Umknicktrauma Sprunggelenk

Eine Sprunggelenksdistorsion — umgangssprachlich Verstauchung oder Umknicktrauma — ist eine der häufigsten Verletzungen des Bewegungsapparates überhaupt und macht etwa 40 % aller Sportverletzungen aus. Der Fuß kippt dabei meist nach innen. Dies führt in den meisten Fällen zu einer Verletzung der Außenbänder. Es kann aber auch zu einer Verletzung des Fersenbeines, zum Bruch des fünften Mittelfußknochens, zu einer Knorpelverletzungen im Sprunggelenk, zur Verletzung der Syndesmose und anderen Verletzungen kommen. Entscheidend um die richtige Behandlung einzuleiten ist es die richtige Diagnose zu stellen. Dafür ist die genaue Kenntnis der möglichen Verletzungen und die Einleitung der richtigen Untersuchungen essenziell.

Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz betreuen unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten das Umknicktrauma von der Akutdiagnostik bis zur Rückkehr in den Sport.

Anatomie

Das Sprunggelenk setzt sich aus drei Knochen zusammen: Schien- und Wadenbein bilden zusammen die Sprunggelenksgabel, in der das Sprungbein sitzt. Stabilisiert werden die Knochen durch drei große Bandkomplexe. Der Syndesmosenkomplex verbindet Schien- und Wadenbein und ist essenziell für die Stabilität der Sprunggelenksgabel. Auf der Außenseite wird das Sprunggelenk durch den Außenbandkomplex, auf der Innenseite durch den Deltabandkomplex stabilisiert.

Definition

Eine Sprunggelenksdistorsion, umgangssprachlich auch als Verstauchung oder Umknicktrauma bezeichnet, ist eine der häufigsten Verletzungen des Bewegungsapparates. Sie macht etwa 40 Prozent aller Sportverletzungen aus. Dabei wird das Sprunggelenk oder der Fuß über seine natürliche Bewegungsgrenze hinaus belastet, was in den meisten Fällen zu einer Überdehnung oder einem Riss der Außenbänder führt. Es kann aber auch zu anderen Verletzungen kommen, wie beispielsweise einer Ruptur der Syndesmose, des Innenbandkomplexes, Knorpelschäden, Brüchen des Sprunggelenkes oder auch zu Verletzungen am Fuß wie beispielsweise Brüchen des vorderen Fortsatzes am Fersenbein, Verletzungen der Lisfranc Gelenklinie oder Brüchen von Mittelfußknochen.

Häufig wird eine Distorsion als Bagatellverletzung wahrgenommen. Die Kenntnis der möglichen Verletzungen ist entscheidend, um die richtigen Untersuchungen einzuleiten, die richtige Diagnose zu stellen, basierend darauf die beste Therapie durchzuführen, um am Schluss das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erhalten.

Unfallmechanismus

Etwa 85 Prozent der Sprunggelenksdistorsionen entstehen durch ein sogenanntes Supinationstrauma oder Inversionstrauma. Das bedeutet, dass das Sprunggelenk nach außen bzw. der Fuß nach innen wegknickt. Bei diesem Mechanismus wird meistens der Außenbandkomplex verletzt, es kann aber auch zu Brüchen im Bereich des Fußes wie beispielsweise des fünften Mittelfußknochens kommen.

Knickt das Sprunggelenk nach innen bzw. der Fuß nach außen, wird dies als Pronationstrauma oder Eversionstrauma bezeichnet. Dann wird oft der Innenbandkomplex verletzt.

Beispielsweise beim Fußballspielen kommt es nicht selten zu Rotationstraumata. Wenn das gebeugte Knie bei gebeugtem Sprunggelenk über den Fuß nach innen dreht, kann dies zu Verletzungen des Syndesmosenkomplexes führen.

Der Verletzungsmechanismus gibt also schon einen ersten Anhalt über die verletzten Strukturen.

Beschwerden

Die Symptome einer Sprunggelenksdistorsion treten in der Regel unmittelbar nach der Verletzung auf und variieren je nach verletzten Strukturen und dem Schweregrad. Typische Anzeichen sind meist eine rasch einsetzende Schwellung, ein Bluterguss und Schmerzen. Je nach Schwere der Verletzung kann auch eine Einschränkung der Gelenkfunktion bestehen. Das bedeutet, dass die Beweglichkeit und/oder Belastbarkeit eingeschränkt sind. Das Gehen ist unter Umständen erschwert oder unmöglich. Nicht selten besteht ein Gefühl der Instabilität oder des „Wegknickens“ im Gelenk.

