Außenbandverletzung – akut

Eine akute Außenbandverletzung entsteht fast immer durch ein Umknicken, bei dem der Fuß nach innen kippt. Sprunggelenkverletzungen gehören zu den häufigsten Verletzungen des Bewegungsapparates, und die Außenbandverletzung ist dabei die häufigste Verletzungsfolge. Behandelt wird sie in aller Regel konservativ: Bei einer instabilen Verletzung sollte eine Sprunggelenks-Orthese für 6 Wochen Tag und Nacht getragen werden, mit Physiotherapie kann bereits nach 2 bis 4 Wochen begonnen werden. Eine Operation ist im Akutfall nur selten erforderlich.

Bei OrthoPlus München am Lenbachplatz legen unsere Sprunggelenk- und Fußspezialisten bei akuten Außenbandverletzung einen besonderen Stellenwert auf die Diagnostik. Die Therapie ist in den allermeisten Fällen konservativ mittels Orthesenversorgung und einer strukturierten Nachbehandlung - nur so kann eine chronische Instabilität verhindert werden.

Anatomie

Der Außenbandkomplex befindet sich an der Außenseite des Sprunggelenks. Er setzt sich aus drei Anteilen zusammen. Das vordere Außenband, medizinisch Ligamentum fibulotalare anterius – kurz LFTA, das mittlere Außenband, das Ligamentum fibulocalcaneare – LFC und das hintere Außenband, das Ligamentum fibulotalare posterius – LFTP. Das LFTA verhindert ein Vorwärtsgleiten des Sprungbeins, das LFC ein Aufklappen nach außen. Das LFTP ist nur in ganz seltenen Fällen verletzt. Daher konzentrieren wir uns im Folgenden auf die sehr häufigen Verletzungen des LFTA und LFC. Neben der Aufgabe der mechanischen Stabilisierung haben die Außenbänder auch eine wichtige sensorische Aufgabe. Sie sind für die Tiefenwahrnehmung, die Propriozeption, verantwortlich. Sie sind, ähnlich wie Dehnungsstreifen – Sensoren, welche die Stellung des Fußes im Verhältnis zum Unterschenkel messen. Dies erlaubt das sichere Gehen auf unebenen Untergrund.

Definition

Eine Verletzung der Außenbänder resultiert in den allermeisten Fällen aus einem einfachen Umknicken. Typischerweise kippt der Fuß dabei nach innen und es kommt zu einer Verletzung der Außenbänder. Unterschieden wird, ob ein Band nur gezerrt oder gerissen ist, und welche Bänder verletzt sind. Die meisten Außenbandverletzungen betreffen das vordere Außenband. Das nächste Band, das verletzt wird, ist das mittlere. Eine Ruptur des hinteren Außenbandes ist sehr selten.

Beschwerden

Meist kommt es direkt nach dem Umknicken zu stark einschießenden Schmerzen. Teilweise wird auch über ein hörbares Reißen berichtet. Die Schmerzen treten verstärkt bei Belastung und Bewegung des Sprunggelenks auf. Meist entwickelt sich schnell eine sichtbare Schwellung im Bereich des Außenknöchels. Im Verlauf zeigt sich auch ein Bluterguss, der Richtung Fußsohle auslaufen kann. Die weitere Entwicklung der Schmerzen richtet sich nach der Schwere der Verletzung. Patienten und Patientinnen mit einer leichteren Verletzung können meist nach wenigen Tagen wieder relativ schmerzfrei gehen. Bei schweren Verletzungen können Einschränkungen beim Gehen über mehrere Wochen auftreten.

Häufigkeit

Sprunggelenkverletzungen gehören zu den häufigsten Verletzungen des Bewegungsapparates. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um eine Außenbandverletzung. Geschätzt kommt es zu etwa 8000 Außenbandverletzungen pro Tag in Deutschland. Betroffen sind vor allem aktive Menschen, wobei Sport ein besonderer Risikofaktor ist.

