Bruch / Fraktur Sprungbein

Eine Talusfraktur ist ein Bruch des Sprungbeines — des Knochens, der Unterschenkel und Fuß verbindet. Unterschieden werden zentrale Brüche an Hals oder Körper von peripheren Brüchen – an den Fortsätzen des Knochens. Die Verletzung ist selten, aber anspruchsvoll: Das Sprungbein ist zu großen Teilen von Knorpel überzogen und wird schlecht durchblutet, weshalb die exakte Wiederherstellung der Gelenkflächen über das Langzeitergebnis entscheidet. Konservativ behandelte Brüche erfordern eine Ruhigstellung und Entlastung über 6 bis 8 Wochen.

Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz versorgen unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten Talusfrakturen — je nach Frakturtyp von konservativ frühfunktionell bis zur offenen Reposition mit exakter Rekonstruktion der Gelenkflächen.

Anatomie

Das Sprungbein, in der medizinischen Fachsprache als Talus bezeichnet, sitzt zwischen dem Schienbein und dem Fersenbein und bildet das zentrale Bindeglied zwischen Unterschenkel und Fuß. Der Talus wird in verschiedene Teile untergliedert: den Kopf, den Hals und den Körper. Eine wesentliche Besonderheit des Talus ist, dass circa 70 Prozent seiner Oberfläche mit Gelenkknorpel überzogen sind. Entsprechend erfolgt seine Blutversorgung über wenige zuführende Gefäße. Werden diese durch ein Trauma oder eine Operation verletzt, kann dies zu einem Absterben von Teilen des Talus führen.

Definition

Eine Talusfraktur bezeichnet einen Bruch des Sprungbeins. Es werden zentrale Frakturen von peripheren Frakturen unterschieden. Die zentralen Brüche betreffen den Hals oder den Körper des Talus. Unter den peripheren Frakturen werden alle anderen Brüche zusammengefasst. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, ob die Fraktur zu einer Verschiebung der Gelenkflächen führt. In besonders schweren Fällen kann der gesamte Talus oder ein Teil davon aus einem der Gelenke auskugeln.

Beschwerden

Patientinnen und Patienten beklagen typischerweise unmittelbar nach dem Unfall starke, akute Schmerzen im Bereich des Sprunggelenks. Begleitend zu den Schmerzen kommt es häufig zu einer raschen und erheblichen Schwellung und im Verlauf zur Ausprägung von Hämatomen (Blutergüssen). In schweren Fällen, insbesondere bei stark verschobenen Brüchen, kann auch eine sichtbare Verformung des Fußes oder des Sprunggelenks auftreten. Das verletzte Bein kann meist nicht mehr belastet werden, und die Beweglichkeit ist stark eingeschränkt.

Allerdings können die Symptome, insbesondere bei peripheren Talusfrakturen, manchmal unspezifisch sein. In diesen Fällen kann die Verletzung fälschlicherweise als eine einfache Verstauchung interpretiert werden.

Ursachen

In der überwiegenden Anzahl der Fälle resultieren Frakturen des Talus aus sogenannten Hochrasanztraumata. Darunter verstehen wir Unfallmechanismen mit einer großen Krafteinwirkung, zum Beispiel Stürze oder Sprünge aus größerer Höhe oder Verkehrsunfälle. Hierbei kommt es meist zu einer direkten, axialen Krafteinleitung auf den Fuß und das Sprunggelenk. Je nach Unfallmechanismus und Krafteinleitung auf das Sprungbein kommt es zu unterschiedlichen Frakturmustern. Seltenere Ursachen sind Niedrigrasanztraumata, wie beispielsweise ein Umknicken.

