Plantarfasziitis

Die Plantarfasziitis – umgangssprachlich oft mit dem Fersensporn gleichgesetzt – kann zwar schmerzhaft und einschränkend sein, ist aber in den meisten Fällen gut konservativ behandelbar. An der OrthoPlus München behandeln unsere Fuß- und Sprunggelenkspezialisten die Plantarfasziitis mit dem gesamten Spektrum konservativer Verfahren. Die wichtigste Maßnahme ist die konsequente tägliche Durchführung von Dehnungsübungen – und Geduld. Bei Bedarf stehen weiterführende Behandlungsoptionen wie Stoßwellentherapie, PRP-Injektionen oder in ausgewählten Fällen auch eine Röntgenreizbestrahlung zur Verfügung. Eine Operation bleibt die Ausnahme und wird erst in Betracht gezogen, wenn konservative Maßnahmen langfristig nicht zum Erfolg führen. Die beiden etabliertesten Operationsmethoden zielen darauf ab, die mechanische Überlastung der Plantarfaszie zu reduzieren.

Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz behandeln unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten die Plantarfasziitis führend konservativ.

Definition

Was genau ist eine Plantarfasziitis? Die Plantarfaszie ist eine kräftige, fächerförmig verlaufende Sehnenplatte an der Fußsohle, die vom Fersenbein bis zu den Zehengrundgelenken reicht. Diese ist in der Abbildung grün dargestellt. Sie stabilisiert das Fußlängsgewölbe und wirkt bei jedem Schritt wie ein Stoßdämpfer. Bei einer Plantarfasziitis kommt es zu einer Reizung dieser Sehnenplatte – meist an ihrem Ansatz im Bereich des Fersenbeines. Häufig wird auch die Bezeichnung plantarer Fersensporn verwendet. Dieser ist aber nicht die Ursache des Problems. 

Beschwerden

Typisch für die Plantarfasziitis ist ein stechender Schmerz unter der Fußsohle, der meist im Bereich der Ferse auftritt. Häufig ist der Schmerz morgens bei den ersten Schritten oder nach längeren Ruhephasen besonders intensiv. Dieses Phänomen wird auch als „Anlaufschmerz“ bezeichnet. Zu Beginn lassen die Beschwerden nach kurzer Gehstrecke oft nach, doch im fortgeschrittenen Stadium können die Schmerzen im Tagesverlauf wiederkehren oder dauerhaft bestehen. Der Schmerz ist meist gut lokalisierbar und tritt typischerweise am Übergang vom Fersenbein zur Plantarfaszie auf. Die Lokalisation ist entscheidend, um die Plantarfasziitis von anderen möglichen Ursachen für Fersenschmerzen abzugrenzen.

Differentialdiagnosen

Neben der Plantarfasziitis gibt es weitere mögliche Ursachen für Fersenschmerzen. Dazu zählen beispielsweise die Ansatztendinopathie der Achillessehne, Stressfrakturen des Fersenbeines, ein Nervenengpasssyndrom – das sogenannte hintere Tarsaltunnelsyndrom oder auch entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Mit einer Untersuchung und, falls notwendig, Bildgebung kann die Ursache meist eingegrenzt werden.

Häufigkeit

Die Plantarfasziitis ist eine der häufigsten Ursachen für Fußschmerzen bei Erwachsenen. Etwa zehn Prozent der Menschen sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen. Sie tritt typischerweise im mittleren Lebensalter auf, meist zwischen dem 40. und 65. Lebensjahr, und betrifft Männer und Frauen gleichermaßen.

Ursachen

Die Entstehung einer Plantarfasziitis ist meist multifaktoriell bedingt – also durch mehrere Faktoren gleichzeitig beeinflusst. Fast alle dieser Faktoren führen zu einer mechanischen Über- oder Fehlbelastung der Plantarfaszie. Zu den inneren Risikofaktoren zählen vor allem Übergewicht und eine verkürzte Wadenmuskulatur. Zu den äußeren Risikofaktoren gehören das lange Stehen auf harten Untergründen sowie eine plötzliche Steigerung körperlicher Belastung. 

Untersuchung

In den meisten Fällen kann die Diagnose durch eine ausführliche Anamnese und eine gezielte körperliche Untersuchung gestellt werden. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie zunächst zu den Beschwerden, Belastungsmustern und eventuellen Vorerkrankungen befragen. Bei der körperlichen Untersuchung wird der Fuß sorgfältig betrachtet und abgetastet, um den genauen Schmerzpunkt zu identifizieren. Typisch ist ein Druckschmerz am Fersenbein, dort wo die Plantarfaszie ansetzt. 

Verkürzung der Wadenmuskulatur

Ein weiterer wichtiger Untersuchungspunkt ist die Beweglichkeit des Sprunggelenkes, insbesondere die Dorsalextension – also das Anheben des Fußes Richtung Nasenspitze. Die Untersuchung bei gestrecktem und gebeugtem Kniegelenk ist wichtig, um eine Verkürzung der Wadenmuskulatur zu identifizieren. Eine Verkürzung der Wadenmuskulatur führt dazu, dass bei jedem Schritt ein erhöhter Zug auf die Sehnenplatte entsteht, was zu kleinsten Verletzungen und langfristig zu Gewebeschäden führen kann. Entsprechend wichtig ist es, eine solche zu erkennen.

Bildgebung

In bestimmten Fällen können bildgebende Verfahren sinnvoll sein, um die klinische Diagnose zu bestätigen, das Ausmaß der Veränderungen zu beurteilen oder andere Ursachen auszuschließen. Ultraschall, Röntgen oder eine Magnetresonanztomographie stehen je nach Fragestellung zur Verfügung. Mit dem Ultraschall lässt sich eine Verdickung der Plantarfaszie, Flüssigkeitseinlagerungen oder eine vermehrte Durchblutung, als Zeichen einer akuten Reizung, sichtbar machen. Röntgen oder DVT ermöglichen die Darstellung von knöchernen Veränderungen. Bei chronischen oder unklaren Fällen kann zusätzliche eine MRT Aufnahme sinnvoll sein.

