Arthrose Mittelfuß

Eine Mittelfußarthrose ist der fortschreitende Verschleiß des Gelenkknorpels in den Fußwurzel- und Mittelfußgelenken; sie zeigt sich als Belastungsschmerz am Fußrücken. Sie ist häufiger als vielfach angenommen: In einer Untersuchung wiesen 12 % der über 50-Jährigen eine Arthrose des Mittelfußes auf. Behandelt wird zunächst konservativ mit versteifender Einlage und Schuhzurichtung; bleiben die Beschwerden, kann das betroffene Gelenk gezielt versteift werden.

Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz behandeln unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten die Mittelfußarthrose mittels spezieller Einlagentechnik oder gezielter Arthrodese.

Definition

Der Gelenkknorpel überzieht die Knochenenden der Gelenke und dient als Gleitschicht und Stoßdämpfer. Der Begriff der Arthrose beschreibt einen fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels. In der Folge geht die stoßdämpfende Funktion verloren. Es kommt phasenweise zu Entzündungsreaktionen. In diesen Phasen ist das betroffene Gelenk besonders schmerzhaft, geschwollen und empfindlich. Die Arthrose ist eine nicht heilbare Erkrankung. Das Fortschreiten des Gelenkverschleißes lässt sich grundsätzlich nicht aufhalten. So kommt es im Laufe der Zeit zu zunehmenden Beschwerden. Die Mittelfußarthrose kann die Gelenke zwischen den Mittelfußknochen und Keil- beziehungsweise Würfelbeinen betreffen, oder die Gelenke zwischen den drei Keilbeinen.

Anatomie

Sprunggelenk und Fuß sind hochkomplexe Körperteile. Zusammen erlauben sie ein hohes Maß an Beweglichkeit, funktionieren wie ein kraftvoller Hebel, der es uns erlaubt, uns abzustoßen und zu springen und wirken gleichzeitig wie ein Stoßdämpfer beim Gehen und Landen. Die Mittelfußgelenke sind maßgeblich für diese Stoßdämpferwirkung verantwortlich.

Als Mittelfußgelenke werden die Gelenke zwischen den Mittelfußknochen und der Fußwurzel, also den Keilbeinen beziehungsweise dem Würfelbein, bezeichnet. Regelmäßig wird die gesamte Gelenklinie auch als Lisfranc-Gelenklinie bezeichnet.

Beschwerden

Die Beschwerden einer Arthrose entwickeln sich oft schleichend. Anfangs treten Schmerzen vor allem nur unter Belastung auf. Ein oft beschriebenes Phänomen sind die sogenannten Anlaufschmerzen, ein Gefühl der Steifigkeit und Schmerzhaftigkeit, das nach einer längeren Ruhephase, zum Beispiel am Morgen oder nach langem Sitzen auftritt und sich nach einigen Minuten des Gehens wieder bessert. Nach längerer Belastung kommt es dann wieder zu einer Zunahme der Beschwerden. Mit Fortschreiten der Erkrankung wird die schmerzfreie Gehstrecke immer kürzer, die Gelenke ermüden schneller, und die Schmerzen können sich verstärken, insbesondere auf unebenem Gelände, beim Treppensteigen oder bei Ausgleichsbewegungen. Im fortgeschrittenen Stadium treten die Schmerzen auch in Ruhe und sogar nachts auf. Ein weiteres Symptom ist die zunehmende Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit. Vor allem die Schmerzen führen dazu, dass sich das Gangbild sichtbar verändert, und führen zu einem Hinken. Nicht selten bildet sich im Verlauf am Fußrücken eine Schwellung die druckschmerzhaft ist und beim Tragen von Schuhen schmerzen kann.

