Bruch / Fraktur Fersenbein

Eine Kalkaneusfraktur ist ein Bruch des Fersenbeines. Beim Sturz aus Höhe, wenn man auf der Ferse aufkommt, führt dies häufig zu einer Verletzung des unteren Sprunggelenkes. Ein Umknicken hingegen führt meist zu einer Verletzung eines Fortsatzes des Knochens. Die gelenkbeteiligenden Verletzungen sind anspruchsvolle Verletzungen, die meist operativ versorgt werden sollten: Über das Langzeitergebnis entscheidet, ob Gelenkfläche, Höhe und Achse des Fersenbeins wiederhergestellt werden. Verletzungen des Fortsatzes hingegen haben eine gute Prognose bei konservativer Behandlung.

Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz versorgen unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten die Fersenbeinfraktur, basierend auf einer CT-gestützten Planung, minimalinvasiv unter vollständiger Wiederherstellung der Gelenkfläche, Höhe und Achse des Fersenbeines.

Anatomie

Das Fersenbein, lateinisch Kalkaneus genannt, ist der größte Knochen des Fußes. Es bildet zwei Gelenke, das untere Sprunggelenk mit dem Sprungbein, und das Kalkaneokuboidalgelenk mit dem Würfelbein.

Definition

Bei einer Kalkaneusfraktur handelt es sich um einen Bruch des Fersenbeines. Dabei kann entweder das untere Sprunggelenk betroffen sein oder ein Fortsatz des Fersenbeines. Die klassische Kalkaneusfraktur betrifft das untere Sprunggelenk. Bei den Anhangs- oder Fortsatzfrakturen sind knöcherne Vorsprünge des Fersenbeins betroffen.

Ursachen

Die häufigste Ursache für eine Fersenbeinfraktur ist eine starke Krafteinwirkung auf den Fuß. Häufige Unfallursachen sind Stürze aus großer Höhe, zum Beispiel bei Extremsportarten, oder Verkehrsunfälle. Im Rahmen von Umknickverletzungen kommt es eher zu Fortsatzfrakturen.

Beschwerden

Nach einer Fersenbeinfraktur treten unmittelbar starke Schmerzen im Bereich des Fersenbeins auf. Der Fuß schwillt an, und es kann ein ausgeprägter Bluterguss entstehen. In den meisten Fällen ist eine Belastung des Beines nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich.

Häufigkeit

Fersenbeinfrakturen sind seltene, aber schwere Verletzungen. Sie machen nur etwa zwei Prozent aller Brüche im Bereich von Fuß und Sprunggelenk aus. Am häufigsten sind junge Menschen betroffen, überwiegend Männer. Allerdings werden Fortsatzfrakturen häufig übersehen und als Außenbandverletzungen fehlgedeutet. Wahrscheinlich sind diese wesentlich häufiger als bislang angenommen.

Klinische Untersuchung

Die Diagnostik gliedert sich in das Arztgespräch mit anschließender körperlicher Untersuchung sowie ergänzender Bildgebung. Zunächst wird der Unfallhergang erfragt, ebenso mögliche Vorerkrankungen und vorausgegangene Verletzungen. Bei der Untersuchung werden Fuß und Sprunggelenk sorgfältig betrachtet, insbesondere hinsichtlich Hautverletzungen, Schwellungen, Blutergüssen und Fehlstellungen. Anschließend werden die verschiedenen Strukturen vorsichtig abgetastet, um schmerzhafte Punkte zu identifizieren.

Bildgebung

Besteht der Verdacht auf eine Fersenbeinfraktur, werden meist zunächst Röntgenaufnahmen angefertigt. Zeigt sich dort ein Bruch oder besteht trotz unauffälligem Röntgenbild ein dringender Verdacht, wird in der Regel eine Computertomographie oder Digitale Volumentomographie durchgeführt. Diese Untersuchungen ermöglichen nicht nur den Nachweis beziehungsweise den Ausschluss einer Fraktur, sondern auch ein dreidimensionales Verständnis des Ausmaßes der Verletzung. Eine Magnetresonanztomographie ist nur in seltenen Fällen erforderlich.