Akutmaßnahmen

In der akuten Phase, unmittelbar nach der Verletzung, hat sich die PECH-Regel als bewährte Sofortmaßnahme etabliert. Ziel ist es, Schwellung und Schmerzen zu reduzieren.

P steht für Pause. Das bedeutet ein Pausieren von Aktivitäten, die das Sprunggelenk belasten.

E steht für Eis, also Kühlen der verletzten Stelle. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Kühlung nicht direkt auf der Haut liegt, um Erfrierungen zu vermeiden.

C steht für Kompression. Es sollte beispielsweise ein elastischer Kompressionsverband angelegt werden, um die Schwellung zu reduzieren.

H steht für Hochlagern: Das Hochlagern des verletzten Beines verringert ebenfalls die Schwellung und somit auch die Schmerzen.

Die Anwendung der PECH-Regel trägt relevant dazu bei Schwellung und Schmerzen zu reduzieren.

Klinische Untersuchung

Der erste Schritt bei der ärztlichen Untersuchung ist das ausführliche Gespräch mit den Patienten über den Unfallhergang und eventuell bestehende Vorschäden. Fragen nach der Art und Weise des Umknickens, der Schmerzlokalisation und der Belastbarkeit geben dem Arzt wertvolle Hinweise auf das mögliche Verletzungsmuster.

Darauf folgt die klinische Untersuchung, die mit einer Inspektion beginnt. Der Arzt begutachtet das verletzte Sprunggelenk im Seitenvergleich, um Schwellungen, Blutergüsse oder Achsenfehlstellungen zu identifizieren.

Anschließend erfolgt die Tastuntersuchung, bei der der Arzt gezielt mögliche druckschmerzhafte Punkte am Sprunggelenk und im Fußbereich abtastet. Die Lokalisation der druckschmerzhaften Stellen gibt relevante Hinweise auf die verletzten Strukturen.

Funktionstests

Nach der Inspektion und Palpation führt der Arzt spezifische Funktionstests durch, um die Funktion beziehungsweise die Stabilität des Gelenkes zu beurteilen und die Schwere der Verletzung zu bestimmen.

Die Erkenntnisse aus der Anamnese und Palpation leiten die Ärztin, den Arzt bei der Wahl der durchzuführenden Tests. Die klinische Untersuchung und die spezifischen Funktionstests folgen einer klaren, logischen Abfolge. Die Ergebnisse der Untersuchung wiederum bestimmen den weiteren diagnostischen Weg, insbesondere die Entscheidung, ob und welche bildgebenden Verfahren erforderlich sind. Dieser schrittweise Prozess ermöglicht eine gezielte und effiziente Diagnosefindung, die unnötige Untersuchungen vermeidet und zugleich sicherstellt, dass keine relevanten Verletzungen übersehen werden.

Bildgebung

Die klinische Untersuchung ist bei den meisten Distorsionen ausreichend. Wenn jedoch der Verdacht auf knöcherne Verletzungen, Verletzungen bestimmter Bänder oder andere Begleitverletzung besteht, kommen bildgebende Verfahren zum Einsatz. Die Wahl der am besten geeignetsten Bildgebung hängt von der jeweiligen Fragestellung ab. Röntgen, Sonographie, Magnetresonanztomographie, Computertomographie oder die Digitale Volumentomographie stehen uns dabei zur Verfügung.

Röntgen

Die Röntgenuntersuchung ist das Standardverfahren der ersten Wahl, um einen Knochenbruch am Sprunggelenk oder Fuß auszuschließen oder zu bestätigen. Es liefert einen ersten Überblick der knöchernen Strukturen. Allerdings bildet das Röntgenbild einen dreidimensionalen Raum lediglich in zwei Ebenen ab. Entsprechend überlagern sich viele Strukturen. Deswegen wird bei Verdacht auf eine relevante knöcherne Verletzung häufig, nach dem Röntgenbild, noch eine dreidimensionale Darstellung der Knochen mittels Computertomographie oder digitaler Volumentomographie angeschlossen.

Sonographie und Magnetresonanztomographie

Wenn der Verdacht auf eine Verletzung der Sehnen, Knorpel oder Bänder besteht, oder aber wenn die Symptome, trotz konservativer Behandlung, nicht abklingen, kommen weitere bildgebende Verfahren zum Einsatz.

