Pes planovalgus (Knick-Senk-Fuß)
Beim Knick-Senk-Fuß flacht das Längsgewölbe ab und die Ferse kippt nach außen. Die Fehlstellung ist häufig: Schätzungen gehen davon aus, dass in westlichen Industrieländern über 20 % der Bevölkerung betroffen sind. Viele haben damit keine Beschwerden. Entwickelt sich die Fehlstellung im Erwachsenenalter neu oder verschlechtert sie sich, steckt oft eine Insuffizienz der Tibialis-posterior-Sehne dahinter. Am Anfang stehen Einlagen und gezieltes Training — ob sie helfen, lässt sich erst nach etwa 12 Wochen konsequenten Tragens beurteilen. Führt dies nicht zur Besserung der Beschwerden kann eine Operation diskutiert werden.
Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz behandeln unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten den Knick-Senk-Fuß differenziert und stadiengerecht — von Einlagen und gezieltem Training bis zur minimalinvasiven operativen Korrektur.

Definition
Die Definition der Progressive Collapsing Foot Deformity umfasst eine komplexe, dreidimensionale Fehlstellung des Fußes und des Sprunggelenkes. Der im Volksmund bekannte Begriff „Plattfuß“ oder der medizinisch gebräuchliche „Pes planovalgus“ beschreibt lediglich die sichtbare Endstrecke eines Prozesses, der alle drei Ebenen des Raumes betrifft. Von hinten zeigt sich ein verstärkter Rückfußvalgus, das bedeutet, dass die Ferse gegenüber der Achse des Unterschenkels nach außen abknickt. Den Fuß von oben betrachtet kommt es zu einer Abduktion des Vor- und Mittelfußes, wobei der vordere Teil des Fußes im Verhältnis zum Rückfuß nach außen wandert. Von der Innenseite gesehen kommt es zum Absinken des medialen Längsgewölbes. Die verschiedenen Fehlstellungen können in unterschiedlicher Ausprägung auftreten.
Beschwerden
Die Beschwerden können vielfältig sein und verändern sich typischerweise mit dem Fortschreiten der Erkrankung. In den frühen Stadien klagen die Patientinnen und Patienten meist über Schmerzen und Schwellungen an der Innenseite des Fußes und des Knöchels, unmittelbar hinter und unter dem Innenknöchel. Diese Schmerzen resultieren aus einer Entzündung oder Überlastung der Tibialis-posterior-Sehne und des Pfannenbandes. Die Betroffenen bemerken oft eine rasche Ermüdung der Fußmuskulatur bei längeren Gehstrecken oder beim Stehen auf hartem Untergrund. Meist ist der Zehenspitzenstand schmerzhaft. Mit zunehmender Fehlstellung und dem weiteren Einknicken der Ferse verlagert sich das Schmerzgeschehen häufig von der Innen- zur Außenseite des Fußes. Dieses kann dadurch bedingt sein, dass das Fersenbein aufgrund der zunehmenden Fehlstellung gegen die Spitze des Außenknöchels drückt. Nicht selten besteht auch ein Gefühl der Instabilität, als ob der Fuß „nach innen wegsackt“. Im weiteren Verlauf kann die Fehlstellung so ausgeprägt sein, dass das Tragen von Konfektionsschuhen kaum mehr möglich ist. Im Endstadion kann es zur Arthrose und Schmerzen im Sprunggelenk kommen.
Häufigkeit
Die Häufigkeit des Knicksenkfußes ist hoch. Schätzungen gehen davon aus, dass in westlichen Industrieländern über zwanzig Prozent der Bevölkerung eine solche Fehlstellung aufweisen. Ab dem vierzigsten Lebensjahr steigt das Risiko an.
