Verletzung Lisfranc-Gelenk
Eine Lisfranc-Verletzung betrifft den Gelenkkomplex zwischen Fußwurzel und Mittelfuß und reicht von der reinen Bandverletzung bis zur Luxationsfraktur. Sie gilt als selten, doch neuere Studien legen nahe, dass sie deutlich häufiger ist als angenommen: Bis zu 50 % der Verletzungen werden zunächst nicht erkannt. Genau das ist das Problem, denn eine übersehene Lisfranc-Verletzung führt häufig zu einer Fehlstellung und zur Arthrose des Mittelfußes.
Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz legen unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten größten Wert auf eine moderne dynamische Diagnostik der Lisfranc-Verletzung, um die richtige Therapie zu wählen.

Anatomie
Die Lisfranc Gelenklinie verbindet die fünf Mittelfußknochen mit dem Rückfuß. Diese Gelenke erlauben nur einen sehr geringen Bewegungsumfang und fungieren eher im Sinne eines Stossdämpfers. Speziell die Stabilität der medialen und mittleren Säule – die aus den ersten drei Mittelfußknochen gebildet wird – ist wesentlich für das Abstoßen des Fußes. Die Stabilität wird durch einen straffen Bandkomplex gewährleistet. Eine besondere Bedeutung hat dabei die Bandverbindung zwischen dem ersten Keilbein und dem zweiten Mittelfußknochen. Diese Bandverbindung wird auch als Lisfranc Ligament bezeichnet. Die laterale Säule, bestehend aus dem vierten und fünften Mittelfußknochen, ist deutlich flexibler und dient der Anpassung des Fußes an Unebenheiten beim Auftritt.
Definition
Unter dem Begriff Lisfranc-Verletzung wird jegliche Art von Verletzung an dieser Gelenklinie zusammengefasst. Dies können zum Beispiel einfache Bandzerrungen sein – die nicht zu einer Instabilität führen, Bandrupturen die zu einem auseinanderweichen der Knochen führen, Brüche im Bereich der Basen der Mittelfußknochen oder auch des Keil- beziehungsweise des Würfelbeines. Oder schwerste Trümmerbrüche mit Verrenkungen der gesamten Gelenklinie. Das bedeutet, dass sich hinter dem Begriff der Lisfranc Verletzung völlig verschiedene Verletzungen mit gänzlich unterschiedlicher Prognose verbergen.
Häufigkeit
Lisfranc-Verletzung sind eher seltene Verletzungen mit einer jährlichen Inzidenz von etwa 9 pro 100000 Personen. Allerdings legen neuere Studien nahe, dass die Verletzungen deutlich häufiger sind. Es wird nämlich angenommen, dass bis 50 % der Verletzungen zunächst nicht erkannt werden. Dies liegt zum einen an der Tatsache, dass es eher seltene Verletzungen sind – die nicht unbedingt im Bewusstein der erstuntersuchenden Ärzte sind und andererseits an der Tatsache, dass gerade für die subtilen Verletzungen spezielle Untersuchungen notwendig sind, um diese zu erkennen. In der Folge kommt es nicht selten zu einer verzögerten Diagnose oder gar zum vollständigen Übersehen der Verletzung, was zu chronischen Schmerzen und Gelenkschäden führen kann.
Ursachen
Lisfranc-Verletzungen können entweder durch hochenergetische oder durch niederenergetische Traumata entstehen. Als hochenergetische Traumata werden Unfälle mit großer Krafteinwirkung bezeichnet. Dies können Verkehrsunfälle, Stürze aus großer Höhe oder Quetschverletzungen sein. Dabei kommt es meist zu schweren Verletzungen der Lisfancschen Gelenklinie.
Bei niedrigenergetische Traumata ist die Krafteinwirkung wesentlich geringer. Es reicht das Übersehen einer Treppenstufe oder ein Unfall beim Tanzen oder Turnen. Ein solcher Unfall mit weniger Krafteinwirkung führt meist zu einer subtileren Verletzung der Lisfranc Gelenklinie – die aber auch instabil sein kann. Auch solche subtilen Verletzungen können, wenn Sie nicht erkannt und entsprechend nicht behandelt werden, zu langfristigen Einschränkungen führen.
