochenqualität, Ihrem Alter und Ihren beruflichen sowie freizeitlichen Aktivitäten und vielen weiteren. Die Wahl des Verfahrens ist immer eine individuelle Entscheidung und sollte ausführlich diskutiert werden.

Für das obere Sprunggelenk ist ein Gelenkersatz oder eine versteifende Operation möglich. Beide Verfahren haben Vor- und Nachteile. Der Vorteil des Gelenkersatzes ist, das im Idealfall die Restbeweglichkeit des oberen Sprunggelenkes erhalten bleibt. Der große Nachteil ist, dass es zu einer Lockerung der Prothese im Verlauf kommen kann, was erneute sehr aufwendige Operationen notwendig macht. Die Versteifung hat den Nachteil, dass die Restbeweglichkeit des oberen Sprunggelenkes verloren geht, hat aber den Vorteil, das wenn die knöcherne Heilung abgeschlossen ist in den meisten Fällen nicht mit erneuten Operationen zu rechnen ist. Ist bei Ihnen nur eine Seite des Gelenkes betroffen, kann auch eine Umstellungsoperation diskutiert werden. Dabei wird die Achse des Beines so umgestellt, das der geschädigte Knorpel aus der Belastungszone geschoben wird und der intakte Anteil des Gelenkes in die Belastungszone. Dieses Verfahren ist keine dauerhafte Lösung, sondern soll weitere Operationen aufschieben.

Macht das untere Sprunggelenk Beschwerden, besteht an diesem Gelenk nur die Möglichkeit der versteifenden Operation. Ein Gelenkersatz für dieses Gelenk existiert aktuell nicht.

Welches Verfahren für Sie am besten geeignet ist sollten sie ausführlich mit Ihrer Ärztin, mit Ihrem Arzt besprechen.

Nach der Operation

Der Heilungsverlauf nach einer Operation am Rückfuß erfordert Geduld. Unmittelbar nach dem Eingriff wird der Fuß hochgelagert, gekühlt und in einer Schiene ruhiggestellt. In den ersten Wochen ist eine Entlastung des operierten Beines an Gehstützen notwendig. Die Dauer der Entlastung hängt sehr individuell von der durchgeführten Operation ab. Nach der Entlastung folgt die schrittweise Aufbelastung. Diese kann, je nach individueller Situation, mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Eine vollständige Verheilung ist auf den Röntgenaufnahmen frühestens nach 6 Wochen, oft aber erst nach drei Monaten erkennbar. Bis Sie wieder ein normales Gangbild erreichen dauert, unabhängig von dem gewählten Operationsverfahren, mehrere Monate.

Komplikationen

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff können auch bei Operationen am Rückfuß Komplikationen auftreten. Zu den allgemeinen Operationsrisiken gehören beispielsweise Wundheilungsstörungen, Thrombosen, sowie Schäden an Gefäßen und Nerven.

Eine der spezifischen Komplikationen nach einer Versteifungsoperation ist die sogenannte Pseudarthrodese, das heißt, die Knochen wachsen nicht fest zusammen und es bildet sich ein Falschgelenk. Eine mögliche Komplikation nach der Implantation eine künstlichen Gelenkes ist die Lockerung der Prothese.

Ergebnisse

Sowohl die Gelenkversteifung als auch der Gelenkersatz können zu sehr guten Ergebnissen führen. Das primäre Ziel beider Verfahren ist die Wiederherstellung der Schmerzfreiheit und der Lebensqualität.

Der Gelenkersatz verbessert nach der Operation das Gangbild deutlich, allerdings führt er nicht zu einem normalen Gangbild. Körperlich belastende Arbeiten oder Sportarten sollten nicht durchgeführt werden, da dies zu einer Lockerung der Prothese führen kann.

Auch nach einer Versteifung des Sprunggelenkes verbessert sich das Gangbild. Dies erscheint gerade nach der Versteifung zunächst widersprüchlich. Allerdings ist es nachvollziehbar, dass ein schmerzhaftes Hinken zu einem schlechteren Gangbild führt als ein schmerzfreies Versteiftes Gelenk. Wenn die Versteifung knöchern geheilt ist, gibt es keine Einschränkungen bezüglich der Belastbarkeit.

Studien konnten zeigen, dass die subjektive Zufriedenheit innerhalb der ersten zwei Jahre bei Gelenkersatz höher ist als bei Versteifung. Zwischen zwei und fünf Jahren zeigen sich keine Unterschiede mehr zwischen den beiden Verfahren. Nach fünf Jahren sind Patienten und Patientinnen mit Versteifung im Durchschnitt mit der Versteifung zufriedener als mit einer Prothese.

Unsere Referenzen und Publikationen

Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:

Inhalt

Verfasst von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Hans Polzer · Zuletzt geprüft am 10.07.2026