Ursachen
Die Ursachen sind komplex und bestehen wahrscheinlich aus biomechanischen, anatomischen und biologischen Faktoren. Im Zentrum steht das Versagen der Strukturen, die das mediale Längsgewölbe aktiv und passiv stabilisieren. Die Tibialis-posterior-Sehne ist dabei der wichtigste aktive Stabilisator. Degenerative Veränderungen dieser Sehne können den Prozess starten. Kommt es dann aufgrund der resultierenden Überlastung zum Versagen der passiven Stabilisatoren, dem Pfannenband und Innenband, sinkt das Sprungbein nach innen und unten ab, was den mechanischen Kollaps einleitet.
Risikofaktoren für das Entstehen eines Pes planovalgus scheinen Übergewicht, Diabetes mellitus, rheumatologische Erkrankungen oder genetische Faktoren zu sein. Die genauen Ursachen sind noch nicht abschließend geklärt.
Klinische Untersuchung
Die klinische Untersuchung ist der erste Schritt zur Diagnose. Zunächst wird erfragt, seit wann die Beschwerden bestehen und ob sich die Fußform im Verlauf verändert hat. Bei der Inspektion sollten der Unterschenkel und beide Füße unter Belastung von allen Seiten betrachtet werden. Dabei wird auf die verschiedenen Aspekte der Fehlstellung in allen drei Dimensionen geachtet. Wenn die Sehne des Musculus tibialis posterior noch eine Funktion aufweist, sollte sich im Zehenspitzenstand die Ferse aufrichten. Anschließend wird untersucht, ob die Tibialis-posterior-Sehne druckschmerzhaft ist und ob die Fehlstellung passiv korrigiert werden kann. Außerdem erfolgt eine Untersuchung des Sprunggelenkes und der Wadenmuskulatur.
Bildgebung
In der Folge werden meist Röntgenaufnahmen angefertigt. Nur belastete Aufnahmen spiegeln die tatsächliche funktionelle Anatomie wider. Dabei werden die verschiedenen Komponenten der Fehlstellung objektiviert. Anhand der Röntgenbilder werden verschiedene Messungen in unterschiedlichen Ebenen durchgeführt, um die dreidimensionale Fehlstellung zu quantifizieren.
Eine moderne Alternative stellt die Digitale Volumentomographie dar. Nur diese erlaubt eine tatsächlich dreidimensionale Darstellung der Fehlstellung unter Belastung.
Mit der Magnetresonanztomographie können degenerative Veränderungen und Schäden in der Sehne des Muskulus tibialis posterior, des Innenband- und Pfannenbandkomplexes, sowie des Gelenkknorpels beurteilt werden.
Einteilung
Die Einteilung des Knicksenkfußes wurde im Jahr 2020 grundlegend überarbeitet, um der Komplexität der Erkrankung besser gerecht zu werden. Die Deformität wird für jeden betroffenen Bereich separat in flexibel oder rigide eingeteilt. Flexibel bedeutet, dass die Fehlstellung noch mit der Hand korrigiert werden kann. Rigide bedeutet, dass die Fehlstellung nicht mir in die normale Form gebracht werden kann.
Konservative Behandlung
Die konservative Therapie sollte immer der erste Schritt sein. Ziel bei flexiblen Fehlstellungen ist es, die belasteten Strukturen, also zum Beispiel die Sehne des Muskulus tibialis posterior, Innenband- bzw. Pfannenbandkomplex zu entlasten. Dies erfolgt über Einlagen, die speziell für Sie angepasst werden und die das Fußlängsgewölbe anheben sollen. Ob die Einlagen zu einer Besserung der Beschwerden führen, lässt sich erst nach etwa 12 Wochen des konsequenten Tragens abschätzen. Zusätzlich sollten Sie im Rahmen der Physiotherapie Übungen erlernen, um den Muskulus tibialis posterior zu kräftigen.
Bei rigiden Fehlstellungen hat die konservative Therapie das Ziel, die Fußsohle weich zu betten, um so Druckspitzen aufgrund der Fehlstellung zu entlasten. Dies kann durch Einlagen oder speziell angepasste Schuhe erfolgen.
