Koalitio
Eine Koalitio ist eine angeborene Verbindung zwischen zwei oder mehreren Fußknochen, zwischen denen normalerweise ein Gelenk liegt — knöchern, knorpelig oder bindegewebig. Sie kommt häufiger vor als angenommen: In der wissenschaftlichen Literatur wird eine Prävalenz von etwa 1 bis 2 % angegeben. Viele Betroffene bleiben länger beschwerdefrei. Nicht selten kommt es im jungen Erwachsenenalter dann zu Schmerzen. Führt die konservative Therapie nicht zu einer Besserung der Beschwerden, kann eine Operation erwogen werden. Je nach Ausdehnung kann die Verbindung dann entfernt werden oder das betroffene Gelenk sollte versteift werden.

Definition
Die Koalitio bezeichnet eine Verbindung zwischen zwei oder mehreren Knochen im Bereich des Fußes, die normalerweise nicht vorhanden sein sollte. Eigentlich befindet sich zwischen zwei Knochen eine Gelenkverbindung mit einem Gelenkspalt, die eine Bewegung der Knochen gegeneinander erlaubt. Wenn entlang einer Gelenklinie eine Verbindung besteht, verhindert diese die physiologische Gleitbewegung der beteiligten Knochen und führt zu einer Störung der Fußmechanik. Die anatomische Lokalisation bestimmt die Namensgebung. Besteht die Brücke zwischen dem Sprungbein (lateinisch Talus) und dem Fersenbein (lateinisch Calcaneus), wird diese als Koalitio talocalcanearis bezeichnet. Besteht die Verbindung zwischen dem Fersenbein und dem Kahnbein (lateinisch Os naviculare), wird sie Koalitio calcaneonavicularis genannt. Diese beiden Formen machen etwa neunzig Prozent aller Koalitiones aus. Die Koalitio kann entweder komplett sein, wenn sie die gesamte Gelenkfläche umfasst, oder inkomplett beziehungsweise partiell auftreten.
Beschwerden
Viele Betroffene sind lange Zeit völlig schmerzfrei. Meist kommt es im Verlauf des jungen Erwachsenenalters zu belastungsabhängigen Schmerzen. Darüber hinaus beklagen die Patientinnen und Patienten häufig eine Steifigkeit des Fußes, die sich besonders beim Gehen auf unebenem Gelände bemerkbar macht. Ein weiteres charakteristisches Zeichen ist der rigide Plattfuß, bei dem das Fußgewölbe auch ohne Belastung flach bleibt und die Ferse in einer fixierten Stellung nach außen zeigt. Die Koalitio wird in den meisten Fällen erst mit dem Auftreten von Beschwerden, also meist erst im jungen Erwachsenenalter, erkannt.
Häufigkeit
Die Koalitio kommt wahrscheinlich deutlich häufiger vor als gemeinhin angenommen. In der wissenschaftlichen Literatur wird eine Prävalenz von etwa ein bis zwei Prozent angegeben. Dabei scheinen Jungen beziehungsweise Männer häufiger betroffen als Mädchen beziehungsweise Frauen. In über der Hälfte der Fälle besteht eine Koalitio nicht nur an einem, sondern an beiden Füßen, wobei zunächst meist eine Seite symptomatisch wird. Circa 90% der Koalitios betreffen Fersenbein und Kahnbein oder Fersenbein und Sprungbein. Wesentlich seltener sind beispielsweise Verbindungen zwischen Fersenbein und Würfelbein.
Ursachen
Die Ursache der Koalitio ist primär eine Störung der embryonalen Entwicklung des Fußskelettes. In der frühen Phase der Fetalentwicklung erfolgt eine Trennung der einzelnen Knochenanlagen. Dadurch kommt es zur Entwicklung der Gelenkspalte und Knorpelflächen. Bei einer Koalitio unterbleibt dieser Prozess. Es handelt sich somit nicht um eine sekundäre Fusion von ursprünglich getrennten Knochen, sondern um das Ausbleiben einer primären Trennung.