Häufigkeit

Die Arthrose im Bereich des Mittelfußes scheint deutlich häufiger zu sein als lange Zeit gedacht. In einer großen Studie in England zeigte sich eine symptomatische Arthrose des Mittelfußes in zwölf Prozent der befragten Bewohnerinnen und Bewohner die älter als 50 Jahre waren. Besonders häufig trat sie auf bei einem Alter über 75 Jahren, weiblichem Geschlecht, Übergewicht oder einer vorbestehenden Verletzungen in diesem Bereich. In den meisten Fällen betrifft die Arthrose die Gelenke der Mittelfußknochen ein bis drei.

Ursachen

Eine Mittelfußarthrose kann auch ohne ersichtlichen Grund entstehen. Eine solche Form der Arthrose wird als idiopathisch oder primär bezeichnet. Diese Form ist selten. Die sogenannten sekundären Arthrosen sind wesentlich häufiger. Dies sind Arthrosen für die ein nachvollziehbarer Grund besteht. Am häufigsten im Mittelfuß handelt es sich um eine posttraumatische Arthrose, das bedeutet, das eine Verletzung zu einer Schädigung geführt hat und sich als Folge eine Arthrose entwickelt hat. Dabei kann es sich um schwere Verletzungen handeln, die initial operativ versorgt wurden. Aber auch geringfügige Instabilitäten, die in der Akutsituation unter Umständen gar nicht identifiziert wurden, können im Verlauf zur Arthrose führen. Andere Ursachen sind entzündliche Erkrankungen wie beispielsweise die rheumatoide Arthritis oder Gicht.

Klinische Untersuchung

Die klinische Untersuchung ist entscheidend, um der richtigen Diagnose auf die Spur zu kommen. Zu Beginn steht die Inspektion des Fußes im Stehen und des Gangbildes, wobei auf ein Absinken des medialen Gewölbes, eine Schwellung über dem Mittelfuß oder eine Rötung geachtet wird. Die Palpation ist ein entscheidender Hinweis. Der Arzt, die Ärztin tastet dabei die gesamte Gelenklinie ab. Ein lokalisierter Druckschmerz direkt über einem Gelenkspalt ist ein Hinweis auf eine lokale Arthrose. Zudem wird die Beweglichkeit der angrenzenden Gelenke überprüft.

Bildgebung

Die apparative Diagnostik dient der Sicherung der klinischen Verdachtsdiagnose und ist für die Therapieplanung unerlässlich. Den ersten Schritt stellt meist die Röntgenuntersuchung des Fußes in drei Ebenen im Stehen dar. Ergänzend kommt meist eine Computertomographie zum Einsatz. Diese erlaubt die dreidimensionale Darstellung der knöchernen Strukturen. Die Digitale Volumentomographie hat den Vorteil, das eine dreidimensionale Darstellung unter Belastung möglich ist.

Zusätzlich ist eine Magnetresonanztomographie sinnvoll, um frühe Zeichen einer Arthrose darzustellen, beziehungsweise um die Aktivität der Arthrose sichtbar zu machen.

Einteilung

Die Einteilung der Mittelfußarthrose erfolgt sowohl nach anatomischen Regionen, als auch nach radiologischen Schweregraden.

Konservative Behandlung

Die konservative Therapie der Mittelfußarthrose sollte immer der erste Schritt sein. Die Basis bildet die Lastreduktion in dem betroffenen Bereich und Stabilisierung durch orthopädische Hilfsmittel. Semirigide, langsohlige Einlagen, oft kombiniert mit einer Mittelfußrolle am Schuh, reduzieren die Kräfte, die auf den Mittelfuß beim Laufen wirken. Diese Maßnahmen können häufig zu einer Verbesserung des Gehens führen. Wenn die Beschwerden akut besonders schwerwiegend sind, können kurzfristig Schmerzmittel eingenommen werden. Zusätzlich dazu sollte das Aktivitätsniveau an die Schmerzsituation angepasst werden.