Beschwerden
Üblicherweise kommt es unmittelbar nach der Verletzung zu Schmerzen und Schwellungen im Bereich des Mittelfußes. Die Belastung des Fußes ist meist schmerzhaft und Gehen ist nur eingeschränkt oder überhaupt nicht möglich. Subtile Verletzungen können weniger starke Schmerzen verursachen mit unspezifischen Schmerzen im Mittelfuß.
Klinische Untersuchung
Die klinische Untersuchung ist der erste wichtige Schritt zur Diagnose. Ihr Arzt wird den Fuß auf Schwellungen, sichtbare Deformitäten und Druckempfindlichkeit untersuchen. Besonders wird bei der Inspektion auf das Vorliegen eines Blutergusses an der Fußsohle geachtet. Dies ist ein Hinweis für eine relevante Verletzung des Rückfußes. Anschließend werden Fuß und Sprunggelenk sorgfältig nach druckschmerzhaften Stellen abgetastet. Bei den Lisfranc Verletzungen lässt sich ein Druckschmerz üblicherweise zwischen der Basis vom ersten und zweitem Mittelfußknochen auslösen oder in der gesamten Gelenklinie zwischen Mittelfußknochen und Rückfuß. Weitere spezifische Test wie beispielsweise der „Klaviertasten-Test“ bei dem die Köpfe der Mittelfußknochen bewegt werden und auf Schmerzen in der Lisfranc Gelenklinie können den Verdacht weiter erhärten.
Bildgebung
Die bildgebende Diagnostik ist unerlässlich, um eine Verletzung des Lisfranc Gelenkes zu diagnostizieren. Initial werden meist Röntgenaufnahmen des Fußes in mehreren Ebenen durchgeführt. Zeigt sich dabei eine Verletzung, oder aber bei unauffälligem Röntgen aber hochgradigem klinischen Verdacht auf eine Verletzung, sollte eine dreidimensionale Darstellung der knöchernen Strukturen mittels Computertomographie oder Digitaler Volumentomographie durchgeführt werden. Wenn auch diese Untersuchungen keine eindeutige Diagnose liefern kann eine Magnetresonanztomographie unter Umständen hilfreich sein, um die Diagnose zu sichern. Wenn eine Verletzung identifiziert wurde aber unklar ist ob diese als stabil oder instabil einzuordnen ist sind belastete Röntgenaufnahmen im Seitenvergleich oder eine digitale Volumentomographie unter Belastung im Seitenvergleich ein wertvolles Werkzeug.
Einteilung
Lisfranc-Verletzungen werden grundsätzlich in zwei Hauptkategorien eingeteilt. Es werden die subtilen von den schweren Lisfranc Verletzungen unterschieden.
Bei den subtilen Verletzungen handelt es sich meist um Bandverletzungen. Manchmal sind diese knöchern ausgerissen, was an kleinen Knochenstückchen sichtbar ist. Bei diesen Verletzungen ist es entscheidend stabile von instabilen zu unterscheiden.
Bei den schweren Verletzungen liegen ausgedehnte Brüche und oder Verschiebungen der Knochen vor. Diese Verletzungen sind in der Regel leichter zu diagnostizieren und sind instabil.
Konservative Behandlung
Eine konservative Behandlung kommt nur bei nachweislich stabilen Verletzungen in Frage. Das bedeutet, dass die Knochen auch unter Belastung in ihrer korrekten anatomischen Position bleiben und keine Fehlstellung aufweisen. Die Behandlung besteht zunächst aus einer Entlastung gegebenenfalls in Kombination mit einem Walker oder einer Schiene. Danach beginnt eine schrittweise Steigerung der Belastung.
