Knorpelschaden Sprunggelenk
Ein Knorpelschaden am Sprunggelenk ist ein umschriebener Defekt der Knorpelschicht, die die Gelenkflächen überzieht. Ein solcher entsteht beispielsweise durch eine Verletzung: Bei einem Bruch des Sprunggelenkes liegt in 50 bis 90 % der Fälle ein Knorpelschaden vor. Er kann aber auch ohne erkennbare Ursache entstehen, für längere Zeit unbemerkt bleiben und erst im Verlauf zu Schmerzen führen. Die Behandlung richtet sich nach Größe und Lage des Defektes.
Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz behandeln unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten Knorpelschäden am Sprunggelenk abhängig von Größe und Lage des Defektes. Begleitende Fehlstellungen und Instabilitäten beziehen wir dabei von Anfang an mit ein.

Definition
Um Knorpelschäden zu verstehen, müssen wir kurz über den Aufbau von Gelenken sprechen. Gelenke sind die Verbindung zwischen zwei Knochen. Die beiden Knochen werden durch Bänder stabilisiert. Die Enden der beiden Knochen, die sich gegeneinander bewegen, sind von Knorpel überzogen. Der Knorpel ist ein weißes, glattes und elastisches Gewebe. Man kann sich das wie eine schützende Gleitschicht vorstellen, ähnlich der Teflonbeschichtung einer Pfanne, die dafür sorgt, dass die Knochen reibungslos gleiten können. Der Knorpel ist mit dem darunterliegenden Knochen verbunden. Dieser stützt und ernährt den Knorpel. Es werden drei Arten von Knorpelschäden unterschieden: Zum einen die isolierten Knorpelschäden – chondrale Läsionen. Bei diesen ist nur der Knorpel betroffen. Eine weitere Art sind die Knochen-Knorpel-Schäden – osteo-chondrale Läsionen. Bei diesen ist zusätzlich der unter dem Knorpel liegende Knochen betroffen. Und zuletzt die sogenannte Osteochondrosis dissecans. Bei dieser hat sich ein Knochen-Knorpel-Stück aus dem Knochen gelöst. Im Bereich des Sprunggelenks treten Knorpelschäden am häufigsten im Bereich des Sprungbeines, dem Talus, auf.
Beschwerden
Knorpelschäden am Sprunggelenk können eine Reihe von Beschwerden verursachen. Typisch sind oft tiefsitzende Schmerzen im Gelenk, die besonders bei oder nach Belastung, wie beispielsweise beim längeren Gehen oder Sport, auftreten. Viele Betroffene berichten auch von Schwellungen im Bereich des Knöchels, die ebenfalls nach Aktivität zunehmen können. Weitere Beschwerden können sein morgendliche Steifigkeit oder Anlaufschmerzen, ein „Haken“, oder „Blockieren“.
Ursachen
Knorpelschäden im Sprunggelenk können auf unterschiedliche Weise entstehen. Man unterscheidet vor allem zwischen traumatischen, also unfallbedingten, und nicht-traumatischen Ursachen. Besonders oft entstehen traumatische Knorpelschäden durch ein Umknicken. Dabei kann es zu einer direkten Krafteinwirkung auf den Knorpel kommen, was zu einem Abscheren oder Druckschäden führen kann.
Nicht traumatische Knorpelschäden können zum Beispiel durch eine Durchblutungsstörung des Knochens unter dem Knorpel, auch avaskuläre Nekrose genannt, entstehen. Dabei geht ein Teil des Knochens unter, was sekundär den darüberliegenden Knorpel schädigen kann. Auch chronische Instabilitäten, sowohl der Außen- als auch Innenbänder aber auch der Syndesmose können zu Knorpelschäden führen. Häufig ist die Ursache aber gar nicht zu eindeutig zu benennen.
