Entzündung Achillessehne
Eine Achillessehnen-Tendinopathie ist meist eine Überlastungsreaktion der Sehne: Sie wird schmerzhaft, steif und in ihrer Belastbarkeit eingeschränkt. Unterschieden wird die Tendinopathie am Sehnenansatz an der Ferse von der ansatzfernen Form im mittleren Sehnendrittel. Im Zentrum steht die konservative Therapie mit einem strukturierten Belastungsaufbau und intensiven Dehnungsübungen ggf. in Kombination mit einer Stosswellentherapie; sie braucht Geduld, führt aber in den meisten Fällen zum Ziel.
Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz behandeln unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten Achillessehnen-Tendinopathie wann immer möglich konservativ. Falls eine Operation notwendig ist, kann diese meist minimalinvasiv durchgeführt werden.

Definition
Unter einer Achillessehnen-Tendinopathie versteht man eine Reaktion auf Überlastung, bei der die Achillessehne schmerzhaft, steif und in ihrer Funktion eingeschränkt ist. Es gibt zwei Hauptformen: Zum einen die sogenannte Ansatzferne Tendinopathie, bei der der mittlere Bereich der Sehne betroffen ist, und zum anderen die Ansatznahe Tendinopathie, bei der der Sehnenansatz am Fersenbein betroffen ist. Diese Unterscheidung ist für die spätere Behandlung wichtig.
Beschwerden
Viele Betroffene berichten vor allem morgens nach dem Aufstehen über Schmerzen an der Achillessehne. Beschwerden können aber auch während und nach längerer Belastung auftreten. Wenn die Problematik über längere Zeit besteht, sind Schmerzen auch in Ruhe oder im Alltag möglich. Bei der Ansatzfernen Tendinopathie befinden sich die Schmerzen typischerweise in der Mitte der Sehne. Häufig lässt sich hier auch eine tastbare Verdickung feststellen. Anders ist es bei der Ansatznahen Tendinopathie: Die Schmerzen sitzen dann direkt am Übergang zwischen Sehne und Fersenbein.
Häufigkeit
Die Achillessehnen-Tendinopathie ist weit verbreitet und betrifft nicht nur sportlich aktive Menschen. Besonders häufig sind Läufer und Läuferinnen betroffen, aber auch Personen, die beruflich stark körperlich gefordert sind. Männer erkranken häufiger als Frauen, meist treten die Beschwerden im Alter zwischen 30 und 50 Jahren auf. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko weiter an.
Ursachen
In den meisten Fällen kommt es durch eine Kombination mehrerer Faktoren zu einer Tendinopathie. Häufige Auslöser sind eine dauerhafte Überlastung der Sehne – etwa durch zu rasche Steigerung des Trainingspensums oder aufgrund einer verkürzten Wadenmuskulatur. Es handelt sich dabei nicht um eine einzelne Verletzung, sondern um die Folge vieler kleiner Schädigungen, sogenannter Mikrotraumata, also der wiederholten Überlastung der Sehne. Auch Fehlstellungen des Fußes, entzündlich-rheumatische Erkrankungen oder bestimmte Medikamente (z. B. einige Antibiotika) können eine Ursache sein.
Klinische Untersuchung
Am Anfang jeder Diagnostik steht das Gespräch mit Ihnen – die sogenannte Anamnese – und eine genaue körperliche Untersuchung. Dabei wird Ihre Achillessehne abgetastet, um schmerzhafte Stellen, Schwellungen oder Verdickungen zu erkennen. Wichtig ist dabei auch die Unterscheidung, ob es sich um eine Ansatzferne oder eine Ansatznahe Tendinopathie handelt. Außerdem wird geprüft, wie beweglich Ihr Sprunggelenk ist und ob die Wadenmuskulatur verkürzt oder geschwächt ist.
Bildgebung
Um die Diagnose zu sichern und das Ausmaß der Sehnenveränderung zu beurteilen, werden bildgebende Verfahren eingesetzt. Ein Ultraschall ist schnell und erlaubt eine erste Aussage. Damit lassen sich Veränderungen wie Verdickungen, Verkalkungen oder Flüssigkeitsansammlungen in und um die Sehne darstellen. Auch zur Kontrolle des Heilungsverlaufs ist der Ultraschall sehr hilfreich.
Eine Magnetresonanztomographie erlaubt noch detailliertere Einblicke – besonders, wenn es um Entzündungen im umliegenden Gewebe geht. Wenn knöcherne Veränderungen am Fersenbein vermutet werden, können Röntgen, Computertomographie oder eine Digitale Volumentomographie sinnvoll sein.
