Morton-Neurom
Ein Morton-Neurom ist eine gutartige Verdickung eines Nervs zwischen den Mittelfußknochen — medizinisch eine perineurale Fibrose, kein echter Tumor, wie der historische Begriff „Neurom" nahelegt. Typisch sind brennende oder stechende Schmerzen im Vorfußballen, die in die benachbarten Zehen ausstrahlen, oft mit Kribbeln oder Taubheitsgefühl; enge oder hochhackige Schuhe verstärken die Beschwerden. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Am häufigsten ist der Nerv zwischen dem drittem und viertem Mittelfußknochen betroffen. In jedem Fall sollte zunächst ein konservativer Therapieversuch unternommen werden.
Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz behandeln unsere Fuß- und Sprunggelenkspezialisten das Morton-Neurom mit dem gesamten Spektrum konservativer und operativer Verfahren — von der Einlagenversorgung über die gezielte Infiltration bis zur operativen Entfernung.

Definition
Beim Morton-Neurom handelt es sich um eine gutartige Verdickung oder Reizung eines Nervs, der zwischen den Mittelfußknochen verläuft. Etwa auf Höhe der Grundgelenke verzweigt sich der Nerv in zwei Äste, die für das Gefühl an den Innenseiten der angrenzenden Zehen zuständig sind. Die Verdickung ist eine bindegewebige Veränderung – eine sogenannte perineurale Fibrose. Der Begriff „Neurom“ ist historisch bedingt, beschreibt jedoch medizinisch gesehen nicht ganz korrekt die zugrunde liegende Veränderung.
Beschwerden
Typische Beschwerden bei einem Morton-Neurom sind brennende, stechende oder scharfe Schmerzen im Bereich des Vorfußballens, die bis in die benachbarten Zehen ausstrahlen können. Hinzu kommen häufig Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder das Gefühl eines „Ameisenlaufens“. Die Beschwerden treten typischerweise verstärkt auf beim Tragen enger oder hochhackiger Schuhe, sowie bei längerem Gehen oder Stehen. Eine Besserung tritt häufig ein, wenn die Schuhe ausgezogen und die Füße entlastet werden.
Häufigkeit
Das Morton-Neurom stellt eine relativ häufige Ursache für Vorfußschmerzen dar. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Typischerweise tritt die Erkrankung im mittleren Lebensalter zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf. Am häufigsten entwickelt sich das Neurom im Zwischenraum zwischen dem dritten und vierten Mittelfußknochen, seltener im Bereich zwischen dem zweiten und dritten. Andere Lokalisationen sind deutlich seltener.
Ursachen
Die genauen Ursachen für die Entstehung eines Morton-Neuroms sind bislang nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass wiederholte mechanische Reize, Druckeinwirkungen oder kleinste Verletzungen des Nervs im Vorfußbereich eine Rolle spielen. Ein Zusammenhang mit dem Tragen enger oder hochhackiger Schuhe, sowie mit bestimmten Fußformen wird immer wieder vermutet, konnte jedoch wissenschaftlich bisher nicht eindeutig belegt werden.
Klinische Untersuchung
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch, der sogenannten Anamnese. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie gezielt nach Art, Dauer und Auslösern Ihrer Beschwerden befragen – etwa in Bezug auf Ihre Schuhwahl oder körperliche Belastungen. Im Anschluss erfolgt die körperliche Untersuchung, bei der die Form Ihres Fußes, mögliche Verhornungen, Schwellungen und Druckempfindlichkeiten überprüft werden. Besonders geachtet wird auf die Sensibilität an der Innenseite der betroffenen Zehen. Ein spezifischer Test, das sogenannte Mulder-Zeichen, kann auf ein Morton-Neurom hinweisen: Dabei wird der betroffene Bereich zwischen den Mittelfußknochen abgetastet und gleichzeitig der Vorfuß zusammengedrückt. Lösen diese Maßnahmen Ihre typischen Schmerzen aus, gilt der Test als positiv.
Sonographie
Wenn der klinische Befund auf ein Morton-Neurom hindeutet, können bildgebende Verfahren zur weiteren Abklärung beitragen. In vielen Fällen erfolgt zunächst eine Ultraschalluntersuchung, die unkompliziert und strahlenfrei ist. Mit Hilfe dieser kann unter Umständen eine Nervenveränderung dargestellt werden.
Magnetresonanztomographie
Eine weitere Möglichkeit stellt die Magnetresonanztomographie dar. Diese sollte idealerweise mit Kontrastmittel und in Bauchlage durchgeführt werden. Röntgenaufnahmen spielen in der Diagnostik des Morton-Neuroms eine untergeordnete Rolle. Gelegentlich kann es vorkommen, dass klinische und bildgebende Befunde nicht übereinstimmen – etwa wenn typische Symptome vorliegen, sich das Neurom aber im MRT nicht eindeutig zeigt oder umgekehrt. In solchen Fällen kann eine sogenannte Testinfiltration sinnvoll sein. Dabei wird der verdächtige Nerv gezielt mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Verschwinden die Schmerzen infolge dieser Maßnahme, ist ein Morton-Neurom wahrscheinlich.