Häufigkeit
Knorpelschäden im Sprunggelenk sind keine Seltenheit. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Patientinnen und Patienten, die eine Sprunggelenksverstauchung oder einen Knöchelbruch erleiden, auch Knorpelschäden davontragen. Nach einer Verstauchung des Sprunggelenks und anhaltenden Beschwerden über 6 Wochen liegt bei bis zu 50% der Patienten und Patientinnen ein Knorpelschaden vor. Nach einem Bruch des Sprunggelenks, in Abhängigkeit der Schwere der Verletzung, liegt ein Knorpelschaden bei 50 bis 90% der Patienten und Patientinnen vor. Wann immer nach einer Verstauchung oder einem Bruch des Sprunggelenks über einen längeren Zeitraum weiterhin belastungsabhängige Beschwerden vorliegen, muss an einen möglichen Knorpelschaden gedacht werden. Zu den nicht-traumatischen Knorpel- oder Knochen-Knorpelschäden liegen keine verlässlichen Informationen zur Häufigkeit vor. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass diese bei bis zu 5% der Bevölkerung vorliegen.
Klinische Untersuchung
Die Diagnose eines Knorpelschadens beginnt immer mit einem ausführlichen Gespräch, der sogenannten Anamnese. Ihre Ärztin oder Arzt wird Sie genau nach Ihren Beschwerden fragen: Wann treten sie auf? Wie fühlen sie sich an? Gab es einen Unfall oder eine frühere Verletzung? Knicken Sie häufig um? Auch Ihre allgemeine Krankengeschichte ist wichtig. Danach folgt die körperliche Untersuchung. Geachtet wird dabei auf Schwellungen und Fehlstellungen. Durch Abtasten, die Palpation, wird versucht, druckschmerzhafte Stellen zu identifizieren. Anschließend wird die Beweglichkeit des Sprunggelenkes sowie die Stabilität der Bänder untersucht. Die klinische Untersuchung kann einen Knorpelschaden nicht sicher feststellen. Es geht vielmehr darum, eine Verdachtsdiagnose zu stellen und mögliche begleitende Fehlstellungen oder Instabilitäten zu identifizieren.
Bildgebung
Essenziell für die eigentliche Diagnosestellung des Knorpelschadens ist die Bildgebung. Hier stehen uns unterschiedliche Untersuchungstechniken zur Verfügung. Da diese jeweils bestimmte Vor- und Nachteile haben, müssen diese häufig kombiniert werden. Ziel ist es, den Knorpelschaden zu diagnostizieren, seine Größe, Lage und Tiefe zu bestimmen und mögliche Begleitverletzungen zu identifizieren. Häufig wird meist zunächst ein Röntgenbild angefertigt. Dieses erlaubt allerdings nur, größere Knochen-Knorpelschäden oder freie Gelenkkörper zu identifizieren.
Regelhaft wird dann eine Magnetresonanztomographie durchgeführt. Das MRT ist das wichtigste Verfahren, um Knorpelschäden und mögliche Begleitverletzungen an Bändern oder Sehnen zu identifizieren. Allerdings hat das MRT Limitationen bei der Beurteilung des unter dem Knorpel liegenden Knochens. Sollte sich im MRT der Verdacht zeigen, dass zusätzlich ein Schaden am Knochen vorliegt, sollte eine Computertomographie, auch CT genannt, oder ein DVT angefertigt werden. Das DVT ist eine moderne Alternative zur Computertomographie und erlaubt eine dreidimensionale Untersuchung im Stehen, also unter Belastung. Darüber hinaus ist beim DVT die Strahlenbelastung deutlich geringer als beim CT. Beide Verfahren erlauben eine hochauflösende Darstellung des Knochens und damit eine exakte Bestimmung des knöchernen Defekts.
Einteilung
Die Schwere eines Knorpelschadens wird zur Planung der Therapie in verschiedene Stadien eingeteilt. Dafür existieren verschiedene Klassifikationen. Ein wichtiges Kriterium ist die Größe des Knorpelschadens. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Tiefe des Knorpelschadens und ob der darunter liegende Knochen ebenfalls betroffen ist. Dies sind nur einige der Aspekte, die beachtet werden müssen. Generell gilt: Je höher das Stadium, desto schwerwiegender ist der Schaden. Eine differenzierte Beurteilung der Schwere des Schadens und die Beachtung möglicher Fehlstellungen oder Instabilitäten sind essenziell, um die für Sie richtige Therapie zu wählen.