Operative Behandlung
Bei instabilen Lisfranc Verletzungen ist in der Regel eine Operation notwendig. Ziel dabei ist es die Knochen wieder in der richtigen Position zu fixieren. Je nachdem wie lange die Verletzung zurückliegt, wie ausgeprägt die Verschiebung, wie kompliziert die Brüche und wie ausgedehnt die Gelenkverletzung ist kann dann entweder eine Rekonstruktion der Gelenke oder eine Versteifung der Gelenke durchgeführt werden. Ziel der Rekonstruktion ist die Wiederherstellung der Anatomie und der Erhalt der Gelenke. Bei der versteifenden Operation soll eine stabile Knochenverbindung der benachbarten Knochen entstehen. Welche Operationstechnik in Ihrem Fall sinnvoll ist, ist eine individuelle Entscheidung und sollten Sie ausführlich mit Ihrer Ärztin, mit Ihrem Arzt besprechen.
Nach der Operation
Nach einer Operation folgt eine Phase der Entlastung, für meist 6 Wochen. Danach folgt eine schrittweise Steigerung der Belastung. Während der gesamten Phase der Nachbehandlung ist die Physiotherapie von größter Bedeutung, um die Beweglichkeit der angrenzenden Gelenke zu erhalten und die Muskulatur wiederaufzubauen. Allerdings dient die Physiotherapie vor allem als Anleitung zu Eigenübungen. Ihre Mithilfe ist entscheidend für ein gutes Ergebnis.
Komplikationen
Die wohl häufigste und schwerwiegendste Komplikation ist, dass die Verletzung übersehen oder nicht richtig eingeschätzt wird und in der Folge nicht die optimale Therapie erfolgt. Dann kommt es häufig zur Entwicklung einer Arthrose in den betroffenen Gelenken.
Bei einer operativen Therapie besteht immer das Risiko für allgemeine Operationsrisiken wie Infektionen, Wundheilungsstörungen, Nachblutungen oder die Bildung von Blutgerinnseln – Thrombosen. Zu den speziellen Risiken bei gelenkerhaltenden Operationen besteht das Risiko, dass es trotz der Rekonstruktion, bedingt durch den initialen Knorpelschaden zu einer Athrose kommt. Bei der versteifenden Operation ist das größte Risiko, dass die Knochen nicht miteinander verheilen und eine Pseudarthrose entsteht. Unter Umständen werden im Verlauf weitere Operationen notwendig um beispielsweise die Implantate zu entfernen, die Arthrose oder die Pseudarthrose zu behandeln.
Ergebnisse
Das Behandlungsergebnis hängt maßgeblich von der Schwere der initialen Verletzung ab. Bei subtilen Verletzungen des Lisfranc Gelenkes sind in der Regel gute Ergebnisse zu erwarten. Bei den schweren Verletzungen ist das Ergebnis schwerer vorhersagbar. In der Regel gelingt aber eine Rückkehr zu einem aktiven und schmerzfreien Leben.
Unsere Referenzen und Publikationen
Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:
- Medial tarsometatarsal injuries lead to overall post-traumatic osteoarthritis in 1 in 3 patients: a systematic review and meta-analysis.
Tonsuthanluck S, Dahmen J, Kerkhoffs GMMJ, Baumbach SF, Handoyo HR, Kantagowit P, Rajbhandari P, Angthong C.
Eur J Orthop Surg Traumatol. 2026 Jul 6;36(1):282. https://doi.org/10.1007/s00590-026-04855-2
- Anatomical and biomechanical evaluation of the lateral calcaneo-cuboid and bifurcate ligaments.
Baumbach SF, Kistler M, Gaube FP, Bartz B, Traxler H, Throckmorton Z, Böcker W, Polzer H.
Foot Ankle Surg. 2022 Dec;28(8):1300-1306. https://doi.org/10.1016/j.fas.2022.06.007
- Lisfranc dislocation fracture: Dynamic examination under anesthesia and minimally invasive stabilization with mini-TightRope®.
Regauer M, Baumbach S, Brumann M, Mutschler W, Polzer H.
Unfallchirurg. 2015 Aug;118(8):727-32. https://doi.org/10.1007/s00113-014-2685-1
Inhalt
Verfasst von Prof. Dr. med. Hans Polzer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach · Zuletzt geprüft am 12.07.2026