Bruch / Fraktur Sprunggelenk

Bei einer Sprunggelenksfraktur brechen Schienbein, Wadenbein oder beide. Am häufigsten ist der isolierte Bruch des Wadenbeins, die Fraktur des lateralen Malleolus. Ein erster Altersgipfel betrifft vor allem jüngere Männer, ein zweiter vor allem ältere Frauen. Die Häufigkeit steigt ab etwa 60 Jahren deutlich an. Ob konservativ mittels Orthese oder operativ mittels Platte und Schrauben behandelt wird, hängt von Stabilität und Verschiebung ab; nach einer Operation folgt eine Teilbelastung zwischen drei bis sechs Wochen, je nach Art des Bruches.

Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz versorgen unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten die Sprunggelenksfraktur konservativ wie operativ. Einen speziellen Augenmerk legen wir auf die Therapie von Begleitverletzungen sowie eine moderne Nachbehandlung mittels frühzeitiger Belastung und Mobilisation.

Anatomie

Das Sprunggelenk ist für unser Gehen immens wichtig. Es nimmt die Belastung des gesamten Körpers auf und erlaubt die Bewegung des Fußes. Es setzt sich aus drei Knochen zusammen. Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula) bilden zusammen die Sprunggelenksgabel, in der das Sprungbein (lateinisch Talus) sitzt. Stabilisiert werden die Knochen durch drei große Bandkomplexe. Der Syndesmosenkomplex verbindet Schien- und Wadenbein und ist essenziell für die Stabilität der Sprunggelenksgabel. Auf der Außenseite wird das Sprunggelenk durch den Außenbandkomplex, auf der Innenseite durch den Deltabandkomplex stabilisiert. 

Definition

Unter dem Begriff einer Sprunggelenksfraktur werden ein oder mehrere Brüche des Schien- und/oder Wadenbeins zusammengefasst. Am häufigsten kommt es zu einem isolierten Bruch des Wadenbeins, der sogenannten Fraktur des lateralen Malleolus oder Fibulafraktur. Brüche des Innenknöchels werden als Fraktur des medialen Malleolus bezeichnet. Alternativ zu einem Bruch des Innenknöchels kann ein Riss des Innenbandkomplexes auftreten. Außerdem kann es auch zu einem Bruch der Schienbeinhinterkante kommen. Diese Brüche bezeichnen wir als eine Fraktur des posterioren Malleolus. Die Brüche des lateralen-, medialen- oder posterioren Malleolus können jeweils isoliert oder in Kombination auftreten. 

Beschwerden

Nach einem Sprunggelenksbruch treten typischerweise sofort starke Schmerzen auf, die sich bei Bewegung oder Druck noch verstärken können. Das betroffene Gelenk schwillt an, und es bildet sich, etwas verzögert, ein sichtbarer Bluterguss, ein Hämatom. Die Beweglichkeit des Sprunggelenkes ist meist eingeschränkt, und es fällt schwer, oder ist nicht mehr möglich, den Fuß zu belasten. Bei komplizierteren Brüchen, das heißt Frakturen, bei denen mehrere Malleoli gebrochen sind, kann es zu einer sichtbaren Fehlstellung des Fußes kommen. Es ist wichtig zu wissen, dass lokale Schmerzen und Schwellungen alleine noch keine sicheren Anzeichen für eine Fraktur sind. Diese Symptome können auch bei anderen, weniger schwerwiegenden Verletzungen auftreten. Eine offensichtliche Fehlstellung des Fußes oder ein deutliches Knirschen, sogenannte Krepitation, sind hingegen sichere Bruchzeichen.

Häufigkeit

Sprunggelenksbrüche zählen zu den häufigsten Frakturen. In einer eigenen wissenschaftlichen Untersuchung konnten wir zeigen, dass es in Deutschland zu 50000 Sprunggelenksfrakturen pro Jahr kommt. Circa 60% der Betroffenen sind weiblich und das Durchschnittsalter beträgt 56 Jahre. Insgesamt nimmt die Häufigkeit mit steigendem Alter, ab ungefähr 60 Jahren, zu. Gründe hierfür sind die reduzierte Knochenqualität, die demografische Entwicklung und die steigende Lebenserwartung.

Ursachen

Die häufigste Ursache für einen Sprunggelenksbruch ist ein Umknicken, das sogenannte Supinationstrauma. Dies kann beispielsweise beim Treppe laufen, auf rutschigem Untergrund oder beim Sport auftreten. Hochrasanztraumata, also Unfälle, bei denen eine große Kraft auf das Sprunggelenk wirkt, sind eher selten die Ursachen. Hierzu zählen zum Beispiel Verkehrsunfälle und Stürze aus größerer Höhe.

