Syndesmosenverletzung

Der Syndesmosenkomplex hält Schien- und Wadenbein oberhalb des Sprunggelenks zusammen Unterschieden werden Zerrungen, bei denen das Band funktionsfähig bleibt, von kompletten Rissen. Je nach Sportart bzw. Aktivitätsniveau ist das Risiko für eine Syndesmosenverletzung unterschiedlich. In bestimmten Sportarten liegt die Häufigkeit bei bis zu 20 %, und bei Sprunggelenksbrüchen ist die Syndesmose in bis zu 40 % der Fälle mitverletzt. Die Behandlung richtet sich nach Anzahl der gerissenen Bänder. Ist nur ein Band gerissen handelt es sich um eine stabile Verletzung die konservativ behandelt werden kann. Zwei und Dreiband-Verletzungen sind instabil und sollten operativ versorgt werden.

Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz behandeln unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten die Syndesmosenverletzung — durch moderner Funktionsdiagnostik mittels Stress-DVT und innovativen Therapieansätzen helfen wir Ihnen zurück in den Sport.

Anatomie

Wichtig für das Verständnis ist die Anatomie der Syndesmose, oder besser gesagt des Syndesmosenkomplexes. Es handelt sich dabei um eine dreiteilige Bandstruktur, die das Wadenbein und Schienbein verbindet und essenziell für die Stabilität der Sprunggelenkgabel ist. Der Syndesmosenkomplex besteht aus den folgenden drei Anteilen: Der vorderen Syndesmose – Ligamentum tibiofibulare anterius, der zentralen Syndesmose, dem Ligamentum interosseum – und der hinteren Syndesmose, dem Ligamentum tibiofibulare posterius. Zusammen bilden diese Bänder eine dynamische Aufhängung des Wadenbeins am Schienbein.

Definition

Bei einer Syndesmosenverletzung werden ein oder mehrere Bänder des Syndesmosenkomplexes verletzt. Grundsätzlich werden Zerrungen von  kompletten Rupturen unterschieden. Bei einer Zerrung ist das Band verletzt, aber funktionell intakt. Das heißt, es stabilisiert weiterhin das Gelenk. Bei einer Ruptur ist das Band vollständig zerrissen und hat keine stabilisierende Wirkung mehr. Neben der Ruptur kann ein Band auch an seinem knöchernen Ansatz ausreißen. Dies bezeichnen wir dann als knöchernen Ausriss oder Avulsionsfraktur. Avulsionsfrakturen können sowohl die vordere- als auch die hintere Syndesmose betreffen. Die Anzahl der rupturierten Bänder des Syndesmosenkomplexes, ist essenziell für die Therapieentscheidung. Sowohl die Zerrung, wie auch die isolierte Ruptur der vorderen Syndesmose werden als stabile Verletzungen gewertet. Der Riss von zwei oder drei Bändern des Syndesmosenkomplexes führt zu einer instabilen Verletzung.

Häufigkeit

Syndesmosenverletzungen können isoliert oder begleitend bei Sprunggelenksfrakturen auftreten. Isolierte Syndesmosenverletzungen sind, im Vergleich zu den sehr häufigen Außenbandverletzungen, eher selten. Sie machen lediglich 5% der Verletzungen nach einer Sprunggelenksdistorsion aus. Deutlich häufiger kommt es zu Syndesmosenverletzungen im Leistungssport. Je nach Sportart liegt die Inzidenz hier bei bis zu 20%. Risikosportarten sind insbesondere Kontaktsportarten wie Fußball, American Football oder Rugby. Bei Sprunggelenksbrüchen kommt es in bis zu 40% zu einer begleitenden Verletzung des Syndesmosenkomplexes.

Ursachen

Syndesmosenverletzungen resultieren aus einem Rotationsmechanismus. Der Unterschenkel rotiert nach außen, das Sprunggelenk ist nach oben gebeugt und der Fuß fixiert. Ein typischer Verletzungsmechanismus ist im Bild dargestellt. Auch im Rahmen von Brüchen am Sprunggelenk kommt es oft zu Syndesmosenverletzungen.

Beschwerden

Die subjektiven Beschwerden einer Syndesmosenverletzung entsprechen denen einer gewöhnlichen Sprunggelenksverstauchung. Dies ist ein Grund, warum Syndesmosenverletzungen häufig erst verzögert diagnostiziert werden. Schmerzen, Schwellung und Bluterguss treten im Bereich des außenseitigen Sprunggelenkes auf, können aber, anders als bei einer Außenbandverletzung, Richtung Knie ausstrahlen. Die Beweglichkeit und Belastbarkeit des Fußes ist in der Regel schmerzhaft und eingeschränkt.