Klinische Untersuchung
Die klinische Untersuchung stellt den ersten Schritt in der diagnostischen Kette dar. Zunächst erfolgt die Inspektion im Stehen beziehungsweise Gehen. Ein relevantes Zeichen ist der rigide Plattfuß, bei dem das Längsgewölbe des Fußes im Stehen abgeflacht ist und die Ferse eine Knickfußstellung aufweist. Beim flexiblen Plattfuß richtet sich die Ferse im Zehenspitzenstand üblicherweise auf, und knickt dann sogar nach innen. Bei Vorliegen einer Koalitio bleibt dieses Aufrichten aus und die Ferse bleibt nach außen geknickt fixiert. Anschließend wird die Beweglichkeit der einzelnen Gelenke durch passive Bewegung überprüft. Eine schmerzhafte Einschränkung oder ein vollständiges Blockieren dieser Bewegung ist ein Hinweis auf eine Koalitio. Darüber hinaus wird der Fuß auf druckschmerzhafte Punkte untersucht.
Bildgebung
Die bildgebende Diagnostik dient der Sicherung der Diagnose, sowie der genauen anatomischen Klassifizierung. Die Basisdiagnostik bildet das konventionelle Röntgen des Fußes. Allerdings handelt es sich bei der Röntgendiagnostik um eine zweidimensionale Darstellung eines dreidimensionalen Raumes. Entsprechend können die Veränderungen durch Überlagerungen unter Umständen nicht sichtbar sein, oder falsch eingeschätzt werden. Deswegen wird bei Verdacht auf eine Koalitio üblicherweise eine dreidimensionale Darstellung der Knochen mittels Computertomographie oder digitaler Volumentomographie durchgeführt. Mit Hilfe dieser Untersuchungen kann eine knöcherne Koalitio gut dargestellt, und die Ausdehnung der Brücken beurteilt werden. Für den Nachweis von nicht-knöchernen, also fibrösen oder knorpeligen Koalitionen, ist die Magnetresonanztomographie das Mittel der Wahl. Damit können außerdem begleitende Knochenmarködeme darstellt werden, die ein Zeichen für eine aktive mechanische Überlastung der Koalitio sind. Nicht selten kommen sowohl Röntgenaufnahmen, Computertomographie beziehungsweise Digitale Volumentomographie sowie Magnetresonanztomographie zur Beurteilung einer Koalitio zum Einsatz.
Einteilung
Die Einteilung der Koalitionen erfolgt nach der anatomischen Region, der Art des Gewebes der Verbindung, und nach dem Ausmaß der Brückenbildung. Anatomisch werden die Verbindungen nach den beteiligten Knochen benannt, wobei die calcaneonaviculare und die talocalcaneare Koalition die mit Abstand am häufigsten vorkommenden sind. Die Koalitio kann entweder knöcherne sein, es kann sich um eine knorpelige Verbindung handeln, oder es kann eine bindegewebige Verbindung vorliegen. Die Brücken können das gesamte Gelenk oder einen Teil der Gelenkverbindung betreffen. Bei einer partiellen Koalitio wird der Anteil der Brücke im Verhältnis zur gesamten Gelenkbreite berechnet.
Konservative Behandlung
Zunächst erfolgt üblicherweise der Versuch einer konservativen Therapie. Diese zielt auf die Linderung der Schmerzen ab. Da viele Koalitionen nur bei sportlicher Belastung symptomatisch werden, ist eine vorübergehende Einschränkung der Aktivität zunächst sinnvoll. Zur Unterstützung der Fußstatik und zur Reduktion von schmerzhaften Mikrobewegungen werden individuell angepasste Einlagen oder Orthesen eingesetzt, die das Längsgewölbe stützen und den Rückfuß stabilisieren. In Phasen starker Schmerzen kann eine Ruhigstellung in einem speziellen Walker erwogen werden. Unter Umständen lässt sich mit diesen Maßnahmen wieder eine Schmerzfreiheit erreichen. Zusätzlich können Injektionen mit plättchenreichem Plasma oder eine Stoßwellentherapie durchgeführt werden, wobei deren Wertigkeit bislang nicht in wissenschaftlichen Studien eindeutig nachgewiesen werden konnte.