Einteilung
Eine offizielle Stadieneinteilung, wie sie bei anderen Erkrankungen existiert, gibt es beim Morton-Neurom nicht. Allerdings kann die Größe der Nervenverdickung Einfluss auf die Wahl der geeigneten Therapie haben.
Konservative Behandlung
In jedem Fall sollte zunächst ein konservativer Therapieversuch unternommen werden. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern und den gereizten Nerv zu entlasten. Dies geschieht unter anderem durch das Tragen bequemer, weiter Schuhe mit flachen Absätzen und ausreichend Platz für die Zehen. Einlagen oder spezielle Polster können ebenfalls zur Druckminderung beitragen. Zusätzlich kann eine Injektionstherapie mit einem Lokalanästhetikum und Kortison erwogen werden, in der Regel in Form von drei Injektionen im Abstand von jeweils einer Woche. Andere Injektionen, etwa mit Hyaluronsäure oder PRP, haben sich in Studien bislang nicht als wirksam erwiesen.
Operative Behandlung
Eine Operation wird dann in Betracht gezogen, wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Linderung bringen und die Beschwerden Ihre Lebensqualität erheblich einschränken. Ziel des Eingriffs ist die Beseitigung der Schmerzursache. Dies kann durch eine Druckentlastung des Nervs, eine sogenannte Dekompression mit Neurolyse, oder durch die Entfernung des betroffenen Nervenabschnitts erfolgen – eine sogenannte Neurektomie. Da die Ergebnisse der Dekompression in vielen Fällen nicht zufriedenstellend sind, empfehlen wir in der Regel die Entfernung des betroffenen Nervs. Funktionseinschränkungen sind dadurch nicht zu erwarten. Allerdings bleibt das Gefühl in dem kleinen Hautbereich zwischen den betroffenen Zehen dauerhaft aus. Der Eingriff erfolgt über einen kleinen Schnitt entweder am Fußrücken oder an der Fußsohle.
Nach der Operation
Auch wenn es sich um einen vergleichsweise kleinen operativen Eingriff handelt, sollten Sie mit einer gewissen Erholungszeit rechnen. In den ersten Wochen tragen Sie meist einen speziellen Verbandsschuh, der den operierten Bereich schützt und entlastet. Nach etwa zwei bis drei Wochen werden die Fäden entfernt. Schwellungen und leichte Schmerzen sind in dieser Phase normal und bilden sich in der Regel allmählich zurück. Bis Sie wieder normale Schuhe tragen und alltägliche Aktivitäten aufnehmen können, vergehen meist vier bis sechs Wochen, wobei dies individuell unterschiedlich sein kann. Die vollständige Erholung – insbesondere bei sportlicher Belastung – kann mehrere Monate in Anspruch nehmen und in manchen Fällen bis zu einem halben Jahr oder länger dauern.
Komplikationen
Wie bei jeder medizinischen Maßnahme können auch bei der Behandlung des Morton-Neuroms Komplikationen auftreten – sowohl im Rahmen der konservativen als auch der operativen Therapie. Bei Injektionen kann es zu vorübergehenden Schmerzen oder kleinen Blutergüssen an der Einstichstelle kommen. Bei häufiger Kortisonanwendung sind selten Hautveränderungen wie eine Aufhellung, Verdünnung der Haut oder ein Rückgang des Fettgewebes möglich. Nach einer Operation bestehen allgemeine Risiken wie Infektionen oder Wundheilungsstörungen. Spezielle Risiken bestehen in der ungewollten Entfernung anderer Strukturen oder in der Bildung von Narbengewebe im Fuß, das sehr sensibel sein kann oder ein Enge- oder Spannungsgefühl verursachen kann.
Ergebnisse
Viele Patientinnen und Patienten profitieren bereits durch konservative Maßnahmen. Kleinere Neurome sprechen tendenziell besser auf Injektionen an, wobei der Behandlungserfolg individuell nicht sicher vorhergesagt werden kann. Bei operativer Behandlung berichten etwa 70 bis 80 Prozent der Patientinnen und Patienten von guten bis sehr guten Ergebnissen. Die nach einer Neurektomie auftretende Taubheit wird in der Regel gut toleriert. In seltenen Fällen kann es zu einem Wiederauftreten der Beschwerden kommen, einem sogenannten Rezidiv.
Inhalt
Verfasst von Prof. Dr. med. Hans Polzer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach · Zuletzt geprüft am 12.07.2026