Einteilung

Aktuell existieren in der wissenschaftlichen Literatur zehn verschiedene Klassifikationen für Syndesmosenverletzungen. Die meisten unterteilen die Verletzungsschwere in drei Grade. Grad 1 entspricht einer Bandzerrung bei intaktem Bandapparat. Grad 2 Verletzungen entsprechen einer Ruptur der vorderen Syndesmose mit oder ohne Riss der mittleren Syndesmose. Grad 3 Verletzungen entsprechen der vollständigen Ruptur aller Bandanteile des Syndesmosenkomplexes. Das Problem dieser Einteilung ist, dass bei den Grad zwei Verletzungen sowohl stabile 1-Band Rupturen als auch instabile 2-Band Rupturen zusammengefasst werden.

Entsprechend haben wir, basierend auf mehrere eigenen wissenschaftlichen Arbeiten, die Einteilung entsprechend der rupturierten Bänder eingeführt. Unterschieden wird die intakte, oder gezerrte Syndesmose, die 1-Band Ruptur, also die isolierte Ruptur der vorderen Syndesmose, die 2-Band Ruptur, sowie die 3-Band Ruptur, also die Zerreißung des gesamten Syndesmosenkomplexes.

Klinische Untersuchung

Die Differenzierung zwischen stabilen und instabilen Verletzungen ist nicht einfach. Dies ist aber essenziell, da stabile Verletzungen konservativ behandelt werden können, während latent-instabile Verletzungen, vor allem bei aktiven Menschen, operativ versorgt werden sollten. Daher sollte die Diagnostik einem klaren Algorithmus folgen.

Die Diagnostik beginnt auch hier mit der Anamnese, also dem ausführlichen Gespräch über den Unfallhergang, sowie vorausgegangene Verletzungen. Anschließend folgt die sorgfältige körperliche Untersuchung durch den Arzt oder die Ärztin. In einem ersten Schritt wird ein Knochenbruch mittels z.B. der Ottawa Foot and Ankle Rule ausgeschlossen. Sollte die weitere klinische Untersuchung den Verdacht auf eine Syndesmosenverletzung erhärten, folgen spezifische Provokationstests. Diese zielen darauf ab, die Syndesmose unter Stress zu setzen und damit Schmerzen oder eine Instabilität zu provozieren.

Bildgebung

Sollte die klinische Untersuchung den Verdacht auf eine Syndesmosenverletzung ergeben haben, sind bildgebende Verfahren unerlässlich. In einem ersten Schritt wird häufig zunächst eine Röntgenaufnahme angefertigt. Bei hochgradigen Syndesmosenverletzungen, also den 3-Band-Rupturen, sieht man bereits im Röntgen ein klares Auseinanderweisen der Knochen. Anschließend erfolgt meist eine Ultraschalluntersuchung. Diese erlaubt die direkte Darstellung der vorderen Syndesmose. Allerdings lassen sich die zentralen und hinteren Anteile des Syndesmosenkomplexes nur schwer darstellen.

Üblicherweise erfolgt bei Verdacht auf eine Syndesmosenverletzung eine Magnetresonanztomographie, kurz MRT. Das MRT muss mit speziellen Kippungen, den sogenannten Syndesmosenkippungen, gefahren werden. Im MRT lassen sich die vordere und hintere Syndesmose gut darstellen. Allerdings ist die Darstellung der mittleren Syndesmose nur bedingt möglich. Entsprechend erlaubt das MRT nicht immer eine Differenzierung zwischen einer Stabilen 1-Band Ruptur und einer instabilen 2-Band Ruptur. Sollte im MRT ein knöcherner Ausriss nicht sicher ausgeschlossen werden können, kann es sinnvoll sein, zusätzlich eine Computertomographie durchzuführen.

Um die 1-Band von der 2-Band Ruptur zu unterscheiden, braucht es eine dynamische Untersuchungstechnik. Hierfür kann sowohl eine Röntgen-  als auch das Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hält Ihren Unterschenkel und dreht dann den Fuß nach außen. Dieser Test wird auch Außenrotationstest nach Frick genannt. Durch die Rotation des Fußes wird die Sprunggelenksgabel aufgedehnt. Im Falle einer Instabilität, weicht das Wadenbein nach außen aus. Diese Instabilität kann dann im Röntgen oder Ultraschall im Seitenvergleich identifiziert werden. Das modernste Verfahren ist die Digitale Volumentomographie oder DVT. Dabei können die knöchernen Strukturen unter Stress dreidimensional dargestellt werden.