Einteilung
Neben der Unterscheidung in Ansatzferne- und Ansatznahe Tendinopathie spielt auch die Dauer der Beschwerden eine Rolle. Man spricht von einer akuten Form, wenn die Symptome erst seit kurzer Zeit bestehen, und von einer chronischen Form, wenn sie länger andauern.
Gerade bei der ansatznahen Tendinopathie ist es wichtig, alle Veränderungen genau zu erfassen. So können sowohl Verkalkungen oder Knochenausziehungen wie beispielsweise die sogenannte Haglund-Exostose als auch Reizungen von Weichteilen wie Schleimbeuteln oder degenerative Veränderungen der Sehne selbst eine Rolle spielen.
Konservative Behandlung
Zunächst empfehlen wir immer eine konservative Behandlung über mindestens drei Monate. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern und die Sehne zu entlasten. Das bedeutet vor allem: das richtige Schuhwerk, Reduktion belastender Aktivitäten, gezielte Dehnungs- und Kräftigungsübungen, eine Bandage oder spezielle Einlagen. Nur bei sehr starken Schmerzen kann vorübergehend eine Ruhigstellung in einem Spezialschuh nötig sein.
Exzentrische Dehnungsübungen
Die Dehnungsübungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Die genaue Bezeichnung der Übungen lautet konzentrische und exzentrische Dehnungsübungen. Bei konzentrischen Dehnungsübungen wird die Muskulatur, wie hier im Bild dargestellt, aufgedehnt. Bei exzentrischen Dehnungsübungen wird zusätzlich die Wadenmuskulatur gekräftigt. Zum Beispiel stehen Sie mit dem Fußballen auf einer Stufe und lassen die Ferse unter die Stufe absinken. Anschließend wird die Ferse wieder über das Niveau der Stufe angehoben. Diese Übungen sollten fünf- bis zehnmal täglich für jeweils drei bis fünf Minuten durchgeführt werden, über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten. Zur Anleitung sollten Sie eine Phyiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten sehen.
Spezielle konservative Maßnahmen bei der ansatzfernen Tendinopathie
Bei der ansatzfernen Tendinopathie bilden sich oft neue kleine Blutgefäße, auch Neovaskularisation genannt, im schmerzhaften Bereich. Neben den Blutgefäßen wachsen auch schmerzempfindliche Nerven ein. Zeigt der Ultraschall solche Veränderungen, kann eine Verödungstherapie helfen. Dabei wird unter Ultraschallkontrolle ein Medikament, Polidocanol, an die betroffenen Gefäße gespritzt, um diese gezielt zu veröden.
Spezielle konservative Maßnahmen bei der ansatznahen Tendinopathie
Bei der ansatznahen Form kann zusätzlich eine Stoßwellentherapie helfen. Wenn diese nicht ausreicht, kann eine Injektion mit plättchenreichem Plasma (PRP) in Erwägung gezogen werden. PRP enthält körpereigene Wachstumsfaktoren und kann die Heilung unterstützen.
Operative Behandlung
Eine Operation sollte nur dann durchgeführt werden, wenn nach mindestens 3, besser 6 Monaten intensiver konservativer Therapie keine ausreichende Besserung eintritt. Die Operation bei ansatzferner Tendinopathie ist intensiv diskutiert. Dabei wird die verdickte Sehne chirurgisch gesäubert, das krankhafte Gewebe entfernt und die Sehne anschließend wieder vernäht. Für die ansatzferne Tendinopathie zeigen Operationen meist gute Ergebnisse. Es gibt drei verschiedene Verfahren: das minimalinvasive endoskopische Debridement, das offene Debridement und die Zadeck Osteotomie.
Operative Behandlung Endoskopisch
Beim minimalinvasiven endoskopischen Debridement wird das krankhafte Gewebe im Bereich vor der Sehne minimalinvasiv entfernt. Dies geschieht endoskopisch. Dabei werden über zwei kleine Schnitte neben der Achillessehne eine Stabkamera und Arbeitswerkzeug eingebracht.
Operative Behandlung Offen
Beim offenen Debridement wird die Haut über der Achillessehne auf einer Länge von circa 5 bis 8 Zentimeter eröffnet. Anschließend wird die Achillessehne türflügelartig von Ihrem Ansatz abgelöst und sämtliche Pathologien werden entfernt. Je nachdem wie weit die Achillessehne abgelöst werden musste, kann eine Refixation mittels Knochenankern notwendig werden. Abschließend wird die Sehne vernäht und die Wunde verschlossen.
Operative Behandlung Zadeck Osteotomie
Bei der Zadek-Osteotomie wird ein Keil aus dem Fersenbein entfernt, um die Sehne zu entlasten. Diese Technik befindet sich aktuell noch in der wissenschaftlichen Bewertung.