Konservative Behandlung
Nicht jeder Knorpelschaden im Sprunggelenk muss sofort operiert werden. Besonders bei frühen Stadien, kleineren Schäden oder wenn die Beschwerden gering sind, kann eine konservative, also nicht-operative, Behandlung erfolgreich sein. Ziel der konservativen Therapie ist es vor allem, die Symptome zu lindern und dem Körper die bestmöglichen Bedingungen für eine eventuelle Selbstheilung zu geben, auch wenn der Knorpel selbst nur eine sehr begrenzte Heilungsfähigkeit besitzt. In der Akutphase sollte das Bein geschont werden. Belastung ist erlaubt, solange diese schmerzfrei möglich ist. Darüber hinaus kann Physiotherapie hilfreich sein. Dabei geht es nicht nur um die Mobilisierung des Gelenkes, sondern auch darum die Stabilität des Gelenks zu verbessern.
Kontrovers diskutiert wird die Wirksamkeit von Hyaluronsäure und Plättchenreichem Plasma sogenanntem PRP. Sowohl für akute als auch für die chronische Knorpelschänden sind die Ergebnisse aber heterogen. Das heißt, dass es zwar Patientinnen und Patienten gibt, bei denen eine Injektion hilft, die Ergebnisse aber nicht vorhersagbar sind.
Operative Behandlung
Eine Operation wird dann in Betracht gezogen, wenn die konservative Behandlung über einen Zeitraum von etwa drei bis sechs Monaten keine ausreichende Besserung gebracht hat, oder wenn beispielsweise freie Gelenkkörper oder ähnliches vorhanden sind. Das Hauptziel einer Operation ist es, beschädigtes Gewebe zu entfernen und die Heilung anzuregen. Außerdem sollten begleitende Fehlstellungen oder Instabilitäten ebenfalls behandelt werden, um das Knorpelregenerat zu schützen. Prinzipiell ist es wichtig zu verstehen, dass der originale, hyaline Knorpel nicht wiederhergestellt werden kann. Bei der Knorpeltherapie entsteht ein sogenannter Faserknorpel. Dabei handelt es sich zwar um Knorpelgewebe, allerdings ist die Zusammensetzung des Gewebes, und damit die Strapazierfähigkeit, anders als beim Original-Knorpel.
Knorpeldefekt
Bei einem isolierten Knorpelschaden, wenn der darunterliegende Knochen also intakt ist, kommen, je nach Ausdehnung, verschiedene Verfahren zum Einsatz. Zunächst wird immer der erkrankte, instabile Knorpel entfernt – ein sogenanntes Debridement. Anschließend erfolgt eine sogenannte Mikrofrakturierung, auch Knochenmarkstimulation genannt,. Dabei werden kleine Löcher in den Knochen unter dem Knorpeldefekt gebohrt. Aus diesen treten Blut und Stammzellen aus und gelangen in den Defekt. Dort sollen sie zur Bildung eines Ersatzknorpels führen. Für Defekte kleiner als 15 mm2 wird dieses Vorgehen oft als erste Wahl angesehen. Bei Defekten größer als 15 mm2 erscheint es sinnvoll, zusätzlich zum Debridement und Mikrofrakturierung eine Kollagenmembran aufzubringen. Diese Membran soll das Blutgerinnsel mit den Stammzellen stabilisieren und die Knorpelheilung lenken.
Knochen- Knorpeldefekt
Sollten sowohl der Knorpel als auch der Knochen betroffen sein, also ein Knochen-Knorpeldefekt vorliegen, erfolgt ebenfalls zunächst die Entfernung des instabilen Knorpels und zusätzlich des erweichten Knochens. Der knöcherne Defekt wird dann mit eigenen Knochen aufgefüllt. Nachdem der knöcherne Defekt aufgefüllt ist, wird dann eine Kollagenmembran aufgelegt. Dieses Verfahren wird als autologe Matrix-Induzierte Chondrogenese, kurz AMIC, bezeichnet.