Einteilung

Fersenbeinfrakturen lassen sich in drei Hauptgruppen einteilen. Am häufigsten sind Fortsatzfrakturen, zum Beispiel die Fraktur des Processus anterior calcanei, die nach Degan eingeteilt wird. Die Gelenkfrakturen sind seltener, aber zählen zu den schwersten Verletzungen. Hierbei kann die Gelenkfläche durch das Eindrücken des Sprungbeins schwer verletzt werden, und es kommt nicht selten zu einem Höhenverlust, einer Verkürzung und einer Fehlstellung. Die gebräuchlichste Einteilung dieser Verletzungen ist die nach Sanders, die sich an der Anzahl der Fragmente orientiert.

Konservative Behandlung

Bei einer Fersenbeinfraktur kommen sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten infrage. Welche Methode angewandt wird, hängt von der Art des Bruches ab.

Eine konservative Behandlung kommt vor allem bei Fortsatzfrakturen und für nicht verschobene Gelenk-Frakturen in Betracht. Auch kleine knöcherne Absprengungen, sogenannte Avulsionen, können in der Regel konservativ behandelt werden. Je nach Frakturtyp kann dies bedeuten, dass unmittelbar eine schmerzabhängige Belastung ohne Ruhigstellung erlaubt ist, oder aber eine vollständige Entlastung und Immobilisation in Gips oder Walker für bis zu acht Wochen.

Operative Behandlung

Verschobene Gelenkfrakturen sollten meist operativ behandelt werden. Das Ziel der operativen Versorgung ist die Wiederherstellung der Gelenkfläche und der Form des Fersenbeines. Heutzutage kommen, wann immer möglich, minimalinvasive Verfahren zum Einsatz. Mithilfe spezieller Distraktoren wird die Knochenform wiederhergestellt. Über einen kleinen Zugang erfolgt anschließend die Rekonstruktion der Gelenkfläche. Das Repositionsergebnis wird dann mit Schrauben stabilisiert. Studien haben gezeigt, dass minimalinvasive Verfahren das Risiko von Wundheilungsstörungen deutlich verringern, bei gleich guter Rekonstruktion der Gelenkfläche.

Nach der Operation

Unmittelbar nach der Operation ist es sehr wichtig, den operierten Fuß konsequent hochzulagern und zu kühlen, um Schwellung und Schmerzen zu lindern. Die Empfehlungen für die Nachbehandlung sind unterschiedlich. In den meisten Fällen wird eine Entlastung für sechs bis acht Wochen empfohlen. Ob zusätzlich ein Gips oder Walker notwendig ist, wird unterschiedlich beurteilt. Wir verzichten, wann immer möglich, auf eine Immobilisation. Anschließend beginnt die Phase der schrittweisen Belastungssteigerung, deren Dauer von der Schwere der Verletzung abhängt.

Komplikationen

Trotz größter Sorgfalt kann es wie bei jeder Operation zu Komplikationen kommen. Besonders häufig treten Probleme bei der Wundheilung auf. Klassische offene Operationsverfahren bergen ein erhöhtes Risiko für Infektionen, Wundheilungsstörungen und Hautprobleme. Auch Nervenschäden, vor allem an der Außenseite des Fußes, sind möglich. Langfristig kann sich trotz optimaler Versorgung eine Arthrose des unteren Sprunggelenkes entwickeln, die mit Gelenksteife und Schmerzen verbunden ist.

Ergebnisse

Das Behandlungsergebnis hängt stark von der Art des Bruches ab. Fortsatzfrakturen heilen in den meisten Fällen ohne größere Beschwerden. Die Heilungsphase dauert aber mehrere Monate. Gelenk-Frakturen hingegen führen oft zu deutlichen Einschränkungen. Selbst wenn Fersenform und Gelenkfläche operativ wiederhergestellt werden konnten, bleibt häufig eine eingeschränkte Beweglichkeit im unteren Sprunggelenk bestehen. In bis zu 20 Prozent der Fälle entsteht in der Folge eine schmerzhafte Arthrose, also ein Gelenkverschleiß, des unteren Sprunggelenkes. Diese kann im Verlauf eine versteifende Operation notwendig machen. Meist ist das Gelenk zu diesem Zeitpunkt aber bereits funktionell steif, sodass die operative Versteifung nicht zu einer zusätzlichen Einschränkung führt. Sie ermöglicht es den Betroffenen aber meist, wieder schmerzfrei zu gehen.

Unsere Referenzen und Publikationen

Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:

Inhalt

Verfasst von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Hans Polzer · Zuletzt geprüft am 12.07.2026