Die Ultraschalluntersuchung ist nahezu überall verfügbar. Es ist ein nicht-invasives Verfahren und funktioniert ohne Röntgenstrahlung. Außerdem erlaubt sie eine dynamische Beurteilung von Bändern, Sehnen und Weichteilgewebe in Echtzeit. Entsprechend können mit Hilfe der Sonographie wichtige Erkenntnisse gewonnen werden.

Die Magnetresonanztomografie erlaubt eine detaillierte Darstellung der Weichteile. Sie liefert hochauflösende Bilder von Bändern, Knorpel und Sehnen. Eine MRT-Untersuchung wird typischerweise eingesetzt bei Verdacht auf eine Syndesmosenruptur, einen Knorpelschaden oder einen versteckten Bruch, oder wenn die Beschwerden trotz adäquater Therapie fortbestehen.

Was kann verletzt werden?

Außenbänder

In den meisten Fällen kommt es im Rahmen einer Distorsion zu einer Verletzung des Außenbandapparates. Wichtig für die Behandlung ist die Unterscheidung in stabile und instabile Außenbandverletzungen. Dies kann mit Hilfe der klinischen Untersuchung differenziert werden.

Sowohl stabile wie auch instabile Verletzungen haben eine gute Prognose bei konservativer, frühfunktioneller Therapie. Allerdings ist bei instabilen Verletzungen das konsequente Tragen einer Sprunggelenksorthese für die ersten 6 Wochen in Kombination mit einer intensiven Physiotherapie notwendig, während stabile Verletzungen rein symptomatisch behandelt werden.

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Syndesmose

Der Syndesmosenkomplex ist eine Bandstruktur, die Schien- und Wadenbein verbindet und essentiell für die Stabilität der Sprunggelenksgabel ist. Auch bei Syndesmosenverletzungen ist die Unterscheidung von stabilen und instabilen Verletzungen essentiell. Meist kommen dabei verschiedene Untersuchungsmodalitäten wie Röntgen, Magentresonanztomographie, Computertomographie und Digitale Volumentomographie zum Einsatz.

Stabile Verletzungen des Syndesmosenkomplexes werden konservativ behandelt, bei instabilen Verletzungen ist in den meisten Fällen eine Operation zu empfehlen.

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Fraktur des Fersenbeines

Der Processus anterior calcanei ist eine Ausziehung am Fersenbein. An dieser setzt ein Band an, welches im Rahmen einer Umknickverletzung knöchern ausreißen kann.

Die Symptome ähneln stark denen einer Außenbandverletzung. Dies führt dazu, dass diese Verletzung häufig zunächst als einfache Verstauchung fehldiagnostiziert wird. Außerdem ist der Bruch des vorderen Fortsatzes am Fersenbein in der Röntgenaufnahme oft nicht sichtbar. Um die Diagnose zu stellen, ist eine Computertomographie oder Digitale Volumentomographie notwendig. Die meisten dieser Verletzungen sind stabil und können konservativ behandelt werden. Allerdings ist zu beachten, dass die Zeit bis zur Rückkehr zur vollen Aktivität oft mehrere Monate beträgt. Nur bei großen Fragmenten mit starker Verschiebung sollte eine operative Therapie diskutiert werden.

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Brüche am fünften Mittelfußknochen

Der Bruch des fünften Mittelfußknochens gehört, nach den Außenbandverletzungen, zu den häufigsten Verletzungsfolgen. Entscheidend für die Therapieempfehlung ist die genaue Lokalisation des Bruches. Es werden zwei Fraktur-Typen unterschieden, deren Heilungsaussichten und entsprechend die Behandlungsempfehlungen sich stark voneinander unterscheiden.

Die epi-metaphysären Brüche zwischen der Spitze der Basis bis zum Ende der Gelenkverbindung zum vierten Mittelfußknochen, heilen unter konservativer Therapie exzellent und können unmittelbar, abhängig von den Schmerzen, voll belastet werden.

Die selteneren meta-diaphysären Brüche, am Übergang zum Schaft, weisen bei konservativer Therapie eine hohe Rate an Therapieversagern auf. Deswegen empfehlen wir bei diesen die operative Therapie.

Unsere Referenzen und Publikationen

Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:

Inhalt

Verfasst von Prof. Dr. med. Hans Polzer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach · Zuletzt geprüft am 12.07.2026