Ursachen

Die Ursache ist üblicherweise eine Umknickverletzung. Besonders gefährlich sind Sportarten, die schnelle Richtungswechsel, beinhalten, wie Fußball, Tennis, Handball, Volleyball oder Basketball. Weitere Risikofaktoren sind ein unebener Untergrund, z.B. Kopfsteinpflaster oder Waldwege, hohes Schuhwerk oder eine vorbestehende Instabilität des Sprunggelenks.

Klinische Untersuchung

Die Diagnose einer akuten Außenbandverletzung beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Gespräch, der sogenannten Anamnese. Hierbei wird genau erfragt, wie die Verletzung zustande kam, wo die Schmerzen lokalisiert sind, ob das Auftreten auf dem betroffenen Fuß noch möglich ist und ob bereits frühere Verletzungen oder Instabilitäten an diesem Fuß bestanden.

Anschließend folgt die körperliche Untersuchung, bei der das Sprunggelenk genau inspiziert und abgetastet wird. Bei Außenbandverletzungen sind Schwellung und Druckschmerz typischerweise um den Außenknöchel lokalisiert. Erhärtet sich der Verdacht, kommen spezielle Funktionstests zur Anwendung. Essenziell ist die Testung der Stabilität. Dazu gehören der vordere Schubladentest und der Talus-Kipptest. 

Stabilität

Beim vorderen Schubladentest wird die Stabilität des LFTA geprüft. Dabei wird der Fuß gegenüber dem Unterschenkel nach vorne geschoben. Ein im Seitenvergleich vermehrter Vorschub des Sprungbeines nach vorne ist beweisend für eine Ruptur oder Insuffizienz des Bandes. Der Talus-Kipptest beurteilt die Stabilität des LFC. Das Sprunggelenk wird dabei nach innen gekippt. Zeigt sich hier eine vermehrte Aufklappbarkeit  im Seitenvergleich, weist dies eine Ruptur des LFC nach. Diese Funktionstests können in der Aktuphase, also in den ersten Tagen nach dem Trauma, aufgrund von Schmerzen teilweise nur eingeschränkt durchgeführt werden. In diesen Fällen sollte die Untersuchung im Verlauf wiederholt werden.

Begleitverletzungen

Häufig kann es im Rahmen des Umknicktraumas zu Begleitverletzungen kommen. Hierzu zählen Knochen-Knorpelschäden im Gelenk, Verletzungen der Syndesmose oder des Innenbandkomplexes, sowie Schäden an den Peronealsehnen. Entsprechend muss bei der klinischen Untersuchung darauf geachtet werden, ob Hinweise für Begleitverletzungen vorliegen.

Bildgebung

Die klinische Untersuchung lenkt die weitere apparative Diagnostik. Sollte der Verdacht auf eine Fraktur vorliegen, muss eine Röntgenuntersuchung durchgeführt werden. Bei einer deutlichen Diskrepanz zwischen der klinischen Untersuchung und dem Röntgenbefund sollte eine weiterführende Schnittbildgebung, also entweder eine Magnetresonanztomographie oder Computertomographie oder Digitale Volumentomographie angeschlossen werden. Bei Verdacht auf eine isolierte Außenbandverletzung wird in der Regel eine Sonographie des Sprunggelenks durchgeführt. Hier können relevante Bandstrukturen, wie die vordere Syndesmose und der Außenbandapparat, sowie Sehnen meist gut beurteilt werden. Bei Verdacht auf Begleitverletzungen, wie Knorpelschäden, eine Verletzung der Syndesmose oder eine Läsion im Bereich der Peronealsehnen zeigen, kann eine weiterführende Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein. 

Einteilung

Wie so häufig existieren auch für die akuten Außenbandverletzungen viele verschiedene Klassifikationen. Im klinischen Alltag erscheint die Einteilung in stabil und instabil, sowie die Anzahl der verletzten Bänder am sinnvollsten. Diese Einteilung hat einen direkten Einfluss auf die weitere Therapie. 

Konservative Behandlung

Die allermeisten akuten Außenbandverletzungen können konservativ behandelt werden. Die genaue Behandlung richtet sich danach, ob es sich um eine stabile oder instabile Verletzung handelt. Bei einer stabilen Verletzung, also einer Zerrung des LFTA, wird eine rein symptomatische Therapie durchgeführt. Dabei geht es vor allem um das Wiedererlangen der subjektiven Stabilität und die Reduktion der Schmerzen. Das Gelenk darf dabei voll belastet werden.