Klinische Untersuchung

Die Diagnostik eines Sprunggelenksbruches beginnt immer mit einer ausführlichen Erhebung der Patientengeschichte, bei der sowohl der genaue Unfallhergang als auch relevante Vorerkrankungen erfragt werden. Anschließend folgt eine sorgfältige körperliche Untersuchung, beginnend mit der Inspektion. Dabei beurteilt die Ärztin, der Arzt zunächst sichtbare Schwellungen und Blutergüsse. Anschließend wird die Sensibilität und Durchblutung des Fußes überprüft. Die weitere Untersuchung erfolgt standardisiert entsprechend der Ottawa Foot and Ankle Rule. Dabei werden spezifische Punkte an Ihrem Sprunggelenk und Fuß abgetastet und evaluiert, ob das verletzte Bein belastet werden kann.

Bildgebung

Ergibt sich in der klinischen Untersuchung der Verdacht auf eine Sprunggelenksfraktur, werden meist zuerst Röntgenaufnahmen des Sprunggelenkes in zwei Ebenen angefertigt. Da es sich beim Röntgen um eine zwei-dimensionale Darstellung einer drei-dimensionalen Struktur handelt, werden kleiner Knochenbrüche häufig übersehen und das Verletzungsausmaß kann nicht immer sicher beurteilt werden. Deswegen wird meist zusätzlich eine Schnittbildgebung, typischerweise eine Computertomographie, kurz CT, angefertigt. Das CT liefert hochauflösende Querschnittsbilder der Knochen und ermöglicht eine präzise dreidimensionale Darstellung der Bruchstücke und der Gelenkflächen. Je nach Fragestellung kann auch ein CT unter Belastung, ein sogenanntes DVT hilfreich sein. Eine Magnetresonanztomographie – MRT – kommt nur selten zum Einsatz, und ist speziellen Fragestellungen vorbehalten. Eine genaue Analyse des Bruches ist essenziell um die richtige Therapie zu wählen.

Einteilung

Es existieren mehrere Klassifikationen für Sprunggelenksfrakturen. Die einfachste und älteste Einteilung ist die Denis-Weber Klassifikation. Sie beurteilt nur isolierte Brüche des Wadenbeins entsprechend ihrer Lokalisation im Verhältnis zu den Syndesmosebändern. Weber A Frakturen liegen unterhalb, Weber B Frakturen auf der Höhe und Weber C Frakturen oberhalb der Syndesmose. Im europäischen Raum wird heute meist die AO-Klassifikation verwendet. Diese orientiert sich an der Klassifikation nach Denis-Weber, ist allerdings wesentlich differenzierter und erfasst sämtliche Verletzungen. Deshalb ist sie hilfreich bei der Planung einer Operation. Im klinischen Alltag werden Sprunggelenksbrüche häufig auch nach der Anzahl der frakturierten Malleoli als uni-, bi- oder trimalleolare Frakturen bezeichnet.

Konservative Behandlung

Eine konservative Behandlung, also eine Behandlung ohne Operation, ist nur bei bestimmten, stabilen Sprunggelenksbrüchen möglich. Dabei handelt es sich in erster Linie um Weber A Frakturen, also isolierte Brüche des Wadenbeins unterhalb der Syndesmose. Außerdem können stabile, isolierte Weber B Frakturen, also Brüche auf Höhe der Syndesmose, unter bestimmten Bedingungen konservativ behandelt werden. Hierfür müssen belastete Röntgenaufnahmen durchgeführt werden, die die Stabilität der Sprunggelenksgabel nachweisen. Häufig wird zusätzlich ein MRT durchgeführt, um mögliche begleitende Verletzungen auszuschließen. Bei der konservativen Therapie bekommen Sie eine spezielle Sprunggelenks-Orthese. Mit dieser dürfen Sie das Bein voll belasten. Hier sollten im Verlauf Röntgenaufnahmen zur Stellungskontrolle durchgeführt werden.

Operative Behandlung

Das Ziel der operativen Therapie ist die Wiederherstellung der Stabilität des Sprunggelenkes. Hier unterscheiden wir zwei verschiedene Operationsstrategien. Zum einen die anatomische Reposition sämtlicher Knochenbrüche und die Rekonstruktion der verletzten Bandapparate. Dies erfolgt über größere Schnitte. Zum anderen die minimalinvasive Stabilisierung. Dabei geht man gewisse Kompromisse bei der Reposition ein, hat aber ein deutlich geringeres Risiko für Wundheilungsstörungen.