Klinische Untersuchung

Die Untersuchung beginnt immer mit einer Anamnese, also einer ausführlichen Befragung über den Verletzungsmechanismus, Vorschäden und Ähnliches. Anschließend folgt die klinische Untersuchung. Sie untergliedert sich in die Inspektion, Palpation, Bewegungsprüfung und spezielle Tests. Bei der Inspektion wird auf Schwellungen, Blutergüsse und sichtbare Verformungen im Bereich des Sprunggelenks und des Fußes geachtet. Ein Bluterguss an der Fußsohle ist beispielsweise ein wichtiger Hinweis, dass es zu einer relevanten Verletzung gekommen ist.

Die Palpation, also das Abtasten, sollte systematisch erfolgen. Bei Talusfrakturen ist Druckschmerz im Bereich des Sprunggelenks, unterhalb des Außenknöchels oder im Bereich zwischen Achillessehne und Sprunggelenk zu erwarten. Die Beweglichkeit des Sprunggelenks ist meist eingeschränkt und schmerzhaft. Darüber hinaus muss der neurovaskuläre Status erhoben, also die Durchblutung, Motorik und Sensibilität des Fußes und der Zehen getestet werden. Da Talusfrakturen oft im Rahmen hochenergetischer Traumata auftreten, muss außerdem nach Begleitverletzungen gesucht werden.

Bildgebung

Nach der klinischen Untersuchung sind bildgebende Verfahren unerlässlich. In der Regel wird zuerst eine konventionelle Röntgenaufnahme des Sprunggelenks durchgeführt. Diese Aufnahmen können erste Hinweise auf Frakturlinien und die Gelenkstellung geben. Bei Verdacht auf eine Talusfraktur oder bei einer Diskrepanz zwischen der klinischen Untersuchung – also sehr starken Schmerzen, Schwellungen und Blutergüssen – und der Bildgebung (etwa einer unauffälligen Röntgenaufnahme) sollte eine Computertomographie oder Digitale Volumentomographie durchgeführt werden. Nur so kann eine Fraktur sicher ausgeschlossen bzw. das Ausmaß der Verletzung exakt beurteilt werden. Die Magnetresonanztomographie spielt bei der akuten Talusfraktur eine untergeordnete Rolle und kommt, wenn überhaupt, nur bei wenigen, spezifischen Fragestellungen zur Anwendung.

Einteilung

Die Klassifikation von Talusfrakturen ist entscheidend für die Beurteilung der Schwere der Verletzung und die Planung der Therapie. Sie sollte immer auf einer Computertomographie basieren. Hierfür stehen unterschiedliche Klassifikationen zur Verfügung.

Zentrale Talusfrakturen werden meist nach Hawkins oder Marti klassifiziert. Beide Klassifikationen orientieren sich am Grad der Verschiebung und den betroffenen Gelenken. Bei peripheren Talusfrakturen werden Frakturen des Processus lateralis tali, des Processus posterior tali und des Tuberculum mediale unterschieden. Frakturen des Processus lateralis tali werden auch als ‚Snowboarder’s Fracture‘ bezeichnet.

Akutbehandlung

Die Behandlung einer Talusfraktur hängt entscheidend vom Frakturtyp und dem Ausmaß der Verschiebung ab. Das primäre Ziel der Behandlung – sei es konservativ oder operativ – ist die Wiederherstellung der Gelenkfunktion.

Im Rahmen der initialen Notfallversorgung muss sichergestellt werden, dass keine Luxation der beteiligten Gelenke vorliegt, also des oberen Sprunggelenks, des Subtalargelenks und des Talonavikulargelenks, und dass der Talus grob reponiert ist. Wann immer eine Dislokation vorliegt, muss diese zeitnah reponiert werden. Anschließend erfolgt eine Ruhigstellung von Fuß und Sprunggelenk.

Konservative Behandlung

Die konservative Therapie kommt infrage, wenn die Fraktur nicht verschoben ist und die Gelenkflächen perfekt ausgerichtet sind. Ob zentrale Talusfrakturen – auch wenn sie nicht verschoben sind – konservativ behandelt werden können, wird kontrovers diskutiert. Sofern keine Kontraindikationen vorliegen, führen wir in der Regel bei Korpus- und Halsfrakturen eine prophylaktische Stabilisierung durch.