Operative Behandlung

Die operative Therapie der Mittelfußarthrose wird dann in Erwägung gezogen, wenn die konservativen Maßnahmen nicht zu einer ausreichenden Schmerzlinderung geführt haben. Das chirurgische Vorgehen orientiert sich an der Säuleneinteilung des Fußes. Für die mediale und zentrale Säule, also die Gelenke an der Basis der ersten drei Mittelfußknochen, ist die Versteifung das international anerkannte Standardverfahren. Da diese Gelenke physiologisch kaum Eigenbeweglichkeit besitzen, führt ihre Fusion zu einer schmerzfreien Stabilität, ohne das Gangbild relevant zu beeinflussen.

Im Gegensatz dazu sind die Gelenke der lateralen Säule, also des vierten und fünften Mittelfußknochens, deutlich mobiler und essenziell für die Anpassung des Fußes an unebenen Boden und für das Gleichgewicht. Eine Versteifung führt hier häufig zu chronischen Schmerzen am Fußaußenrand. Daher wird an der lateralen Säule ein bewegungserhaltendes Vorgehen, eine Resektionsarthroplastik favorisiert. Dabei werden die arthrotischen Gelenkflächen sparsam entfernt, sodass ein kleiner Spalt entsteht, der die schmerzhafte Reibung verhindert. Anschließend wird in den Spalt ein Teil eines Muskels oder Fettgewebe eingeschlagen. Eine Arthrodese ist in diesem Bereich nur in Ausnahmefällen sinnvoll.

Nach der Operation

Die postoperative Phase ist für den Erfolg des Eingriffs ebenfalls sehr entscheidend und erfordert Ihre Mitarbeit. Unmittelbar nach dem Eingriff wird der Fuß zur Reduktion der Schwellung hochgelagert und gekühlt. Dies ist besonders wichtig bis zum Abschluss der Wundheilung, das bedeutet mindestens bis zum Fadenzug, um das Risiko für Wundkomplikationen zu minimieren. Üblicherweise erfolgt zunächst eine Ruhigstellung in einer Schiene. Nach einer Arthrodese des Mittelfußes ist eine Entlastung für insgesamt acht Wochen erforderlich. Während dieser Zeit ist eine konsequente Thromboseprophylaxe notwendig. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Nachbehandlung ist die Physiotherapie. Diese dient vor allem als Anleitung zur Eigenübung und ist wesentlich, um die Beweglichkeit der nicht versteiften Gelenke zu erhalten, Muskulatur wieder aufzubauen und um das Gangbild nach der Entlastungsphase wieder zu normalisieren. Für die Nachbehandlung brauchen Sie Geduld und Motivation.

Komplikationen

Trotz präziser chirurgischer Techniken können bei der operativen Behandlung der Mittelfußarthrose allgemeine und spezielle Risiken auftreten. Zu den allgemeinen Komplikationen zählen Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Schäden an Nerven und Gefäßen. Das relevanteste spezielle Risiko nach einer Arthrodese ist die Pseudarthrodese, also dass es nicht zur knöchernen Überbrückung des Gelenkes kommt. Risikofaktoren dafür sind Nikotinkonsum, Diabetes mellitus oder mangelnde postoperative Entlastung. Aber auch ohne diese Faktoren kann die knöcherne Heilung unter Umständen ausbleiben. Ein weiteres Risiko ist, dass Schmerzen verbleiben oder erneut auftreten. In sehr seltenen Fällen kann es zu einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom kommen. Die Risikofaktoren dafür sind bislang unzureichend verstanden.

Ergebnisse

Die Ergebnisse nach operativer Versorgung der Mittelfußarthrose sind bei korrekter Indikation erfolgversprechend. Patientinnen und Patienten, bei denen eine Arthrodese im Mittelfuß durchgeführt wurde, berichten in den meisten Fällen über eine deutliche Besserung der Beschwerden. Meist ist das tägliche und sportliche Aktivitätsniveau nach der Operation höher als zuvor. Es ist aber wichtig, darauf hinzuweisen, dass die vollständige Genesung ein langwieriger Prozess ist, und eine endgültige Beurteilung des erreichten Aktivitätsniveaus erst nach ungefähr einem Jahr möglich ist.

Inhalt

Verfasst von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Hans Polzer · Zuletzt geprüft am 12.07.2026