Bei einer instabilen Außenbandverletzung, also einer Ruptur des LFTA oder einer Ruptur des LFTA und LFC, zielt die Therapie auf die Wiederherstellung der objektiven und subjektiven Stabilität des Gelenkes ab. Die besten Ergebnisse werden dabei mit einer funktionellen Therapie erzielt. Das verletzte Sprunggelenk darf unmittelbar schmerzadaptiert belastet werden. Um die objektive Stabilität des Gelenkes wiederherzustellen, sollte eine Sprunggelenks-Orthese für 6 Wochen, Tag und Nacht getragen werden. Diese soll dafür sorgen, dass die Bänder in anatomischer Stellung verheilen können. Bereits nach 2 bis 4 Wochen kann mit der Physiotherapie begonnen werden. Diese ist essenziell, um die Tiefenwahrnehmung zu trainieren und somit die subjektive Stabilität wieder herzustellen. Die Kombination aus diesen Maßnahmen ist wichtig, um eine langfristige Stabilität des Gelenkes zu erzielen. Studien deuten darauf hin, dass eine einmalige Injektion von plättchenreichem Plasma, kurz PRP, zu einer schnelleren Schmerzfreiheit im Sport führen kann.

Operative Behandlung

Aufgrund der guten Ergebnisse der konservativen Therapie wird eine Operation bei der akuten Außenbandverletzung nur noch in Ausnahmefällen empfohlen. Dies kann der Fall sein, wenn eine chronische Instabilität bereits bestand oder wenn zusätzliche intraartikuläre Verletzungen vorliegen. Bei der operativen Therapie der akuten, erstmaligen Außenbandverletzung können die Bandstümpfe direkt genäht oder mit einem Knochenanker im Wadenbein fixiert werden. Dies kann offen oder arthroskopisch erfolgen. Bei einer vorbestehenden chronischen Instabilität werden die Operationsstrategien der chronischen Außenbandinstabilität angewandt. Hierfür verweisen wir auf den entsprechenden Vortrag. Unabhängig vom Operationsverfahren ist die anschließende Physiotherapie essenziell. 

Komplikationen

Obwohl die meisten akuten Außenbandverletzungen gut heilen, können in einigen Fällen Komplikationen auftreten, die die Genesung beeinträchtigen oder zu langfristigen Problemen führen. Für die konservative Therapie ist die häufigste Komplikation, dass sich eine chronische Außenbandinstabilität entwickelt. In vielen dieser Fälle erfolgte keine suffiziente konservative Therapie. Seltenere Komplikationen beziehungsweise Sekundärschäden aufgrund des Traumas sind Knorpelschäden oder persistierende Beschwerden einer begleitenden Verletzung der Peronealsehnen. Bei der operativen Therapie sind die Komplikationen Wundheilungsstörungen, Infektionen, Schäden an Nerven und Gefäßen, vor allem dem Nervus peroneus superficialis, Schmerzen, Gelenksteife und eine persistierende Instabilität.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Behandlung einer akuten Außenbandverletzung sind im Allgemeinen gut. Bei richtiger Indikationsstellung und konsequent durchgeführter Therapie ist die konservative Therapie genauso gut wie die operative Therapie, ohne dabei die zusätzlichen Risiken der Operation. Bei der konservativen Therapie kann die Bedeutung der Rehabilitation, also Physiotherapie und Eigenübungen, nicht genug betont werden. Sie ist entscheidend für eine vollständige Wiederherstellung der Gelenkfunktion und zur Vermeidung von Komplikationen.

Unsere Referenzen und Publikationen

Im Weiteren finden Sie Publikationen und Forschungsarbeiten von uns zu diesem Thema:

Inhalt

Verfasst von Prof. Dr. med. Sebastian Baumbach
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Spezielle Fuß- und Sprunggelenkchirurgie (D.A.F.)
Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Hans Polzer · Zuletzt geprüft am 12.07.2026