Bei peripheren Talusfrakturen kann die Indikation zur konservativen Therapie großzügiger gestellt werden. Die Behandlung besteht in den meisten Fällen aus einer Ruhigstellung des Sprunggelenks und Fußes in einem Gips oder Walker sowie einer Entlastung für 6 bis 8 Wochen. Schlussendlich ist sowohl die Entscheidung zur konservativen als auch zur operativen Therapie eine gemeinsame Entscheidung zwischen Ihnen und Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.

Operative Behandlung

Die Mehrheit der Talusfrakturen erfordert eine Operation. Das Ziel des Eingriffs ist die anatomische Reposition der Fraktur und die Wiederherstellung der Gelenkflächen. In den meisten Fällen erfolgt eine offene Reposition und interne Fixierung (ORIF). Darunter versteht man, dass die gebrochenen Knochenfragmente unter direkter Sicht in ihre anatomisch korrekte Position gebracht werden.

Anschließend erfolgt die Fixierung mittels Schrauben oder, in selteneren Fällen, mittels Platten. Das operative Ergebnis sollte mittels einer Computertomographie oder einer digitalen Volumentomographie überprüft werden. Nur so kann die anatomische Reposition der Fraktur zweifelsfrei sichergestellt werden.

Nach der Operation

Nach der Operation beginnt die wichtige Phase der Heilung und Rehabilitation. Unmittelbar nach dem Eingriff wird der Fuß zur Reduktion der Schwellung hochgelagert und gekühlt. Meist erfolgt zunächst eine Ruhigstellung in einer Schiene. Nach erfolgreicher Wundheilung und dem Fadenzug liegt der Fokus auf der frühfunktionellen Nachbehandlung.

Das Ziel ist es, die Beweglichkeit des Sprunggelenks zu erhalten und einer Versteifung vorzubeugen, ohne den Heilungsprozess der Fraktur zu gefährden. In den meisten Fällen darf das verletzte Bein für sechs bis acht Wochen nicht oder nur minimal belastet werden. Nach Ablauf dieses Zeitraums erfolgt der schrittweise Übergang zur Vollbelastung, der Muskelaufbau und das Wiedererlernen eines runden Gangbilds. Die Genesung ist ein langwieriger Prozess, der oft viele Monate andauert.

Komplikationen

Trotz modernster Behandlungsmethoden bleibt die Talusfraktur eine Verletzung mit einer hohen Rate an potenziellen Komplikationen. In der frühen Phase – den ersten Wochen – sind die häufigsten Komplikationen eine suboptimale Reposition der Fraktur, Fehllagen von Schrauben sowie Wundheilungsstörungen.

Im mittelfristigen Verlauf können eine Pseudarthrose (ein nicht verheilender Knochenbruch), Bewegungseinschränkungen oder eine avaskuläre Nekrose auftreten. Bei der avaskulären Nekrose handelt es sich um das teilweise oder vollständige Absterben des Sprungbeins infolge der gestörten Blutversorgung. Im längerfristigen Verlauf kann es zudem zu einer posttraumatischen Arthrose des betroffenen Gelenks kommen.

Ergebnisse

Die langfristige Prognose nach einer Talusfraktur wird von mehreren Faktoren bestimmt. Zu diesen gehören vor allem die Art und Schwere der Verletzung sowie die Qualität der operativen Versorgung. Allerdings leiden viele Patientinnen und Patienten auch nach einer erfolgreichen operativen oder konservativen Behandlung an anhaltenden Schmerzen, Steifigkeit und Schwellungen im Bereich des Sprunggelenks. Entsprechend schwer ist es, pauschal eine Aussage über die Behandlungsergebnisse nach Talusfrakturen zu treffen.

Unsere Referenzen und Publikationen

Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:

Inhalt

Verfasst von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Hans Polzer · Zuletzt geprüft am 12.07.2026