360° Versorgung

Bei den meisten Patientinnen und Patienten empfehlen wir die offene Operation und anatomische Rekonstruktion der Verletzungen. Voraussetzung ist, dass keine Begleiterkrankungen vorliegen, die die Wundheilung relevant beeinflussen. Bei der offenen Rekonstruktion kann zusätzlich eine Gelenkspiegelung durchgeführt werden. Diese hat das Ziel, Begleitverletzungen im Gelenk, wie beispielsweise Knorpelverletzung oder freie Gelenkkörper, zu identifizieren und zu therapieren. Anschließend erfolgt die Versorgung der Knochenbrüche mit Platten und / oder Schrauben. Zusätzlich sollten Verletzungen des Syndesmosen– und Deltabandkomplexes adressiert werden. Diese „360°-Versorgung“ steht für eine umfassende Wiederherstellung der Gelenkintegrität, die über die reine Knochenfixierung hinausgeht, um die langfristigen Ergebnisse zu verbessern.

Minimalinvasiv

Sollten relevante Vorerkrankungen vorliegen, die das Risiko für Wundheilungsstörungen deutlich erhöhen, verwenden wir meist minimalinvasive Operationstechniken. Die Knochenbrüche werden dabei meistens geschlossen reponiert und mit speziellen Schrauben oder Nägeln fixiert. Der Vorteil ist, dass diese Schrauben und Nägel über kleine Schnitte eingebracht werden können und so das Risiko für Wundheilungsstörung deutlich geringer ist. 

Nach der Operation

Nach der Operation beginnt die postoperative Phase. Dabei unterscheiden wir 3 Abschnitte. In den ersten zwei bis drei Wochen steht die Wundheilung im Vordergrund. Hier sollte das operierte Bein hochgelagert und gekühlt werden, um Schwellungen und Schmerzen zu lindern. Anschließend darf das Bein für weitere 3-4 Wochen nur teilbelastet werden. In dieser Zeit heilen die Knochenbrüche und Bandverletzungen. Es kann aber bereits mit der Mobilisierung des Sprunggelenkes begonnen werden, um Vernarbungen im Gelenk zu vermeiden. Ab der siebten Woche dürfen Sie das Bein schrittweise wieder belasten. Sie müssen dann weiter an der Beweglichkeit des Gelenkes arbeiten, und vor allem die Kraft und das Gleichgewichtsempfinden trainieren. Ein wesentlicher Baustein für ein gutes Behandlungsergebnis ist Ihre aktive Mitarbeit. Die Physiotherapie dient dabei vor allem als Anleitung zu Eigenübungen, die Sie täglich selbständig zu Hause durchführen sollten.

Komplikationen

Zur Vermeidung von Komplikationen ist die Wahl der richtigen Behandlungsstrategie entscheidend. Wenn eine Operation notwendig sein sollte, unterscheiden wir zwischen allgemeinen und speziellen Operationsrisiken. Zu den allgemeinen Operationsrisiken gehören Wundheilungsstörungen, Infektionen, sowie Schäden an Nerven und Gefäßen. Das Hauptrisiko sind Wundheilungsstörungen, die in ca. 10 – 15 Prozent auftreten. Zu den speziellen Operationsrisiken gehören eine unzureichende Heilung der Brüche, auch Pseudarthrose genannt, eine Fehllage der eingebrachten Implantate, sowie die Fehlreposition der Knochenbrüche. Je schwerer die initiale Verletzung war, umso häufiger tritt nach der Operation eine eingeschränkte Beweglichkeit auf, eine sogenannte Arthrofibrose. Je nach Ausmaß kann eine weitere Operation zur Verbesserung der Beweglichkeit im Verlauf notwendig werden. Trotz optimal durchgeführter Operation und Nachbehandlung kann es im Laufe der Zeit zu einem Gelenkverschleiß, einer sogenannten Arthrose kommen. 

Ergebnisse

Die Heilung einer Sprunggelenksfraktur ist ein Prozess, der Zeit und Geduld erfordert. Die Knochenheilung selbst dauert in der Regel etwa sechs bis acht Wochen, bis eine volle Belastung des Gelenkes wieder möglich ist. Die vollständige Wiederherstellung der Funktion, also der Beweglichkeit, Kraft und Koordination, sowie die Schmerzfreiheit im Alltag und Sport, kann jedoch deutlich länger dauern, typischerweise drei bis sechs Monate oder sogar länger. Es ist wichtig, diesen Unterschied zwischen Knochenheilung und funktioneller Genesung zu verstehen, um realistische Erwartungen an den Genesungsprozess zu haben. Ungefähr 85 Prozent der Patientinnen und Patienten sind mit dem Behandlungsergebnis auch langfristig zufrieden. Die Schwere der initialen Verletzung ist ein relevanter Einflussfaktor für das Ergebnis.

Unsere Referenzen und Publikationen

Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:

Inhalt

Verfasst von Prof. Dr. med. Hans Polzer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach · Zuletzt geprüft am 12.07.2026