Operative Behandlung
Wenn die konservative Therapie nicht zu einer ausreichenden Besserung führt oder wenn die Deformität rasch voranschreitet, ist eine operative Therapie zu erwägen. Für die Planung einer Operation werden die einzelnen Komponenten der Fehlstellung analysiert und für jede einzelne das geeignete Verfahren identifiziert.
Grundsätzlich können, solange die Fehlstellungen noch flexibel sind, gelenkerhaltende Verfahren eingesetzt werden. Ein wesentlicher Baustein der gelenkerhaltenden Operationen ist die Kalkaneusverschiebeosteotomie. Dabei wird das Fersenbein durchtrennt, nach innen verschoben und in korrigierter Stellung wieder verschraubt. Zusätzlich kann es notwendig sein, die Tibialis-posterior-Sehne durch die Sehne des langen Zehenbeugers zu ersetzen. Je nach Abweichen des Vorfußes kann eine Verlängerung der äußeren Fußsäule sinnvoll sein und gegebenenfalls eine Verlängerung der Achillessehne erwogen werden. Ein neueres Verfahren ist das Einbringen eines Platzhalters zwischen dem Sprung- und Fersenbein.
Ist die Fehlstellung fixiert, oder bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß kommen korrigierende Versteifungen zum Einsatz. Welche Gelenke versteift werden hängt von der Lokalisation der Fehlstellung und dem Gelenkverschleiß ab. Das untere Sprunggelenk und das Gelenk zwischen Sprungbein und Kahnbein müssen in den meisten Fällen angegangen werden. Manchmal wird zusätzlich das Gelenk zwischen Fersenbein und Würfelbein fixiert.
Die exakte Planung hängt entscheidend von Ihrer individuellen Fehlstellung ab.
Nach der Operation
Die postoperative Nachbehandlung ist ein entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg und erfordert viel Mitarbeit von Ihnen. Unmittelbar nach dem Eingriff wird der Fuß zur Reduktion der Schwellung hochgelagert und gekühlt. Dies ist besonders wichtig bis zum Abschluss der Wundheilung, das bedeutet mindestens bis zum Fadenzug. Üblicherweise erfolgt zunächst eine Ruhigstellung in einer Schiene. In den meisten Fällen darf das verletzte Bein für sechs bis acht Wochen nicht oder nur minimal belastet werden. Nach Ablauf dieses Zeitraums erfolgt der schrittweise Übergang zur Vollbelastung, der Muskelaufbau und das Wiedererlernen eines runden Gangbilds. Aufgrund der Komplexität der knöchernen Korrekturen und der Sehnentransfers ist eine mehrmonatige Rehabilitationsphase einzuplanen. Ihre Mitarbeit ist entscheidend!
Komplikationen
Die operative Korrektur des Pes planovalgus ist ein anspruchsvoller Eingriff mit allgemeinen und speziellen Risiken. Allgemeine Komplikationen können Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Schäden an Nerven und Gefäßen sein. Die speziellen Risiken hängen stark davon ab, welche Eingriffe konkret bei Ihnen geplant sind. Einige davon sind das Ausbleiben der knöchernen Heilung an einer Knochenverschiebung oder Versteifung, Über- oder Unterkorrektur. Die verwendeten Implantate können mechanisch irritieren und eine spätere Entfernung notwendig machen. Auch bei gutem Korrekturergebnis kann es zu einem erneuten Auftreten der Fehlstellung kommen. Das Hauptziel der Operation ist eine Schmerzreduktion. Allerdings kann diese und auch die Wiederherstellung eines normalen Fußes nicht garantiert werden.
Ergebnisse
Die Ergebnisse der chirurgischen Behandlung des Pes planovalgus sind bei korrekter Indikationsstellung in der Regel gut. In den meisten Fällen kommt es zu einer Verbesserung der Lebensqualität und der Funktion, sowie einer Reduktion der Beschwerden. Allerdings können nicht immer die Funktion wie bei der schmerzfreien Allgemeinbevölkerung erreicht werden.
Inhalt
Verfasst von Prof. Dr. med. Hans Polzer
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach · Zuletzt geprüft am 12.07.2026