Operative Behandlung
Sollte es mit den konservativen Maßnahmen nicht zu einer zufriedenstellenden Besserung der Beschwerden kommen, sollte eine operative Therapie erwogen werden. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Ansätze. Zum einen kann eine gelenkerhaltende Resektion der Koalitio durchgeführt werden, zum anderen die chirurgische Versteifung des betroffenen Gelenkes. Die Wahl des operativen Verfahrens wird anhand der individuellen Situation der Patienten und des Ausmaßes der knöchernen Veränderungen gemeinsam getroffen. Die gelenkerhaltende Resektion kommt vor allem bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit gering ausgeprägten Koalitionen ohne fortgeschrittene Gelenkschäden zum Einsatz. Im Rahmen der Operation wird die Verbindung entfernt und die Beweglichkeit des Gelenkes, zumindest teilweise, wieder freigegeben. Um ein erneutes Zusammenwachsen zu verhindern, wird nach der Entfernung der Brücke Gewebe in den Spalt eingebracht. Dies kann entweder Fett- oder Muskelgewebe sein oder eine Kollagenmembran. Bei älteren Patientinnen und Patienten, bei fortgeschrittenen Gelenkschäden, oder bei ausgedehnten Koalitionen sollte eine versteifende Operation erwogen werden. Dabei werden die Gelenkflächen des betroffenen Gelenkes entfernt und die Knochen in einer korrekten anatomischen Position meist mit Schrauben fest miteinander verbunden, so dass diese verknöchern können.
Nach der Operation
Unmittelbar nach der Operation stehen die Schmerztherapie und die konsequente Abschwellung des Fußes im Vordergrund. In den ersten zwei Wochen wird der Fuß konsequent hochgelagert, um Wundheilungsstörungen vorzubeugen. Die Art der Nachbehandlung hängt stark vom gewählten Verfahren ab. Nach der Resektion einer Koalitio wird oft eine frühzeitige, schmerzadaptierte Mobilisierung angestrebt. Nach einer Versteifungsoperation ist hingegen eine längere Phase der Entlastung und Ruhigstellung erforderlich. Die Physiotherapie spielt in der Nachbehandlung eine zentrale Rolle. Eine vollständige Genesung und die Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten dauert in der Regel sechs bis zwölf Monate. Schwellungszustände bei starker Belastung können über diesen Zeitraum hinaus auftreten und sind meist Teil des normalen Heilungsprozesses.
Komplikationen
Wie bei jeder Operation kann es zu Komplikationen kommen. Zu den allgemeinen Operationskomplikationen zählen Infektionen, Wundheilungsstörungen sowie das Risiko für Nerven- und Gefäßverletzungen. Nach einer Resektion besteht die Gefahr, dass die Beschwerden nicht vollständig verschwinden, die Koalitio nicht vollständig entfernt wurde oder noch eine Fehlstellung beziehungsweise eine Bewegungseinschränkung besteht. Außerdem kann es zur erneuten Bildung einer Brücke kommen. Bei Versteifungsoperationen besteht das Risiko einer Pseudarthrodese, bei der die Knochen nicht fest zusammenwachsen, was unter Umständen eine erneute Operation erforderlich machen kann.
Ergebnisse
Die meisten Patientinnen und Patienten berichten nach einer Resektion über eine deutliche Besserung der Schmerzen und eine verbesserte Funktion. Aber auch die Versteifung führt meist zu guten Ergebnissen.
Inhalt
Verfasst von Prof. Dr. med. Hans Polzer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach · Zuletzt geprüft am 12.07.2026