Einteilung

Eine einheitliche Einteilung der Plantarfasziitis in Schweregrade existiert nicht. Für die Therapieplanung und die Prognose sind vor allem Dauer und Intensität der Beschwerden ausschlaggebend. Es wird zwischen einer akuten, also neu aufgetretenen und einer chronischen, also schon über Monate bestehenden Form unterschieden. Halten die Beschwerden trotz konsequenter konservativer Maßnahmen über sechs bis zwölf Monate an, spricht man von einer therapieresistenten Plantarfasziitis.

Konservative Behandlung

Die gute Nachricht ist, in den allermeisten Fällen bessert sich eine Plantarfasziitis durch konservative Maßnahmen – also ohne Operation – deutlich oder heilt vollständig aus. Geduld und Ihre Mithilfe  sind dabei entscheidend. Die Heilung des Sehnengewebes benötigt Zeit und Unterstützung. Die Behandlung erfolgt in der Regel stufenweise. Zunächst stehen Dehnungsübungen, insbesondere für die Wadenmuskulatur und die Fußsohle im Vordergrund. Dabei steht man mit dem Fußballen auf einer Stufe und lässt die Ferse unter die Stufe absinken. Anschließend wird die Ferse wieder über das Niveau der Stufe angehoben. Zusätzlich werden Dehnungsübunben an der Wand empfohlen. Die Übungen sollten fünf- bis zehnmal täglich für jeweils drei bis fünf Minuten durchgeführt werden, über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten. Zur Anleitung sollten Sie eine Phyiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten sehen.

Bei akuten Schmerzen können zusätzlich entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen oder Diclofenac kurzfristig Linderung verschaffen. Auch spezielle Einlagen oder Tape-Verbände können zur Entlastung beitragen. Sollte keine ausreichende Besserung erzielt werden, kann eine Stoßwellentherapie helfen, die Heilungsprozesse im Gewebe anzuregen. Bleibt der gewünschte Effekt aus, kommen Injektionen mit Kortison oder plättchenreichem Plasma infrage. Bei der Therapie mit plättchenreichem Plasma wird Ihnen Blut abgenommen, dieses zentrifugiert und das Konzentrat aus Thrombozyten und Wachstumsfaktoren entnommen und gezielt in den schmerzhaften Bereich injiziert. Eine weitere Möglichkeit ist eine Röntgenreizbestrahlung.

Operative Behandlung

Eine Operation ist nur in absoluten Ausnahmefällen sinnvoll. Voraussetzung ist, dass alle konservativen Maßnahmen über sechs bis zwölf Monate konsequent durchgeführt wurden, aber keine ausreichende Besserung erreicht werden konnte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Erfolgschancen bei operativen Eingriffen im Rahmen der Plantarfasziitis im Vergleich zur konservativen Therapie geringer sind. Es stehen vor allem zwei Operationsverfahren zur Verfügung: Einerseits die Plantarfasziotomie, bei der ein Teil der Plantarfaszie gezielt durchtrennt wird. Andererseits kann eine Verlängerung der Wadenmuskulatur durchgeführt werden, um so die Spannung auf die Plantarfaszie zu reduzieren. Welche Technik zur Anwendung kommt, hängt von der individuellen Situation ab und sollte in einem ausführlichen Gespräch gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt entschieden werden. Grundsätzlich ist es aber unser Ziel, eine Operation zu vermeiden.

Komplikationen

Wie bei jeder medizinischen Behandlung können auch bei der Therapie der Plantarfasziitis Nebenwirkungen auftreten – sowohl bei konservativen als auch bei operativen Maßnahmen. Injektionen, etwa mit Kortison oder PRP, können zu lokalen Reaktionen wie Schmerzen, Schwellungen oder Hämatomen führen; Infektionen sind selten. Kortison kann bei häufiger Anwendung das Fettpolster unter der Ferse schädigen oder die Sehnenplatte selbst schwächen. Auch die Stoßwellentherapie kann unangenehm sein und vorübergehend zu Hautrötungen oder verstärktem Schmerz führen. Operative Eingriffe bergen allgemeine Risiken wie Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Narbenbildung. Zudem können Nerven verletzt werden, was in Einzelfällen zu Empfindungsstörungen oder schmerzhaften Nervenverdickungen führen kann. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie individuell und umfassend über alle Risiken aufklären.

Ergebnisse

Die Prognose bei Plantarfasziitis ist insgesamt sehr gut. In der Mehrzahl der Fälle führt konsequent durchgeführte konservative Therapie innerhalb von sechs bis zwölf Monaten zu einer deutlichen Besserung oder vollständigen Heilung. Studien zeigen, dass Stoßwellentherapie und PRP-Injektionen häufig nachhaltigere Effekte haben verglichen mit der Injektion von Kortison, die eher eine kurzfristige Wirkung aufweist. Auch nach operativen Eingriffen berichten viele Patientinnen und Patienten über eine Schmerzreduktion. Wichtig ist, dass auch nach erfolgreicher Therapie Rückfälle auftreten können, insbesondere wenn die ursprünglichen Risikofaktoren weiterhin bestehen. Daher ist die langfristige Prävention ein wesentlicher Bestandteil der Nachsorge.

Unsere Referenzen und Publikationen

Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:

Inhalt

Verfasst von Prof. Dr. med. Hans Polzer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach · Zuletzt geprüft am 12.07.2026