Wie finden wir die richtige Operation für Sie?
Um das passende Verfahren für Sie zu wählen, führen wir zuvor in den meisten Fällen eine Testinjektion mit einem Betäubungsmittel durch. Führt diese zur Schmerzlinderung, ist ein endoskopischer Eingriff meist ausreichend.
Nach der Operation
Nach einer Operation ist Schonung sehr wichtig. In den ersten zwei Wochen sollte das operierte Bein möglichst hochgelagert werden. In dieser Zeit erhalten Sie eine Schiene. Die weitere Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Operation. Nach der endoskopischen Operation dürfen Sie anschließend schrittweise, begleitet durch die Physiotherapie, aufbelasten ohne Ruhigstellung. Nach der offenen Operation und der Zadek Osteotomie erhalten Sie für sechs Wochen einen Stiefel. Entscheidend für den weiteren Heilungserfolg ist unter anderem die Physiotherapie. Die Rehabilitation dauert insgesamt mehrere Monate und erfordert Geduld und aktive Mitarbeit – doch sie ist entscheidend für ein gutes Ergebnis.
Komplikationen
Wie bei jeder Operation bestehen auch hier Risiken. Dazu gehören allgemeine Risiken wie Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Verletzungen von Nerven und Blutgefäßen. Spezielle Risiken sind unter anderem das Fortbestehen der Schmerzen, ein möglicher Riss der Sehne oder Probleme mit der Narbe. Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Ärztin wird Sie darüber ausführlich aufklären.
Ergebnisse
Die gute Nachricht: Die meisten Patientinnen und Patienten profitieren deutlich von einer gezielten Therapie – vor allem, wenn frühzeitig damit begonnen wird. Ihre Mitarbeit ist dabei ein entscheidender Faktor. Die in der Physiotherapie gelernten Übungen sollten Sie regelmäßig und konsequent selbständig durchführen. Auch nach einer Operation sind die Erfolgsaussichten gut, auch wenn die Genesung länger dauern kann. In mehreren wissenschaftlichen Studien konnten wir eine deutliche Besserung der Lebensqualität und Funktion nach operativer Therapie nachweisen. Eine vollständige Beschwerdefreiheit ist aber nicht in jedem Fall garantiert. Nichts desto trotz ist es unser Ziel eine Verbesserung Ihrer Lebensqualität zu erreichen.
Unsere Referenzen und Publikationen
Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:
- Outcomes of Revision surgery for surgically treated insertional Achilles tendinopathy.
Hörterer H, Oppelt S, Pfahl K, Harrasser N, Böcker W, Polzer H, Walther M, Baumbach SF.
Arch Orthop Trauma Surg. 2024 Dec 16;145(1):52. https://doi.org/10.1007/s00402-024-05693-9
- Recurrence rates for surgically treated insertional Achilles tendinopathy.
Hörterer H, Oppelt S, Harrasser N, Gottschalk O, Böcker W, Polzer H, Walther M, Baumbach SF.
Arch Orthop Trauma Surg. 2024 Mar;144(3):1021-1027. https://doi.org/10.1007/s00402-023-05155-8
- Patient-Reported Outcomes of Surgically Treated Insertional Achilles Tendinopathy.
Hörterer H, Oppelt S, Böcker W, Gottschalk O, Harrasser N, Walther M, Polzer H, Baumbach SF.
Foot Ankle Int. 2021 Dec;42(12):1565-1569. https://doi.org/10.1177/10711007211023060
- Do pre-operative radiologic assessment predict postoperative outcomes in patients with insertional Achilles tendinopathy? A retrospective database study.
Baumbach SF, Hörterer H, Oppelt S, Szeimies U, Polzer H, Walther M.
Arch Orthop Trauma Surg. 2022 Nov;142(11):3045-3052. https://doi.org/10.1007/s00402-021-03897-x
- Complications Associated With Midline Incision for Insertional Achilles Tendinopathy.
Hörterer H, Baumbach SF, Oppelt S, Böcker W, Harrasser N, Walther M, Polzer H.
Foot Ankle Int. 2020 Dec;41(12):1502-1509. https://doi.org/10.1177/1071100720943836
- Insertional Achilles tendinopathy: Differentiated diagnostics and therapy.
Baumbach SF, Braunstein M, Mack MG, Maßen F, Böcker W, Polzer S, Polzer H.
Unfallchirurg. 2017 Dec;120(12):1044-1053. https://doi.org/10.1007/s00113-017-0415-1
Inhalt
Verfasst von Prof. Dr. med. Hans Polzer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach · Zuletzt geprüft am 12.07.2026