Begleitende Eigenbluttherapie
Sowohl bei isolierten Knorpeldefekten, aber auch bei Knochen-Knorpel Defekten scheint die zusätzliche Applikation von Plättchen-reichem Plasma (PRP) im Rahmen der Operation einen positiven Effekt zu haben.
Nach der Operation
In den ersten 2 Wochen nach einer Knorpeltherapie wird das Gelenk in einer Schiene ruhiggestellt. In dieser Zeit muss das Bein vor allem hochgelagert werden, damit die Operationswunden gut heilen können und die durch die Operation bedingte Entzündungsreaktion im Gelenk abklingen kann. Ab Woche 3 sollte an der Beweglichkeit des Gelenkes, sowie der Kräftigung der Muskulatur gearbeitet werden. Dies sollte mit Unterstützung von Physiotherapie erfolgen. Für insgesamt 6 Wochen darf das operierte Bein nur mit 20 kg teilbelastet werden. Ab Woche 7 kann dann mit dem Belastungsaufbau begonnen werden. Je nach zusätzlichen Eingriffen kann das Nachbehandlungsschema variieren. Die Rückkehr zum Sport ist ein längerer Prozess und kann je nach Operation und individuellem Heilungsverlauf sechs Monate bis zu einem Jahr oder länger dauern. Die Nachbehandlung ist ebenso wichtig wie die Operation. Es kann nur ein optimales Ergebnis erzielt werden, wenn Sie aktiv Mitarbeiten und die von der Physiotherapie angeleiteten Übungen täglich zuhause durchführen.
Komplikationen
Operationsrisiken lassen sich in allgemeine und spezifische Risiken unterteilen. Allgemeine Risiken sind beispielsweise Wundheilungsstörungen, Infektionen, Blutungen, Blutergüsse, Thrombosen, Nerven- oder Gefäßverletzungen. Spezielle Risiken sind anhaltende Schmerzen oder Schwellungen, Bewegungseinschränkungen, Gelenksteifigkeit, sowie unzureichende Bildung von Regeneratknorpel oder schlecht heilender Knochen. Das Risiko steigt mit der Größe des ursprünglichen Defekts. Im Rahmen der Arthroskopie kann ein Nerv am Fußrücken verletzt werden. Auch nach der Operation kann sich langfristig eine Arthrose im Sprunggelenk entwickeln. Bitte besprechen Sie alle Chancen und Risiken ausführlich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ergebnisse
Die Erfolgsquote konservativer Maßnahmen liegt bei etwa 45–50 % und zielt auf Linderung der Symptome ab – eine vollständige Heilung des Knorpelschadens ist selten, besonders bei Erwachsenen. Die Prognose nach einer operativen Therapie hängt von vielen Faktoren ab: Schadensart und -größe, Alter, Gewicht, Aktivitätsniveau und etwaige Voroperationen. In der Regel verbessern sich Schmerzen und Alltagsfunktion deutlich. Große Defekte, hohes Gewicht und lange vorbestehende Beschwerden wirken sich negativ aus. Entscheidend für den Erfolg sind die passende OP-Technik und die Behandlung von zusätzlichen Fehlstellungen oder Instabilitäten. Eine Rückkehr zum Sport ist oft möglich, jedoch selten auf dem früheren Leistungsniveau.
Unsere Referenzen und Publikationen
Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:
- Influence of the Medial Malleolus Osteotomy on the Clinical Outcome of M-BMS + I/III Collagen Scaffold in Medial Talar Osteochondral Lesion (German Cartilage Register/Knorpelregister DGOU).
Gottschalk O, Baumbach SF, Altenberger S, Körner D, Aurich M, Plaass C, Ettinger S, Guenther D, Becher C, Hörterer H, Walther M.
Cartilage. 2021 Dec;13(1_suppl):1373S-1379S. https://doi.org/10.1177/1947603520961169
Inhalt
Verfasst von Prof. Dr. med. Hans Polzer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach · Zuletzt geprüft am 12.07.2026