Konservative Behandlung

Bei einer stabilen Syndesmosenverletzung, also der Zerrung oder einer 1-Band Ruptur, kann eine konservative Therapie durchgeführt werden. Initial sollte das verletzte Bein geschont, hochgelagert und gekühlt werden. Sie dürfen das Bein schmerzadaptiert mit Unterarmgehstützen belasten. Eine Sportkarenz sollte für mindestens 6 Wochen eingehalten werden. Physiotherapie kann dabei helfen, die Propriozeption, also die Tiefenwahrnehmung, zu verbessern. Essenziell für den Erfolg der konservativen Therapie ist die korrekte Unterscheidung zwischen stabilen 1-Band-Rupturen und instabilen 2- bzw. 3-Band-Rupturen.

Operative Behandlung

Sollte eine instabile Syndesmosenverletzung vorliegen, richtet sich die Therapie nach der Anzahl der rupturierten Bänder. Bei einer 2-Band Ruptur kann die Syndesmose mittels einer Stellschraube oder einem Seilzugsystem stabilisiert werden. Bei einer 3-Band Ruptur sollten zwei Seilzugsysteme oder ein Seilzugsystem und eine Schraube verwendet werden. Das Ziel aller Operationstechniken ist, das Wadenbein anatomisch einzustellen und an der richtigen Stelle zu halten.

Im Rahmen einer Syndesmosenverletzung ist das Gelenk großen Scherkräften ausgesetzt. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass es in circa 20% der Fälle zu zusätzlichen Knorpelverletzungen im Gelenk kommt. Um diese sicher diagnostizieren und therapieren zu können, führen wir vor jeder Stabilisierung eine Gelenkspiegelung, eine sogenannte Arthroskopie, durch. Diese erfolgt in derselben Operation.

Nach der Operation

Postoperativ muss die anatomische Reposition des Wadenbeins überprüft werden. Hierfür führen wir ein CT oder DVT beider Sprunggelenke durch. Die postoperative Zeit lässt sich in 4 Phasen untergliedern. In der ersten Phase, die ca. 2-3 Wochen dauert, müssen die Operationswunden heilen und die inflammatorische Reaktion abklingen. In der zweiten Phase, ca. 4 Wochen, dürfen Sie das operierte Bein mit nur 20 Kilogramm teilbelasten. Dabei sollte bereits mit der Beübung der Beweglichkeit des Sprunggelenks begonnen werden. In der dritten Phase kehren Sie zu Ihren Alltagsaktivitäten zurück, dürfen Fahrradfahren und Schwimmen. In dieser Zeit ist es wichtig, die Propriozeption, also Tiefenwahrnehmung, sowie die Beweglichkeit zu trainieren. In der vierten Phase, ca. ab dem 3. Monat, fangen Sie schrittweise an, in die sportliche Belastung zurückzukehren. Sollte eine Stellschraube zur Stabilisierung verwendet worden sein, muss diese nicht entfernt werden. Wenn Sie die Entfernung trotzdem wünschen, sollte die Schraube erst nach 3 Monaten oder sogar später entfernt werden. Eine frühere Entfernung, beispielsweise nach 6 Wochen, führt häufig zu einer sekundären Instabilität, da die Syndesmose zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausreichend verheilt war.

Komplikationen

Jede Operation birgt allgemeine Risiken wie Infektionen, Wundheilungsstörungen, Nachblutungen oder die Bildung von Blutgerinnseln – Thrombosen. Speziell bei Operationen zur Stabilisierung des Sprunggelenks können Irritationen oder Schädigungen von Hautnerven auftreten, die zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder Schmerzen im Bereich der Narbe oder des Fußrückens führen können. Dies liegt an der Nähe der Nerven zum Operationsgebiet. Auch eine postoperative Bewegungseinschränkung des Gelenks kann auftreten. Des Weiteren kann es zu einer Fehlreposition des distalen Tibiofibulargelenkes oder einer Fehllage der Stellschraube oder des Seilzugsystems kommen.

Ergebnisse

Die langfristige Prognose für Syndesmosenverletzungen ist bei richtiger Diagnose und Behandlung im Allgemeinen gut. Viele Patientinnen und Patienten erreichen ein ausgezeichnetes Ergebnis und können auf demselben Niveau wieder Sport treiben. Allerdings hängt der Behandlungserfolg von der Schwere der Verletzung ab. Eine Zweiband-Verletzung hat eine bessere Prognose als eine Dreiband-Verletzung mit Knorpelschaden. Eine konsequente und geduldige Rehabilitation in enger Zusammenarbeit mit dem Physiotherapeuten oder Physiotherapeutin sind von größter Bedeutung, um die volle Funktion wiederzuerlangen und das Risiko einer erneuten Verletzung zu minimieren.

Unsere Referenzen und Publikationen

Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:

Inhalt

Verfasst von Prof. Dr. med. Hans Polzer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach · Zuletzt geprüft am 12.07.2026